Kritik

Holidate Netflix

„Holidate“ // Deutschland-Start: 28. Oktober 2020 (Netflix)

So richtig viel übrig haben Sloane (Emma Roberts) und Jackson (Luke Bracey) ja eher nicht für die Feiertage. Genauer hassen die beiden sie sogar, schließlich müssen sie sich dann immer von der Verwandtschaft anhören, dass sie ja noch Single sind. Als die beiden sich eines Tages über den Weg laufen und diese Gemeinsamkeit entdecken, machen sie aus der Not eine Tugend: Sie beschließen, an den Feiertagen immer das Date des anderen zu sein, ansonsten aber nichts weiter zu verfolgen. Warum auch, haben sie doch kein Interesse aneinander. Doch was sich in der Theorie so einfach anhört, stellt sich bald als deutlich kniffliger heraus als gedacht …

Ja, ist denn schon Weihnachten?
Normalerweise wartet Netflix ja, bis Halloween rum ist, bevor es mit den Weihnachtsproduktionen an den Start geht. Dieses Mal gibt es jedoch für das ausgehungerte Publikum festlicher Filme schon einen kleinen Vorgeschmack, noch bevor die Kürbisse beiseite geräumt wurden. Wobei Holidate nicht wirklich unter die Kategorie Weihnachtsfilm fällt. Während der Titel das eindeutig impliziert und auch das Artwork grell geschmückte Besinnlichkeit verspricht, ist Weihnachten hier nur ein Tag unter vielen. Genauer ein Tag unter vielen Feiertagen. Vergleichbar zu Weihnachten in der Wildnis ist das hier daher eine recht dreiste Mogelpackung.

Doch die Qualität macht sich bekanntlich nicht am Weihnachtsquotienten fest, wie so manch unrühmlicher Titel bereits bewiesen hat. Das Problem ist nur: Holidate ist ganz unabhängig davon kein guter Film. Zwei attraktive Singles, die sich gegenseitig schwören, nichts füreinander zu empfinden, die müssen am Ende dann doch eines Besseren belehrt werden. So lautet das Gesetz des Filmes. Und selbst wenn es kein Gesetz wäre, würde man sich hier vermutlich daran halten. Schließlich wird erst gar nicht versucht, eine auch nur im Ansatz originelle Geschichte zu erzählen. Vielmehr soll hier der Traum befeuert werden, dass jeder seine große Liebe findet, gerade wenn er sie am wenigsten erwartet.

Jedes Jahr dieselbe Leier
Dass alle anderen diese Entwicklung erwarten, das schien hier niemanden zu stören. Dreister noch: Man macht sich anfangs über Liebeskomödien und ihre Vorhersehbarkeit lustig, nur um dann selbst eine solche zu sein. Es fehlt der Mut, etwas Eigenständiges auf die Beine zu stellen. Allenfalls der zuweilen derbere Humor fällt etwas aus dem Rahmen. Lustig wird Holidate damit aber nicht. Im Gegenteil: Man darf sich hier durch hundert Minuten quälen, in denen zwar viel gescherzt wird, aber nur sehr wenige Treffer dabei sind. Der komischste Moment ist dann auch einer, der es vermutlich gar nicht sein soll: Wenn das unverschämt attraktive Quasi-Paar einem anderen gegenüber steht und sich ganz neidisch gibt, weil die anderen so attraktiv sind, darf man sich fragen: War das jetzt irgendwie Meta?

Doch die Antwort ist deutlich ernüchternder, wenn sich einfach beim Drehbuch niemand dafür interessierte, was plausibel oder spannend  oder eben glaubwürdig sein könnte. Da werden nur stur alte Gags abgespult, in der Annahme, dass sich das Zielpublikum ohnehin nicht dafür interessiert. Das bekommt schließlich zwei schöne Menschen, die sich im Weg stehen, mehrfach, nur um sich dann doch in die Arme zu fallen. Wenn das Ganze wenigstens irgendwie tatsächlich bewegend oder rührend wäre. Dafür aber sind die beiden Figuren viel zu nervtötend. Wenn sie ihre Gefühle füreinander entdecken, dann ist das nicht nur ziemlich langweilig, sondern auch wenig verständlich. Denn lässt man einmal die ansehnliche Hülle weg, gibt es nur wenig Gründe, Zeit mit ihnen verbringen zu wollen, da nicht einmal der anfängliche Zynismus zu nennenswerten Ergebnissen führt und viel zu früh fallen gelassen wird. Wer unbedingt eine Liebeskomödie braucht, bei der am Ende alles gut ausgeht, egal wie, kann es mit der doppelten Scrooge-RomCom versuchen. Als Einstieg in die Feiertagszeit ist das aber doch deutlich zu wenig.

Credits

OT: „Holidate“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: John Whitesell
Drehbuch: Tiffany Paulsen
Musik: Dan the Automator
Kamera: Shane Hurlbut
Besetzung: Emma Roberts, Luke Bracey, Jake Manley, Jessica Capshaw, Andrew Bachelor, Frances Fisher

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Holidate
Zwei attraktive Feiertagsmuffel, die zufällig Single sind, wollen ganz ohne Gefühle die Feiertage miteinander verbringen – wie das ausgeht, kann sich jeder denken. Dabei ist die Vorhersehbarkeit des Pseudo-Weihnachtsfilms „Holidate“ nur Teil des Problems. Genauso schlimm ist, dass die Liebeskomödie weder komisch noch bewegend ist.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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