Das Wunder The Wonder Netflix
© Christopher Barr/Aidan Monaghan/Netflix

Das Wunder

Das Wunder The Wonder Netflix
„Das Wunder“ // Deutschland-Start: 16. November 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Als die englische Krankenschwester Lib Wright (Florence Pugh) 1862 in ein abgelegenes irisches Dorf reist, dann mit einem sehr ungewöhnlichen Auftrag. So heißt es, dass die elfjährige Anna O’Donnell (Kíla Lord Cassidy) seit mehreren Monaten schon nichts mehr isst. Und doch scheint ihr nichts zu fehlen, des himmlischen Mannas sei Dank, wie sie selbst behauptet. Doch die Männer im Dorf sind misstrauisch. Handelt es sich um ein echtes göttliches Wunder? Oder doch nur um Scharlatanerie? Wright soll ein scharfes Auge auf sie haben, um zu sehen, ob sie nicht doch etwas zu sich nimmt, und damit eben diese Frage beantworten. Tatsächlich findet sie zunächst keinen Hinweis, dass irgendwo Nahrung im Spiel ist. Bis sie eine Idee hat …

Glaube vs. Wissenschaft

Bei vielen Menschen ist sie da, die Sehnsucht, dass da noch mehr ist. Dass die Welt mehr zu bieten hat oder außerhalb des Sichtbaren etwas Anderes wartet. Dies kann mal aus Neugierde heraus geschehen, aus dem Verlangen nach etwas Aufregendem oder in der Hoffnung, einen Sinn in dem Chaos zu finden und damit etwas, an dem wir uns festhalten können. Das Netflix-Drama Das Wunder handelt von einer solchen Sehnsucht, wenn ein Mädchen anscheinend ganz ohne Nahrung auskommt. Das wäre auch heute noch eine Sensation. Die Adaption eines Roman von Emma Donoghue (Raum) spielt aber in Irland Mitte des 19. Jahrhunderts und damit nur wenige Jahre nach der großen Hungersnot, der mehr als eine Million Menschen zum Opfer fielen und genauso viele das Land verlassen ließen. In einem solchen Kontext ist eine göttliche Speisung besonders reizvoll, umso mehr in einem streng gläubigen Land wie Irland.

Aber reizvoll ist eben nicht wahr. Und so kommt es in Das Wunder zu einem Wettstreit der Systeme. Auf der einen Seite ist die Religiosität, auf der anderen die Wissenschaft – oder das, was die Leute damals für Wissenschaft hielten. Wright steht dabei eindeutig auf der Seite der Wissenschaft, wenn sie dem Mädchen mit derselben Skepsis begegnet wie einige der Herren. Gleichzeitig ist sie von einem humanistischen Weltbild geprägt. Während das Komitee in erster Linie darüber nachdenkt, was dieses mutmaßliche Wunder mit ihrem Dorf machen könnte, ist die Krankenschwester primär um das Wohlergehen des Mädchens besorgt. Immer wieder kommt es dadurch zu Interessenskonflikten, wenn ihre Neugierde, die Verpflichtung gegenüber dem Komitee und die Verantwortung einem jungen Menschen gegenüber im Wettstreit stehen.

Eine Frau schlägt sich durch die Männerwelt

Mit Florence Pugh (Midsommar, Don’t Worry Darling), eine der bekanntermaßen spannendsten Schauspielerinnen ihrer Generation, wurde für eine solche Geschichte natürlich eine Idealbesetzung gefunden. Sie verkörpert eine starke Frau, der man so leicht nichts vormachen kann. Eine, die sich zwar nicht in den Vordergrund drängt, aber doch gelernt hat, sich in einer Männerwelt zurechtzufinden. Zusammen mit dem chilenischen Regisseur Sebastián Lelio, der sich mit seinen Filmen wie Eine fantastische Frau und Gloria als Experte auf dem Gebiet starker Frauenfiguren etabliert hat, wird daraus eine sehenswerte One-Woman-Show. Gemeinsam erschaffen sie eine Protagonistin, die aus dem düster-grauen Provinziellen hervorsticht: fürsorglich, aufmerksam und doch auch voller Brüche, wenn man genauer hinschaut.

Die tragische Vorgeschichte hätte es dabei nicht unbedingt gebraucht. Diese wird wie so oft als billiges Hilfskonstrukt eingebaut, um auf diese Weise einer Figur mehr Tiefe verleihen zu wollen. Außerhalb von Wright findet ohnehin nicht viel Charakterisierung statt. Anna mag die Person sein, um die sich alles dreht. Eine Persönlichkeit hat sie jedoch nicht, sieht man einmal von ihrem starken Glauben hat, der ihr von der Familie eingetrichtert wurde und so zu einer religiösen Gehirnwäsche wurde. Das Wunder ist in der Hinsicht schon auch ein sehr harter Film, dessen skrupelloser Umgang mit einem Leben betroffen bis wütend macht. Sonderlich mysteriös ist das Drama, welches beim Telluride Film Festival 2022 Weltpremiere feierte, sicherlich nicht. Das Rätsel wird vergleichsweise früh gelöst. Spannend ist die Geschichte aber auch so bis zum Schluss.

Credits

OT: „The Wonder“
Land: USA, UK, Irland
Jahr: 2022
Regie: Sebastián Lelio
Drehbuch: Emma Donoghue, Alice Birch, Sebastián Lelio
Vorlage: Emma Donoghue
Musik: Matthew Herbert
Kamera: Ari Wegner
Besetzung: Florence Pugh, Tom Burke, Kíla Lord Cassidy, Elaine Cassidy, Caolán Byrne, Toby Jones

Bilder

Trailer

Filmfeste

Telluride Film Festival 2022
Toronto International Film Festival 2022

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fazit
„Das Wunder“ nimmt uns mit in ein irisches Dorf Mitte des 19. Jahrhunderts, in dem ein Mädchen seit Monaten nichts gegessen haben soll – echtes Wunder oder doch gemeiner Betrug? Das Ergebnis ist sehenswert, allen voran durch eine gewohnt starke Florence Pugh in der Rolle der zweifelnden und zugleich fürsorglichen Krankenschwester.
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