Fyre Netflix
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Fyre – The Greatest Party That Never Happened

Fyre Netflix
„Fyre – The Greatest Party That Never Happened“ // Deutschland-Start: 18. Januar 2019 (Netflix)

Hierzulande dürften eher weniger Menschen etwas von dem Fyre Festival mitbekommen haben. In den USA tauchte es hingegen in zahlreichen Schlagzeilen auf, war Thema von Talk Shows, sogar Saturday Night Live nahm sich des Events an. Nicht weil das Festival so toll war. Im Gegenteil: Es war eine einzige Katastrophe. Es war nicht einmal ein wirkliches Festival, weil so ziemlich nichts von dem stattfand, was man von einem Musikfestival erwarten durfte. Musik zum Beispiel. Und natürlich nichts von dem, was im Vorfeld versprochen wurde.

Nun darf bei Musikfestivals des Öfteren mal etwas schiefgehen. Je größer und ambitionierter eine Veranstaltung, umso höher natürlich auch das Risiko, dass nicht alles so klappt wie erwartet. Auch beim legendären 60s Event Woodstock gab es Probleme ohne Ende, in die Geschichte ging es aber dennoch ein, wurde zu einer solchen Legende, dass bis heute Neuauflagen veranstaltet werden. Mit ganz neuen Problemen. Daran erinnert auch Fyre – The Greatest Party That Never Happened, eine neue Netflix-Doku zu dem Thema.

Die Bühne als Nebenschauplatz
Das Fyre Festival war aber noch einmal etwas anderes. Wo sich bei allem kommerziellen Interesse andere Festivals letzten Endes doch um Musik drehten, war das hier eher ein Nebenschauplatz. Viel stärker waren Billy McFarland und Rapper Ja Rule darauf aus, mit der Veranstaltung eine neue App zu promoten, die es erlaubte, ohne großen Aufwand Stars zu buchen. Zum Beispiel für Musikfestivals. Was liegt da näher, als einmal allen vorzumachen, wie so etwas richtig funktioniert?

Das Problem war nur: Nichts hat funktioniert. Weder McFarland noch Ja Rule hatten irgendeine Ahnung davon, wie ein solches Fest organisiert werden kann. Dafür hatte McFarland ein Talent darin, das Fest zu verkaufen. Mit einem Promovideo fing es an, in dem sich Models und Influencer auf dem Strand der Bahamas räkelten. Eine Privatinsel natürlich, die früher einmal Pablo Escobar gehört haben soll. Und als ein solches Event wurde das Fyre Festival verkauft: eine absolute Luxusveranstaltung, auf der niemand fehlen darf, der gern gesehen werden möchte. Ein Event für die Instagram-Generation, das eine gute Inszenierung zu schätzen weiß.

Eine Katastrophe, die sich ankündigt
Fyre zeichnet nun den Weg nach, von den ersten Planungen über die aufkommenden Schwierigkeiten bis zu dem absoluten Desaster, in der alles endete. Zu viel sollte man im Vorfeld nicht über das Thema nachlesen, um sich nicht den Spaß zu verderben. Denn es ist eine Mischung aus Faszination und Schadenfreude, die einen als Zuschauer hier begleitet, wenn hier alles schief geht, was schief gehen kann. Und noch viel mehr. Das Festival, das ist so etwas wie eine Massenkarambolage, die sich kilometerweit ankündigt und in die doch jeder hineinrauscht – die einen aus selbstverliebter Gleichgültigkeit, andere weil sie zu schockiert sind von dem Anblick, der sich ihnen bietet. Wo kriminelle Energie aufhört und Inkompetenz beginnt, das ist nicht immer leicht zu sagen.

Natürlich werden sich hier viele herausreden, sich selbst als Opfer von McFarland und dessen Überredungskünste darstellen. Dem mag man nun Glauben schenken oder nicht, im Nachhinein sind die meisten schließlich schlauer. Ein bisschen schade ist es schon, dass Regisseur Chris Smith (Collapse) seine Interviewpartner nicht etwas mehr auf deren eigene Verantwortung hin befragt. Und McFarland selbst kommt ohnehin nicht zu Wort. Vielleicht wurde nicht genug gezahlt. Oder er war zu sehr damit beschäftigt, schon neue Betrügereien anzugehen. Denn, so lehrt einen Fyre: Die Welt ist voller Menschen, die eben doch auf schöne Bilder und große Versprechungen reinfallen, so lange der Rahmen stimmt und man das Gefühl bekommt, dadurch etwas Besonderes zu werden.



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Selbst wer noch nie von dem in den USA berüchtigten Fyre Festival gehört hat, kann bei der dazugehörigen Dokumentation jede Menge Spaß haben. „Fyre – The Geatest Party That Never Happened“ zeigt nicht nur, wie beim groß angekündigten Musikevent alles schief ging, Unwissenheit und kriminelle Energie zusammenfanden. Es ist auch eine Abrechnung mit der Instagram-Generation, die sich alles verkaufen lässt, was schöne Bilder hat.