Wer einen Zombiefilm dreht und dabei den Nachnamen Romero trägt, muss sich zwangsläufig an einem großen Vorbild messen lassen. Schließlich prägte George A. Romero mit Die Nacht der lebenden Toten und seinen Fortsetzungen das Genre wie kaum ein anderer Filmemacher. Seine Tochter Tina Romero hat mit Queens of the Dead nun selbst einen Film über die Rückkehr der Untoten gedreht. Dabei verneigt sie sich vor dem Werk ihres Vaters und findet zugleich einen eigenen Zugang zu dessen Monstern.
Für ihr Spielfilmdebüt verlegt die Regisseurin die Zombie-Apokalypse in das queere New Yorker Nachtleben, das sie aus ihrer eigenen Arbeit als DJ kennt. Im Mittelpunkt steht eine Gruppe von Dragqueens und Clubbesuchern, die während einer Party um ihr Überleben kämpfen muss. Dabei verbindet Romero blutigen Horror und Humor mit einer Geschichte über Freundschaft, Konflikte und den Zusammenhalt innerhalb einer Gemeinschaft.
Zum deutschen Kinostart von Queens of the Dead am 29. Oktober 2026 haben wir mit Tina Romero über ihre Erfahrungen im New Yorker Nachtleben, die Entwicklung ihrer Figuren und die Parallelen zwischen dem Auflegen und dem Filmemachen gesprochen. Außerdem erzählte sie uns, welche Regeln des Zombiefilms sie von ihrem Vater übernommen hat und welche sie bewusst verändern wollte.
Du bist nicht nur Regisseurin, sondern kennst dich als DJ auch im queeren New Yorker Nachtleben aus. Welches Detail dieser Welt war dir für den Film besonders wichtig?
Oh mein Gott, das hat mich noch niemand gefragt. Ich liebe diese Frage.
Ich glaube, es ist das Detail, dass Dre mit diesem Wagen voller Dinge zum Club kommt – mit Materialien und Luftballons. So viele Veranstalterinnen und Veranstalter in meiner Welt machen das genauso. Sie haben nicht das Geld, um ein großes Produktionsteam zu engagieren, und müssen den Veranstaltungsort selbst verwandeln.
Eine gute Freundin von mir brachte immer Glühbirnen mit, um sämtliche Lampen in der Location auszutauschen. Sie fuhr mit den Hintergründen für die Fotostation und der ganzen Ausrüstung in der U-Bahn, um aus einem Raum eine tolle Partylocation zu machen. Diese DIY-Mentalität wollte ich einfangen: Was braucht es, um einen Raum zu verwandeln und eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen, selbst wenn man überhaupt kein Geld dafür hat? Besonders in der Figur von Dre wollte ich das zeigen.
Du hast erzählt, dass die ursprüngliche Idee für Queens of the Dead aus einem Streit zwischen Partyveranstaltern entstanden ist. Wie wurde daraus eine Geschichte über Menschen, die uns am Herzen liegen?
Damals wurde online ein Manifest veröffentlicht, in dem gefragt wurde: „Wann wird die queere Community endlich aufhören, ihre eigenen Leute zu verschlingen?“ Als ich dieses Wort „verschlingen“ las, wurde mir schlagartig klar, dass diese Welt ein fantastischer Schauplatz für eine Zombie-Apokalypse wäre. Vor dieser Idee hatte ich nie das Gefühl, dass ich etwas mit Zombies machen wollte, weil ich keine Geschichte hatte, die ich erzählen konnte. Es hätte sich für mich nicht authentisch angefühlt. Aber als mir diese Idee kam, wurde mir klar, was für eine unterhaltsame Welt das ist und was für interessante Figuren darin vorkommen.
Die Menschen in der Nachtlebenszene sind einfallsreich und packen selbst mit an. Sie sagen sich: „Dann nähe ich mir eben schnell ein Kostüm. Dann suche ich mir eine Requisite für meine Nummer. Ich gehe den ganzen Tag arbeiten, fahre nach Hause, ziehe mich für meinen Drag-Auftritt um und komme anschließend in den Club.“ Das sind wirklich starke Persönlichkeiten. Ich wollte sehen, was passiert, wenn man solche Kämpferinnen und Kämpfer durch eine verrückte Nacht schickt, in der die Toten wieder zum Leben erwachen. Sie kämpfen vielleicht nicht auf die herkömmliche Art, aber sie sind auf ihre Weise Kämpfer.
Meine Drehbuchpartnerin Erin Judge und ich haben anschließend überlegt, wen wir alles in diesem Raum sehen wollten. Wir wollten ein möglichst breites Spektrum queerer Menschen zeigen. Es sollten nicht nur Frauen oder nur Männer sein. Wir wollten so viele unterschiedliche queere Figuren wie möglich einbringen. Dabei haben wir über Menschen geschrieben, die wir kennen. Für jeden Typus, den wir uns angesehen haben, hatten wir bestimmte Personen im Kopf. Ich finde, es hilft immer, bei der Entwicklung einer Figur einen realen Menschen vor Augen zu haben. Dadurch kann man ihre Stärken und Schwächen besser verstehen.
Wir haben außerdem sehr lange an dem Drehbuch gearbeitet. Es hat etwa zehn Jahre gedauert, bis der Film zustande kam, und es gab unzählige Fassungen. Als wir schließlich beim Drehbuch für die Produktion angekommen waren, kannten wir alle Figuren sehr gut. Dieses Drehbuch war natürlich viel kürzer und weniger umfangreich als die ursprüngliche Version. Aber wir hatten inzwischen ein so gutes Gespür für alle Figuren, dass wir ihre Handlungsbögen kürzen und trotzdem darauf achten konnten, dass jede Figur im Film eine vollständige Entwicklung durchläuft. Dass wir selbst Teil der Community sind und diese Menschen kennen, hat uns dabei geholfen, interessante Figuren zu erschaffen.
Eine besondere Dynamik ergibt sich zwischen Dre und Sam. Während die eine versucht, alles unter Kontrolle zu halten, hat der andere Angst, die Menschen wieder zu enttäuschen. Wie habt ihr ihre gemeinsame Vorgeschichte entwickelt?
Das war tatsächlich die allerletzte große Änderung, die wir am Drehbuch vorgenommen haben. Wir haben eine Figur herausgeschrieben, die Sams früherer Liebhaber war. Wir hatten entschieden, dass eine Person zu viel in diesem Raum war. Es handelte sich um eine weitere Dragqueen namens Anorexia. Wir liebten sie. Sie war sehr lustig und sarkastisch und hatte viele tolle Witze. Aber dann sagten wir uns: „Was wäre, wenn wir sie herausnehmen und die Beziehung zwischen Sam und Dre in den Mittelpunkt stellen?“ Gerade in der queeren Community haben solche Freundschaften etwas Familiäres. Das ist deine selbst gewählte Familie, und Spannungen können dort sehr tief gehen. Dinge können sich verändern, neue Lebensabschnitte können beginnen. Wir entschieden uns also dafür, die Beziehung aus dem romantischen Bereich herauszunehmen und daraus eine platonische Freundschaft zu machen. Dabei dachten wir über das Drama nach, das wir selbst mit unseren besten Freunden erlebt hatten, und über die Höhen und Tiefen solcher Beziehungen.
Ich liebe diese Änderung und bin sehr froh, dass wir sie vorgenommen haben. Dadurch wurden die Figuren von Katy und Jaquel zu interessanten gemeinsamen Hauptfiguren. Die platonische Freundschaft und die Aufarbeitung ihrer gemeinsamen Vorgeschichte haben dazu geführt, dass beide Geschichten stärker in den Vordergrund rückten.
Wie du bereits gesagt hast, gehören diese Figuren derselben Community an, verstehen oder unterstützen sich aber nicht immer. Wie habt ihr entschieden, welche Spannungen ihr untersuchen wolltet?
Damit haben wir tatsächlich angefangen. Wir wussten von Anfang an, dass wir keinen deprimierenden, düsteren und hoffnungslosen Zombiefilm machen wollten. Davon gibt es viele, und jede Art von Zombiefilm hat ihre Berechtigung. Jemand zeigte mir einmal das Bild eines Stammbaums mit all seinen Verästelungen und den verschiedenen Richtungen, in die man mit Zombies gehen kann.
Unsere Zombies sollten unterhaltsam und albern sein. Letztlich sollte der Film aufmunternd, hoffnungsvoll und farbenfroh werden. Wir haben einen großen Teil davon während der Corona-Pandemie geschrieben. Gerade für queere Menschen wollten wir keine düstere und tragische Geschichte erzählen. Aber es ist ein Zombiefilm und mein Nachname lautet Romero. Deshalb wussten wir, dass wir auch etwas Wichtiges sagen und die eine oder andere Aussage treffen mussten.
Wir begannen mit einem Whiteboard und fragten uns: Welche Themen wollen wir behandeln? Welche Spannungen wollen wir betrachten? Ganz oben auf unserer Liste stand die Abhängigkeit von technischen Geräten. Das ist etwas, das mir große Angst macht. Inzwischen sind wir natürlich in einer völlig neuen Ära technologischer Albträume angekommen, mit künstlicher Intelligenz und all den beängstigenden Dingen, die in diesem Bereich auf uns zukommen. Aber als wir das Drehbuch schrieben, fragte ich mich vor allem: Wie verändern diese Handys unser Gehirn? Wie verändern sie unser Verhalten? Wie treiben sie uns auseinander? Diese Abhängigkeit und die Geräte, die wir ständig vor unseren Gesichtern haben, standen ganz oben auf meiner Liste.
Dann gibt es natürlich noch die Opioidkrise und die Frage, wie Drogen die queere Community beeinflussen. Hinzu kommen die Konflikte innerhalb der Community. Obwohl wir oft alle unter diesem großen Regenbogenschirm zusammengefasst werden, verstehen sich queere Menschen nicht automatisch miteinander und sind nicht immer einer Meinung. Ich wollte mir diese Spannungen ansehen, besonders zwischen jüngeren und älteren Generationen queerer Menschen, die aus zwei verschiedenen Welten kommen. Letztlich brauchen sie einander, um zu überleben. Die älteren Schwulen brauchen die jüngeren, und umgekehrt. Das war etwas, womit ich mich beschäftigen wollte, ebenso wie mit Altersdiskriminierung innerhalb der queeren Community.
Eine der lustigsten, zugleich aber auch beängstigenden Szenen ist die, in der sich eine Zombie-Dragqueen zunächst unbemerkt unter die kostümierten Menschen im Club mischt. Wie hast du entschieden, wann ein Bild lustig und wann es unheimlich sein sollte?
Die Vorstellung eines Zombies auf der Tanzfläche eines Clubs war das erste Bild, das ich im Kopf hatte. Das Spannende daran ist, dass man einen Zombie in Drag vielleicht gar nicht sofort erkennen würde. Da bewegt man sich auf einem schmalen Grat, und genau das macht Spaß.
Um zu wissen, ob etwas unheimlich oder albern ist, muss man sich das Tempo im Kopf vorstellen und wissen, an welcher Stelle der Geschichte man sich befindet. Wo befinden wir uns auf dieser Fahrt? Sind wir gerade an einem lustigen oder an einem spannenden Punkt?
Letztlich geht es beim Filmemachen darum, die Fahrt zu gestalten, auf die man sein Publikum mitnimmt. Man muss sich am Set immer wieder vergegenwärtigen, welches Tempo die jeweilige Szene innerhalb des Films haben muss. In diesem Film tendieren wir eher zum Spaß als zum Schrecken. Das ist kein Zombiefilm, der einem wirklich Angst machen soll. Es gibt ein paar Momente, in denen wir das Publikum ein wenig erschrecken wollen, aber wir wollten nie verstörend sein. Wir wollten keine tief sitzende Angst erzeugen, und das war eine bewusste Entscheidung. Deshalb ist der Film auch so farbenfroh ausgeleuchtet. Im Blut ist Glitzer, und die Zombies schimmern. Wir bewegen uns eher in einer Welt des Camps und des Vergnügens.
Dein Vater hat bewusst oder unbewusst so etwas wie das Regelwerk für den Zombiefilm geschrieben. Gab es eine bestimmte Regel, die du übernehmen wolltest, und eine andere, die du infrage stellen wolltest?
Absolut. Ich habe den Komparsen am Set sehr deutlich gesagt: „Nicht rennen!“ Dabei habe ich gelernt, wie leicht ein einzelner Zombie-Komparse, der aus der Reihe tanzt, eine weite Einstellung ruinieren kann. Wenn du eine Horde Zombies hast, die sich alle langsam und untot bewegen, und eine Person ist zu schnell, fällt das sofort auf.
Ich wollte traditionelle Romero-Zombies haben. Die erste Regel lautet: Sie sind langsam. Ein Biss verwandelt dich. Und man muss das Gehirn zerstören, um das Monster auszuschalten. Dazu haben wir ein kleines Stück Mythologie ergänzt: Die Zombies reagieren noch immer auf ihre Geräte. Ich glaube, mein Vater hat das mit Bub bereits angedeutet. Das passt sehr gut zu der Richtung, in die er seine Mythologie und seine Regeln entwickelt hat. In unserer heutigen Zeit würden sich unsere Zombie-Gehirne noch an diese Handlung erinnern: „Oh, ich habe eine Benachrichtigung bekommen. Ich nehme mal mein Handy zur Hand.“
Was das Infragestellen von Genrekonventionen angeht, würde ich sagen, dass das vor allem mit der Zusammensetzung der Figuren zu tun hat. In so vielen Überlebensfilmen gibt es diese bunt zusammengewürfelte Gruppe mit einem einzigen schwulen besten Freund, der für die komischen Momente zuständig ist. In diesem Film wollte ich das umkehren: Die ganze Gruppe besteht aus queeren Menschen, und dann gibt es unseren einen heterosexuellen Mann aus Staten Island. Er hätte nicht gedacht, dass er an einem Samstagabend dort landen würde, ist am Ende aber ziemlich froh darüber. Ich wusste schon zu Beginn des Projekts, dass ich das machen wollte. Außerdem wollte ich, dass der gutaussehende weiße Barbesitzer als Erster stirbt. Es ging mir darum, mit diesen albernen Genrekonventionen zu spielen.
Du hast in einigen Antworten bereits den Rhythmus und den Schnitt des Films angesprochen. Hat deine Erfahrung als DJ, die Stimmung auf einer Tanzfläche zu lesen, beeinflusst, wie du den Rhythmus des Films gestaltet hast?
Deine Fragen sind großartig. Niemand hat mir so gute Fragen gestellt wie du, und das meine ich wirklich. Ich bin sehr beeindruckt.
Hundertprozentig, absolut. Ich denke ständig musikalisch. Bevor ich auch nur eine Seite des Drehbuchs geschrieben habe, habe ich bereits eine Playlist. Ich habe im ganzen Drehbuch musikalische Hinweise eingefügt. Musik ist ein Teil dessen, was mich kreativ antreibt.
Ich habe Regieführen und Auflegen schon oft miteinander verglichen: Man gestaltet den Ablauf eines Abends und denkt über die Beats pro Minute nach. Man überlegt, wie man das Publikum mitnimmt, ohne dass die Übergänge zu abrupt werden. Man möchte an einen bestimmten Punkt gelangen und spielt bestimmte Stücke, um dorthin zu kommen und das Publikum dort ankommen zu lassen.
Ich habe sehr viel über die Musik nachgedacht. Natürlich ist Musik ein schwieriges Thema. Sie ist teuer, es ist nicht leicht, die Rechte zu bekommen, und wir hatten nicht viel Geld dafür. Da kamen unsere Komponisten Blitz//Berlin ins Spiel und haben uns gerettet. Ich habe die Zusammenarbeit mit ihnen geliebt.
Mein Editor und ich hatten den Film zunächst mit allen möglichen existierenden Songs unterlegt, von denen ich träumte, dass wir sie verwenden könnten. Viele mussten wir wieder herausnehmen, weil wir sie uns nicht leisten konnten. Aber Blitz//Berlin konnten diese Energie einfangen. Sie konnten diesen nostalgischen Synthesizer-Klang der Achtziger und emotionale Musikstücke schaffen, aber auch großartige Beats, bei denen ich das Gefühl hatte, in einem Club zu sein.
Ich wollte, dass der Film durchgehend von Musik begleitet wird. Das liebe ich an ihm, und ich bin sehr stolz auf das, was wir geschafft haben. Ich freue mich sehr, dass wir Musik von Kesha im Film haben. Die vier verwendeten Songs stammen von Kesha, Scissor Sisters und Bizarre Inc mit „I’m Gonna Get You“; am Ende hören wir außerdem ein Stück von Tomás Matos, der Nico spielt. Der Rest ist Blitz//Berlin, die genau das tun, was sie am besten können. Am Set haben wir auch häufig zu Musik gedreht. Ich hatte eine ganze Playlist, und oft lief Musik während der Dreharbeiten. Ich glaube, das beeinflusst alles: das Tempo der Person an der Steadicam, die Art, wie sich die Menschen bewegen. Es gibt den Schauspielerinnen und Schauspielern Energie.
Ich liebe es, zu Musik zu drehen. Wenn ich keinen Dialog aufnehmen muss, möchte ich am liebsten die ganze Zeit Musik laufen lassen. Das war schon an der Filmschule so. Sie hilft dabei, den Rhythmus im eigenen Kopf zu finden, und beeinflusst auch das Tempo der Menschen um einen herum. Die Verbindung zwischen diesen beiden Tätigkeiten war für mich also enorm wichtig.
Du hast sehr herzlich über dein Ensemble gesprochen. Gab es einen Moment, in dem dich jemand überrascht und deine Sicht auf eine Figur verändert hat?
Lass mich kurz darüber nachdenken. Ja, absolut. Alle haben so viel eingebracht, und sie sind solche Profis. Dieser Cast hat besonders gut verstanden, worum es ging: Wir bewegen uns im Bereich der Komödie, können spielerisch sein und herumalbern, müssen aber auch in den Emotionen und der Angst verankert bleiben. Sie konnten zwischen einer unheimlichen, einer traurigen und einer verspielten Szene wechseln.
Oft haben wir zunächst die Szene so gedreht, wie sie im Drehbuch stand. Wenn danach noch Zeit war, habe ich sie spielen und improvisieren lassen. Deshalb gibt es am Ende vieler Szenen noch einen komischen Schlusspunkt. Wir hatten bereits das im Kasten, was wir brauchten, und dann habe ich sie machen lassen. Es war schwer, eine Auswahl zu treffen, weil sie alle so viele lustige Ideen hatten.
Tomás und Samora, die Jax spielt, gingen zusammen auf die Highschool. Sie sind seit Langem befreundet. Dadurch gab es bereits eine zusätzliche Tiefe, weil sie diese gemeinsame Geschichte hatten und auch im wirklichen Leben befreundet sind. Auf diesen Ebenen konnten wir aufbauen. Tomás war unglaublich professionell: ein Multitalent, das tanzen, schauspielern und singen kann, und immer voller großartiger Ideen.
Du hast mehrere Schauspielerinnen und Schauspieler mit persönlichen Briefen angesprochen. Was konntest du ihnen darin über den Film vermitteln, was vielleicht nicht allein aus dem Drehbuch hervorging?
In einem persönlichen Brief kann man sein Anliegen darlegen und ihm eine persönliche Note geben. Man kann sagen: „Deshalb ist mir das wichtig“, und den Leuten ein wenig Kontext vermitteln.
Ich habe erklärt, dass ich auf diese Weise eine Fackel weitertrage: Ich nehme etwas, das mein Vater begonnen hat, führe es in eine neue Ära, gebe ihm eine queere Perspektive und schaffe Raum für queere Stimmen. Ich habe erklärt, wie wichtig es mir war, diese Geschichte so authentisch queer wie möglich zu erzählen. Ich glaube, das spricht viele der Darstellerinnen und Darsteller an, die selbst Teil der queeren Community sind. Es kommt nicht oft vor, dass Menschen eingeladen werden, sich in einer authentisch queeren Welt auszuprobieren.
Queerness wird auf der Leinwand zwar zunehmend akzeptiert. Aber man spürt, wenn Hollywood sagt: „Okay, wir müssen das jetzt queer machen, um cool zu wirken.“ Das fühlt sich unangenehm und gezwungen an. Ich wollte vermitteln, dass dieses Projekt von queeren Menschen gemacht wird – von den Autorinnen über die Regisseurin bis zu den Leuten, die wir ins Team holten – und dass ich wollte, dass sie ein Teil davon sind.
Außerdem habe ich jeder Person erklärt, warum ich sie für die richtige Besetzung der jeweiligen Rolle hielt. Das ist eine schwierige Aufgabe. Ehrlich gesagt habe ich meinen Vater nie dabei beobachtet, und an der Filmschule hat man uns auch nicht beigebracht, dass man so etwas macht. Dieser Teil des Prozesses war mir vorher nicht bewusst. Es war nicht leicht. Man schreibt viele Briefe und hat das Gefühl, den Menschen sein Herz auszuschütten. Man macht sich verletzlich und bekommt viele Absagen. Aber dann erhält man ein magisches Ja, und plötzlich fühlt es sich an, als hätte sich alles gelohnt. Ich bin froh, dass ich mir die Zeit genommen habe, diese Briefe zu schreiben.
Meine erste Zusage kam von Dominique Jackson. Das war eine sehr bedeutende Zusage, weil sie eine Legende und einfach fantastisch ist. Als die Leute sahen, dass Dominique Jackson beteiligt war, haben sie das Projekt, glaube ich, ernster genommen und das Drehbuch genauer gelesen. So kommt ein Filmprojekt nach und nach zustande und bekommt Flügel.
Zum Abschluss: Du hast betont, dass du in einer sehr schwierigen Zeit einen lebensfrohen Film machen wolltest. Wenn man sich den Zustand der Welt heute ansieht, befinden wir uns noch immer in einer solchen Zeit. Wie hast du ein Ende gefunden, das hoffnungsvoll sein kann, ohne die Verluste der Figuren beiseitezuwischen?
[Die folgende Antwort enthält Spoiler zum Ende des Films.]
Ich wollte keinen Zombiefilm mit einem „Final Girl“ machen, also einer einzelnen Überlebenden am Ende. Ich liebe solche Filme, aber bei diesem fühlte es sich für mich anders an. In gewisser Weise ist die Community die wichtigste Figur. Ich wollte sagen: Wenn wir zusammenhalten, überleben wir.
Wir wussten immer, dass die meisten unserer geliebten Figuren lebend herauskommen sollten. In einer frühen Fassung war die Flucht aus dem Club nur der erste Teil. Danach folgte noch eine ganze Reise: Sie stiegen auf den Wagen, fuhren zu einer anderen Party, um einen Freund zu retten, gelangten ans Wasser und stiegen auf das Boot – „vom Wagen zum Boot“. So albern das auch klingt: Wir wollten unbedingt, dass dieser Wagen unsere Version von Dead Reckoning ist. [Anmerkung: Dead Reckoning ist das gepanzerte Fahrzeug aus George A. Romeros Land of the Dead.]
Wir mussten herausfinden, wie wir die meisten Figuren herausbekommen. Dann mussten wir das Ganze zurückspulen und entscheiden, wen wir verlieren würden. Das wollten wir eigentlich nicht, und es war schwer. Aber wir wussten, dass wir ein paar von ihnen verlieren mussten. Letztlich fühlte es sich richtig an, dass Ginsey und Pops, unsere älteren Figuren, geopfert werden. In der schwulen Community sind die Opfer der älteren Generation der Grund dafür, dass wir Jüngeren heute hier sein und uns entfalten können. Die Menschen, die vor uns kamen, haben viel gelitten, damit wir offen und stolz leben können, wie wir es heute tun.
Es war eine Art Drehbuchoperation und brauchte Jahre des Schreibens, bis wir herausgefunden hatten, wie wir an diesen Punkt gelangen. Und dann gibt es natürlich noch Tigers Opfer gegen Ende – einen traurigen Moment, bevor sie den Wagen erreichen. Wir wussten auch, dass wir am Schluss noch einen kleinen Stich brauchten, der uns daran erinnert, dass nicht alles perfekt und gut ist. Ja, sie sind entkommen, aber die Welt ist noch immer ein wenig beängstigend. Nico wacht auf dem Boot auf, und seine Augen haben sich verändert. Die Idee dahinter ist, dass Nico die verunreinigten Pillen genommen hat und nun auf der anderen Seite erwacht.
Vielen Dank für das interessante Gespräch.
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