The Ritual Netflix

„The Ritual“ // Deutschland-Start: 9. Februar 2018 (Netflix)

Sechs Monate sind vergangen, seitdem Rob (Paul Reid) in einem Laden brutal ermordet wurde. Um ihres toten Freundes zu gedenken, beschließt der Rest der Clique – Luke (Rafe Spall), Hutch (Robert James-Collier), Phil (Arsher Ali) und Dom (Sam Troughton) – den ursprünglichen Plan umzusetzen und gemeinsam durch Schweden zu wandern. So wie es mit Rob vorgesehen war. Ziemlich unvorhergesehen sind jedoch die Vorkommnisse, als die vier eine Abkürzung durch den Wald nehmen wollen. Verstümmelte Tiere, sonderbare Zeichen und eigenartige Gegenstände, die sie in einer verlassenen Hütte finden, sind dabei nur der Anfang. Denn sie sind nicht allein in dem dunklen Wald unterwegs.

Es gibt ja so Orte, die sind quasi von Natur aus richtig unheimlich. So unheimlich, dass man als Filmemacher gar nicht viel dafür tun muss, um eine düstere Atmosphäre zu erzeugen. Keller gehören dazu, alte abgelegene Häuser, Orte, die irgendwie dunkel und menschenleer sind. Dazu zählen natürlich auch Wälder, weshalb sie schon immer ein beliebter Schauplatz des Horrorgenres waren. Fernab der Zivilisation, oft ohne Orientierungs- oder Kommunikationsmöglichkeiten, eine fehlende Sicht, dazu Geräusche, die von überall her zu kommen scheinen – da ist der Schrecken quasi inbegriffen.

Der Wald, dein natürlicher Feind
Diese Wirkung macht sich auch der Netflix-Film The Ritual zunutze, wenn er vier Freunde durch einen abgeschiedenen, schwedischen Wald schickt. Denn auch wenn die Besetzung hier stimmt, die Clique insgesamt überzeugende Arbeit leistet: Der Star der britischen Produktion ist nicht das Quartett, sondern die Natur. Die Bäume, die ineinander verschlungen sind, so als bildeten sie die Außenseite eines Käfigs. Die Berge in der Ferne, die von einer Geschichte erzählen, die älter ist als alle Menschen.

Der offensichtlichste Vergleich ist an der Stelle klar The Blair Witch Project. Nicht nur dass in beiden Filmen eine Clique durch einen nicht enden wollenden Wald irrt. In beiden Fällen mischen sich auch bald okkulte Elemente ins Geschehen. Während der Found-Footage-Klassiker dabei jedoch noch recht zurückhaltend war, ist The Ritual nicht unbedingt subtil. Schon früh zeigt die Adaption von Adam Nevills gleichnamigen Roman, dass in den abgeschiedenen Gegenden Schwedens ganz andere Dinge angebetet werden, als wir es vielleicht aus dem Schulunterricht kennen. Später wird es sogar regelrecht explizit.

Bilder, die nicht von dieser Welt sind
Aber das muss ja kein Nachteil sein. Tatsächlich gelingt The Ritual, das auf dem Toronto International Film Festival 2017 Premiere feierte, eine ganze Reihe atmosphärischer bis furchteinflößender Momente. Regisseur David Bruckner (Southbound – Highway to Hell, V/H/S – Eine mörderische Sammlung) versteht es nicht nur, das bloße Wandern zu einer nervenzehrenden Erfahrung zu machen. Auch die Szenen, wenn die Freunde einen Einblick in die dunklen Machenschaften erhalten, gehen mit diversen eindrucksvollen Aufnahmen einher. Von einigen surrealen Zwischenfällen ganz zu schweigen, die dem Ganzen noch eine stärker psychologische Richtung geben sollen.

Doch trotz zahlreicher guter Bestandteile und durchaus gelungener Atmosphäre, so ganz überzeugt The Ritual dann doch nicht. Vieles hier sind nur Standardelemente, wie sie in jedem Wald- und Wiesenhorror vorkommen, einschließlich eines wenig förderlichen Verhaltens der Protagonisten. Und am Ende scheiden sich ohnehin die Geister, da es nicht die befriedigende Auflösung mit sich bringt, die der lange Aufbau erhoffen ließ. Ein grundsolider Genrebeitrag ist das hier dennoch, bekommt auch ein paar Sympathiepunkte dafür, dass hier mal nicht mit billigen Jump Scares gearbeitet wird.

The Ritual
3.88 (77.65%) 17 Artikel bewerten

The Ritual
Ein Ausflug in die Wälder kann sehr schön sein … oder aber ein Albtraum. Bei „The Ritual“ wird Letzteres daraus, wenn ein gemeinsamer Wandertrip von vier Freunden richtig böse ausgeht. Das ist nicht allzu einfallsreich oder subtil, der Horrorfilm ist zum Ende auch nicht ganz befriedigend. Dafür stimmt die Atmosphäre, sowohl während der regulären Waldszenen wie auch in den okkulteren Momenten.
6von 10

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