Sex Life Netflix
© Netflix/Amanda Matlovich/Sophie Giraud

Sex/Life – Staffel 1

Inhalt / Kritik

Sex Life Netflix
„Sex/Life“ // Deutschland-Start: 25. Juni 2021 (Netflix)

Eigentlich hat Billie Connelly (Sarah Shahi) keinen Grund zum Klagen. Sie ist mit Cooper (Mike Vogel) verheiratet, einem fürsorglichen und blendend aussehenden Traummann, der ihr jeden Wunsch von den Lippen abliest. Und dann wären da noch die beiden gemeinsamen Kinder, die sie abgöttisch liebt. Die Sache hat nur einen Haken: Sie vermisst ihr früheres, aufregendes Leben. Und sie vermisst den wilden Sex, den sie mit ihren vielen Partnern hatte. Vor allem einer sorgte dafür, dass sie von einer Ekstase zur nächsten taumelte: Brad (Adam Demos). Und auch wenn die Beziehung damals in die Brüche ging und das mit der Zweisamkeit krachend scheiterte, so fantasiert die noch immer von ihm. Als Brad tatsächlich wieder in ihr Leben tritt, muss sich Billie entscheiden, was sie mit ihrem Leben anfangen will …

Verkaufsschlager Sex

Sex sells! Das weiß man natürlich auch Netflix, schließlich hat der Streamingdienst mit dem Thema einige gute Erfahrungen gesammelt. Die Ergebnisse fallen dabei jedoch sehr unterschiedlich aus. Am unteren Ende befindet sich der polnische Gurkenthriller 365 Days, der sexuelle Nötigung als Romantik verkaufen will. Deutlich besser sind die Serien Sex Education und Sexify, die sich tatsächlich mit dem Thema auseinandersetzen. Beim ersten Titel gibt ein Jugendlicher gegen Bezahlung anderen Sextipps, obwohl er selbst mit dem Thema hadert. Beim zweiten will eine Teenagerin mithilfe der Wissenschaft Frauen zu einem befriedigenderen Orgasmus verhelfen – ein zwar nicht ganz geglückter, aber doch sympathischer Einsatz für weibliche Selbstentfaltung und Selbstbestimmung.

Theoretisch versucht das auch Sex/Life, eine weitere US-amerikanische Serie von Netflix. Schließlich steht hier eine Frau im Mittelpunkt, die sich kontinuierlich die Frage stellt: War es das schon? Bin ich glücklich mit dem, was ich habe? Die offensichtliche Antwort ist dabei nein, schließlich fantasiert sie unentwegt von dem Mann, der sie betrogen und wie Dreck behandelt hat. Das ist auf den ersten Blick nicht ganz nachzuvollziehen, zumal sie mit einem Mann verheiratet ist, der selbst wie ein Model aussieht – Sixpack inklusive. Nur fickt der sie eben nicht so hart, was alles andere – die glückliche Ehe, die beiden Kinder, das schöne Haus – wieder in Frage stellt. Denn wie toll kann ein Leben schon sein, in dem du vom Mann respektiert wirst, anstatt hart von ihm rangenommen zu werden?

Die Lust nach mehr

Zur Ehrenrettung von Sex/Life muss man aber sagen: Sex ist nicht nur Sex. Auf dem Weg zum domestizierten Luxus musste Billie einiges von sich aufgeben. Die beruflichen Ambitionen, die sie mal hatte, hat sie weitestgehend aufgegeben. Dafür ist in dem Leben einer Mutter kein Platz. Und zumindest an manchen Stellen stellt die von dem Roman 44 Chapters About 4 Men von BB Easton inspirierte Serie die Frage in den Raum, wie viel eine Frau von sich aufgeben muss und darf, wenn sie eine Familie gründet. Schließen sich Sicherheit und Spannung aus? Kann man sich überhaupt noch sexy fühlen, wenn man täglich Milch abpumpt? Das sind Fragen, die in einer Ehe grundsätzlich gestellt werden können, selbst wenn man nicht gerade zwischen zwei Traummännern steht.

Die von Stacy Rukeyser entwickelte Serie hat aber kein echtes Interesse danach, sich damit auseinanderzusetzen. Stattdessen wird in den ersten Folgen vor allem demonstriert, wie Billie den Sex genießt. Mal mit dem einen Mann, mal mit dem anderen, mal auch mit völlig Fremden – wiederkehrende Flashbacks machen das möglich. Über einen Mangel an nackter Haut kann man sich bei Sex/Life nicht beklagen. Die diversen Regisseurinnen nutzen die Gelegenheit zudem, den makellosen Körper der Herren ausgiebig in Szene zu setzen. Schließlich richtet sich das hier an ein weibliches Publikum, das will auch mal was zu sehen bekommen. Dass die Überlegungen inmitten dieser Akrobatik ein wenig in Vergessenheit geraten, lässt sich kaum vermeiden – dafür aber verschmerzen. Die Serie ist anfangs einer dieser Fälle, bei denen man mit den Augen rollt, sich aber nicht zwangsweise ärgert.

Fragwürdig bis ärgerlich

Später ändert sich das. Anlass zum Ärger gibt es dabei vielfach. So ist es schon ein wenig grotesk, wenn sich Billies beste Freundin Sasha (Margaret Odette) in einem New York Times Bestseller dagegen wettert, dass sich Frauen Männern unterwerfen, während sie sich gleichzeitig zur sexuellen Stimulierung von einem Mann würgen lässt. Das Verhalten von Brad ist ohnehin inakzeptabel, der gezielt die Beziehung von Billie zerstören will und dafür als Freigeist gefeiert werden soll. Nicht dass die anderen wirklich besser sind. Im weiteren Verlauf von Sex/Life werden nahezu alle Figuren derart unerträglich, dass man nur noch widerwillig Zeit mit ihnen verbringt. Wenn dann zum Schluss Selbstsucht als Selbstbestimmung gefeiert wird und die offensichtliche Verletzung anderer Menschen durch den eigenen Vorteil gerechtfertigt wird, ist von der anfänglichen Sympathie für die Themen nichts mehr übrig. Das hier ist nicht mehr als fragwürdiger Hochglanzschund für ein Publikum, das sich nicht entscheiden will und dafür eine Erlaubnis sucht.

Credits

OT: „Sex/Life“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Patricia Rozema, Jessika Borsiczky, Samira Radsi, Sheree Folkson
Drehbuch: Stacy Rukeyser, Jordan Hawley, Jessika Borsiczky, Jamie Dennig, Resheida Brady, Kimberly Karp
Idee: Stacy Rukeyser
Musik: Mark Isham, Isabella Summers
Kamera: David A. Makin, Michael McMurray
Besetzung: Sarah Shahi, Mike Vogel, Adam Demos, Margaret Odette

Bilder

Trailer

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Eine Frau lebt mit einem absoluten Traummann zusammen, vermisst aber ihren Ex, der sie so richtig hart rangenommen und wie Dreck behandelt hat. Grundsätzlich ist die Frage weiblicher Selbstbestimmung ebenso wichtig wie sympathisch. Bei „Sex/Life“ ist das aber nur ein Vorwand, um attraktive Menschen beim Sex zu zeigen. Vor allem im weiteren Verlauf verkommt das zu inhaltlich fragwürdigem Hochglanzschund, der mit unerträglichen Figuren gefüllt ist.
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von 10