Bleach 2018

„Bleach“ // Deutschland-Start: 14. September 2018 (Netflix)

Schon seit seiner frühesten Kindheit hat Ichigo Kurosaki (Sota Fukushi) eine ganz besondere Fähigkeit: Er kann Geister sehen. Bislang war das kein übermäßig großes Problem für ihn, er nutzte sein Talent, um den Verstorbenen zu Frieden zu verhelfen. Was aber, wenn ein solcher Geist unterwegs verloren geht? Um eben solche kümmert sich Rukia Kuchiki (Hana Sugisaki), die als eine von vielen Todesgöttern die sogenannten Hollows bekämpft. Als sie bei einem dieser Kämpfe jedoch schwer verletzt wird, überträgt sie ihre Kräfte auf Ichigo, der an ihrer Stelle den Gegner besiegen soll. Doch es bleibt nicht bei dieser einmaligen Geschichte, wie der Teenager bald feststellen muss, sein Leben wird nie wieder so, wie er es bei einmal kannte.

Auch wenn die Popularität in den letzten Jahren stark nachgelassen hat, es gab eine Zeit, da spielte die Manga-Reihe Bleach von Tite Kubo in der ersten Liga mit. 120 Millionen gedruckte Bände, das muss man erst einmal schaffen. Hilfreich war dabei sicher auch die ab 2004 produzierte Animeserie, die es auf immerhin 366 Folgen brachte und derzeit auf Deutsch veröffentlicht wird. Auf eine Live-Action-Variante mussten Fans hingegen lange verzichten. Erste Gespräche gab es hierzu zwar schon 2010. Aber es sollte bis zum Sommer dieses Jahres dauern, bis daraus auch tatsächlich ein fertiges und vorzeigbares Ergebnis wurde.

Eine würdige Umsetzung
Dieses ist sogar überraschend gut geworden. Im Gegensatz zu anderen sehr umstrittenen Manga-Adaptionen bei Netflix (Fullmetal Alchemist, Death Note) ist diese hier gelungen und wird der Vorlage absolut gerecht. Noch immer ist die Geschichte um einen Jugendlichen, der es im Geheimen mit monströsen Gestalten aufnimmt, spannend, gefällt durch eine interessante Mythologie. Und auch der Humor kommt bei Bleach nicht zu kurz. Wie bei so vielen Abenteuern aus dem Land der aufgehenden Sonne, so muss auch hier ein etwas unbedarfter Jugendlicher gleichzeitig die Welt retten und die Schulbank drücken – was nicht immer ganz so funktioniert wie gedacht.

Regisseur Shinsuke Sato, dank I Am a Hero und Death Note: Light up the New World bereits bestens damit vertraut, Mangas für die große Leinwand zu adaptieren, gelingt hier die Balance der verschiedenen Elemente. Aber natürlich hat auch er mit den üblichen Problemen zu kämpfen, die eine solche Umsetzung mit sich bringen. Das größte ist die, eine über einen langen Zeitraum erzählte Geschichte stark komprimieren zu müssen. Wie schwierig das ist, wird an vielen Stellen deutlich: Einige der Figuren sind nur bloße Stichwortgeber, die Welt der Geister und Toten muss im Schnellverfahren erklärt werden. Die Einführung ist dadurch schon massiver, es dauert, bis der Film Fahrt aufnimmt. Gleichzeitig kann Bleach nur an der Oberfläche kratzen, bleibt viele Erklärungen schuldig.

Ein monströs guter Anblick
Überraschend versiert nimmt Sato hingegen eine zweite Hürde, welche Manga-Adaptionen oft plagt: Was auf Papier und in Schwarzweiß noch gut aussieht, sieht als Live-Action-Variante schnell lächerlich aus. Ein prominentes Beispiel der letzten Zeit war Assassination Classroom, das den Grad vom Absurden zum Trash überschreitet, weil die Spezialeffekte nicht mithalten können. Das ist bei Bleach deutlich besser: Die Wesen aus der Zwischenwelt sind zwar nicht sonderlich zahlreich, dafür aber überzeugend in Szene gesetzt, auch markant genug, um Lust auf weitere Begegnungen zu machen.

Ob es zu einer Fortsetzung kommen wird, steht noch nicht wirklich fest. Die Einspielergebnisse in Japan waren ordentlich, aber nicht überragend. Ob die Netflix-Zuschauer den Film annehmen, bleibt abzuwarten. Zu hoffen wäre es aber. Die Besetzung ist gut, der Look stimmt und nachdem der erste Teil die Arbeit mit der Einführung von Land und Leute schon geleistet hat, wäre es schade, keine weiteren Abenteuer mehr erleben zu dürfen, die sich dann stärker auf die Geschichte und die Mythologie konzentrieren können. Denn dort wäre noch einiges zu holen.

Bleach (2018)
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Bleach (2018)
Die Skepsis war im Vorfeld groß, das Ergebnis ist jedoch überraschend gut gelungen: Die Geschichte eines Jugendlichen, der gegen böse Geister kämpft, ist unterhaltsam und spannend, sieht auch im Rahmen des Möglichen gut aus. Allerdings kämpft „Bleach“ damit, die vielen Informationen aus dem Manga unterzubringen und muss zwangsläufig vieles verkürzen und konzentrieren.
6von 10

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