Inhalt / Kritik

The Yin-Yang Master: Dream of Eternity

„The Yin-Yang Master: Dream of Eternity“ // Deutschlans-Start: 4. Februar 2021 (Netflix)

Auf Befehl seines Meisters reist der junge Yin-Yang-Meister Qingming (Mark Chao) in die Hauptstadt, wo er zusammen mit anderen Meistern verhindern soll, dass ein mächtiger Schlangendämon wieder zum Leben erwacht. Einfach ist dies jedoch nicht. Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass dort auch der Dämonenjäger Boya (Allen Deng) zugange ist, mit dem er sich schnell in den Haaren liegt, wird einer der Meister kurze Zeit später ermordet. Doch wer könnte hinter dieser Tat stecken? Während die zwei wohl über übel zusammenarbeiten müssen, wenn sie das Böse noch aufhalten wollen, mehren sich die Anzeichen, dass am Hof etwas nicht mit rechten Dingen zugeht …

Zurück in die Vergangenheit

Auch wenn Netflix nach wie vor sehr international unterwegs beim Einkauf neuer Stoffe und dabei regelmäßig den asiatischen Markt abgräbt, bei chinesischen Filmen sah es zuletzt recht mau aus. Abgesehen von diversen Animationsfilmen wie Ein tierischer Zirkus oder Pets United, die zudem multinationale Coproduktionen waren, war da wenig zu holen. Immerhin, mit The Yin-Yang Master: Dream of Eternity gibt es jetzt mal wieder Nachschub. Einen sehr aktuellen Nachschub sogar, vor wenigen Wochen noch tummelte sich der Film in den Top 10 der chinesischen Kinocharts herum. Die Vorlage hat dafür schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel. Und stammt nicht einmal aus China.

Stattdessen erhielt Regisseur und Drehbuchautor Jingming Guo den Auftrag, Onmyōji von Baku Yumemakura zu verfilmen, eine japanische Romanreihe, die 1986 begonnen hat und bislang 14 Bände umfasst. Adaptiert wurde die zuvor schon mehrfach in Japan selbst, so gibt es neben TV- und Kinofassungen auch eine Mangareihe. The Yin-Yang Master: Dream of Eternity verlegt die Geschichte nun nach China und ist auch sonst etwas freier in der Adaption. Tatsächlich originell wird der Film dadurch aber nicht. Vielmehr finden sich hierin doch zahlreiche bestens vertraute Klischees. Da wurde schon sehr ausgiebig im eigenen filmischen Fundus gewühlt.

Aber das muss ja nicht verkehrt sein. Martial-Arts-Filme im alten China sind heute schließlich sehr selten geworden. Die Verbindung mit Fantasy-Elementen ist zudem auch immer wieder gern gesehen. Tatsächlich überzeugend ist das Ergebnis aber nicht. Eins vorweg: Wer sich von The Yin-Yang Master: Dream of Eternity filigrane, kunstvolle Kämpfe im Stil solcher Wuxia-Klassiker wie Tiger & Dragon erhofft, der geht hier leer aus. Anstatt wie dort auf das Talent der jeweiligen Kämpfer und Kämpferinnen zu vertrauen, wenn sie Waffen umherwirbeln, da wird hier in erster Linie mit schnellen Schnitten und vielen Computereffekten gearbeitet. Wirklich gekämpft wird dagegen kaum.

Ein Film wie ein Computerspiel

Damit einher geht ein sehr künstlicher Look. Die Stadt, in der sich die Figuren bewegen, sieht weniger nach historischer Kulisse als vielmehr nach einem Computerspiel aus. Wenn es zu Actionsequenzen kommt, wird dieser Eindruck noch weiter verstärkt. Das ist zwar ein bisschen enttäuschend und billig. Das größere Problem ist aber, dass The Yin-Yang Master: Dream of Eternity einfach kein besonders interessanter Film ist. Die Buddy-Movie-Elemente, wenn Qingming und Boya nach anfänglichen nachvollziehbaren Differenzen – der eine jagt Dämonen, der andere soll dämonischer Abstammung sein –, doch noch zusammenarbeiten, sind abgenutzt. Gleiches gilt für das Thema der ewigen Liebe, welches später eine größere Rolle spielt. Sehr schade ist zudem, dass die mythologischen Figuren, die hier hin und wieder mal auftauchen, so wenig genutzt werden.

Aber auch wenn The Yin-Yang Master: Dream of Eternity letzten Endes eine Enttäuschung ist, die Überlänge von knapp 140 Minuten nicht gut genug zu füllen weiß, ansehen kann man sich das Ergebnis schon. Gerade weil vergleichbare Filme so selten geworden sind, nimmt man selbst durchschnittliche Vertreter noch dankbar an. Die Kostüme und die Kulissen können sich sehen lassen, die Spezialeffekte funktionieren größtenteils auch. Wer also mal wieder in der Laune ist, nach historischem Fantasyspektakel mit einer tragischen Note und diversen Verschwörungen, der kann es hiermit versuchen, selbst wenn der Traum eines großen Abenteuers nicht in Erfüllung ging.

Credits

OT: „Yin-Yang Master I“
Land: China
Jahr: 2020
Regie: Jingming Guo
Drehbuch: Jingming Guo
Vorlage: Baku Yumemakura
Musik: Kenji Kawai
Kamera: Randy Che
Besetzung: Mark Chao, Allen Deng, Olivia Wang, Jessie Li, Wang Duo

Trailer

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The Yin-Yang Master: Dream of Eternity
„The Yin-Yang Master: Dream of Eternity“ basiert auf einer bekannten japanischen Romanvorlage aus den 80ern, der Film selbst hat aber nicht das Zeug zum Klassiker. Die vielen Klischees und der zu starke Einsatz von Computern trüben das Vergnügen schon merklich. Die Geschichte um den Kampf gegen einen Schlangendämon kommt nicht über Durchschnitt hinaus.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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