Ich habe keine Angst (2026) No tengo miedo I’m Not Afraid Netflix Streamen online Video on Demand
© Julieta Horak / Netflix

Ich habe keine Angst (2026)

Ich habe keine Angst (2026) No tengo miedo I’m Not Afraid Netflix Streamen online Video on Demand
„Ich habe keine Angst“ // Deutschland-Start: 8. Juli 2026 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Bislang war das Leben von Miguel (Aldo Emiliano Navarro) eigentlich weniger aufregend. Gemeinsam mit seinen Eltern Pino (Luis Alberti) und Teresa (Fátima Molina) lebt er in einem kleinen Dorf in Mexiko. Dort gibt es nicht viel zu tun. Außerdem ist das Geld knapp, es fehlt überall an einer Perspektive. Doch der Junge ist glücklich. Im Sommer 1986 wird aber alles auf den Kopf gestellt. Während sie überall bei der Fußballweltmeisterschaft mitfiebern, entdeckt Miguel in einem Erdloch eine Gestalt, die er zunächst für einen Geist hält. Später wird ihm aber bewusst, dass es sich dabei um einen anderen Jungen hält. Wie lange Felipe (Yago Andreu) schon da unten ist, weiß er nicht, auch nicht, wie er dorthin gekommen ist. Klar ist nur, dass er Hilfe braucht, um wieder rauszukommen. Aber das ist nicht einfach, da jemand das Kind angekettet hat …

Serienadaption des bekannten Romans

An düsteren Stoffen mangelt es auf Netflix nun wirklich nicht. Zuletzt haben sich wieder eine Reihe von Filmen und Serien mit menschlichen Abgründen beschäftigt oder erzählten Geschichten voller Verzweiflung. So beschrieb die französische Serie Sommer 36 eine Gesellschaft im Umbruch, als es 1936 in Nizza zu einem Mord kommt, der vier grundverschiedene Frauen zusammenbringt. Der deutsche Film 23 000 Leben stellt uns idealistische junge Menschen vor, die bei der Seenotrettung helfen wollen und dabei an ihre Grenzen stoßen. Bei der britischen True-Crime-Produktion The Witness wiederum folgen wir einem Vater und einem Sohn, die sich nach der Ermordung der Mutter zunehmend entfremden. Mit Ich habe keine Angst kommt nun eine mexikanische Serie heraus, bei der es ebenfalls tragisch und gefährlich zugeht.

Wem Titel oder auch die Beschreibung bekannt vorkommen sollten, hat völlig recht. Nicht nur, dass es eine literarische Vorlage gibt, den gleichnamigen Roman von Niccolò Ammaniti aus dem Jahr 2001. Zwei Jahre später gab es mit Ich habe keine Angst zudem bereits eine erste Verfilmung, die im Wettbewerb der Berlinale lief und diverse Preise einheimsen konnte. Nun also eine zweite Adaption. Diese unterscheidet sich in einigen Punkten von dem Original. Zum einen versetzt man das Geschehen vom Italien 1978 ins Mexiko 1986. Das hat Auswirkungen auf die jeweiligen Settings, wenn beispielsweise die Fußballweltmeisterschaft zu einem parallel erzählten Hoffnungsschimmer für die mexikanische Bevölkerung. Für die Handlung an sich ist das wenig relevant, aber es sorgt doch für ein wenig Lokalkolorit.

Zu viel Leerlauf und Pathos

Ein großer Unterschied ist natürlich die Laufzeit. Anstatt die Geschichte wieder in unter zwei Stunden zu erzählen, gibt es hier sechs Folgen mit rund 50 Minuten Länge. Da stellt sich die Frage: Braucht es das? Gibt es wirklich genug zu erzählen, um die deutlich gesteigerte Zeit zu rechtfertigen? Leider nicht. Zwar sind da schon Punkte, die Ich habe keine Angst auf diese Weise mehr vertieft, gerade im Hinblick auf das Umfeld des Jungen. Aber da ist auch einiges an Leerlauf, es kommt zu Redundanzen. Die Serie verliert dabei auch immer wieder das Wesentliche aus den Augen, da war der Film doch deutlich fokussierter und in sich stimmiger, wenn wir einen Einblick in das Leben von Miguel und seiner Familie bekommen.

Ein weiteres Manko ist, dass der naturalistische Ton des italienischen Films hier einem stärkeren Pathos gewichen ist. An manchen Stellen wird die Serie sogar regelrecht kitschig. Das ist schade, wenn nicht gar ärgerlich. Die Stärke der ersten Adaption war, wie ein ganz unaufgeregter Blick auf die Ereignisse geworfen wurde und wie gut es dabei gelang, die Perspektive eines Kindes einzunehmen. Die Serienfassung ist künstlicher und manipulativer. Schlecht ist sie deshalb aber nicht. Ich habe keine Angst ist auch in dieser Form eine sehenswerte Mischung aus Familiendrama und Gesellschaftsporträt, angereichert mit etwas Mystery und Thriller. Nur eben nicht auf dem Niveau des Titels von 2003, weshalb es die Neuauflage nicht gebraucht hätte.

Credits

OT: „No tengo miedo“
IT: „I’m Not Afraid“
Land: Mexiko
Jahr: 2026
Regie: Alba Gil, Alejandro Zuno, Ernesto Contreras
Drehbuch: Mónica Herrera, María Camila Arias
Vorlage: Niccolò Ammaniti
Musik: Gustavo Reyes, Andrés Sánchez
Kamera: César Gutiérrez Miranda
Besetzung: Aldo Emiliano Navarro, Yago Andreu, Regina Arroyo, Mauro Guzmán, Cosmo González Muñoz, Rafaella López, Ian Andrade, Bruno Strauss

Bilder

Trailer

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Ich habe keine Angst (2026)
fazit
In „Ich habe keine Angst“ entdeckt ein Junge einen anderen, der in einem Erdloch gefangen gehalten wird. Die Romanadaption bietet eine Mischung aus Familiendrama und Gesellschaftsporträt, gepaart mit etwas Mystery und Thriller. Im Vergleich zur ersten Verfilmung ist die Serie jedoch deutlich schwächer, da sie das Wesentliche aus den Augen verliert und den naturalistischen Ton zugunsten von mehr Pathos aufgibt.
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