Inhalt / Kritik

Things Heard and Seen Netflix

„Things Heard & Seen“ // Deutschland-Start: 29. April 2021 (Netflix)

Groß ist die Begeisterung bei Catherine Clare (Amanda Seyfried) nicht, als sie ihr Leben in Manhattan gegen eines auf dem Land eintauschen soll. Doch am Ende willigt sie ein, ihrem Mann George (James Norton) zuliebe, der eine Stelle als Lehrer am örtlichen College bekommen hat. Und so bleibt ihr nichts anderes übrig, als das Beste aus der Situation zu machen und es sich für sich, George und die gemeinsame Tochter Franny (Ana Sophia Heger) in dem Landhaus gemütlich zu machen. Doch das klappt mehr schlecht als recht. Zum einen leidet sie darunter, dass sie vor Ort niemanden kennt und keine wirkliche Möglichkeit hat, sich selbst zu entfalten. Sie fühlt sich zudem in dem Haus nicht wohl, in dem sie eine finstere Präsenz zu spüren meint und immer wieder etwas Eigenartiges riecht …

Keine guten Vorzeichen

Angekündigt war der Netflix-Film Things Heard & Seen schon länger, ursprünglich war man von einer Veröffentlichung im letzten Jahr ausgegangen. Stattdessen wurde der Horror-Titel etwas genreuntypisch Ende April veröffentlicht, ohne dass im Vorfeld viel Werbung dafür gemacht wurde. Bei den vielen No-Name-Produktionen, die der Streamingdienst unentwegt einkauft, ist das nicht wirklich verwunderlich. Da geht es schließlich nur darum, schnell das Sortiment aufzufüllen und das Publikum zu beschäftigen. Wenn aber die Hauptrolle Hollywood-Star Amanda Seyfried spielt, die gerade erst für das Netflix-Drama Mank eine Oscar-Nominierung als beste Nebendarstellerin erhielt, dann ist das geringe Marketing und das völlige Fehlen von Pressearbeit schon ein Grund für Skepsis.

Am Ende bestätigt sich diese Skepsis auch, Things Heard & Seen ist weit davon entfernt, das erhoffte Genrehighlight zu sein. Wobei das zum Teil auch einfach daran liegt, dass der Film trotz der Einteilung in die Horror- und Thrillerschublade dort nur bedingt hineingehört. Auf den ersten Blick mutet das hier natürlich wie ein typischer Haunted-House-Streifen an. Es gibt da das alte, abgelegene Landhaus. Da sind die düsteren Geschichten, die sich um dieses ranken und die nur hinter vorgehaltener Hand erzählt werden. Wenn dann auch noch Gegenstände verrückt spielen, das Radio beispielsweise tut, was es will, liegt es auf der Hand, hier etwas in die Richtung Bis das Blut gefriert oder Conjuring – Die Heimsuchung zu vermuten.

Das Ehedrama hinter dem Schrecken

Aber das stimmt eben nicht. Wichtiger war es der Autorin Elizabeth Brundage, auf dessen Roman All Things Cease to Appear der Film basiert, eine Ehe in der Krise zu zeigen. Dass bei dieser einiges im Argen liegt, darf das Publikum recht bald feststellen. Ob es diverse außereheliche Annäherungen sind oder die typische Schieflage einer Beziehung – die Frau opfert für den Mann ihre eigenen Ambitionen –, da läuft schon viel verkehrt. So viel, dass man sich unweigerlich fragt, warum die zwei denn überhaupt noch zusammen sind. Auch wenn der Titel Things Heard & Seen auf das hinweist, was offen wahrzunehmen ist – wie etwa der Gestank im Haus –, relevanter ist das, was unbemerkt hinter der Fassade vor sich hin wuchert, weil niemand darüber sprechen mag.

Nun ist die Verbindung einer psychologischen Komponente mit klassischem Schrecken sicher nicht ohne Reiz. Titel wie Der Babadook oder His House haben in den letzten Jahren vorgemacht, wie Horrorszenen effektiv mit persönlichem Drama untermauert werden können. Das Ehepaar Shari Springer Berman und Robert Pulcini, welches hier gemeinschaftlich Regie führt und das Drehbuch schrieb, gelingt diese Verbindung jedoch nicht. Es gelingt ihnen nicht einmal, eine der beiden Hälften überzeugend auszugestalten. Obwohl Things Heard & Seen mit einer Laufzeit von zwei Stunden schon recht lang geworden ist, bleiben letztendlich beide Komponenten zu sehr an der Oberfläche. Von dem Paar erfährt man nicht genug, um unbedingt Anteilnahme zeigen zu müssen. Die auf Grusel angelegten Szenen wiederum sind zu zahm und ohne eigene Note. Da braucht es schon mehr als flackerndes Licht.

Zu lang und zu wenig

Dabei gibt es durchaus Elemente, die den Film sehenswert machen könnten. So tritt F. Murray Abraham gewohnt souverän als spiritistisch interessierter Professor auf. Die Idee, dass in dem Landhaus nicht einfach nur ein Rachegeist umgeht, ist eine nette Alternative. Außerdem gibt es immer mal wieder schöne, sehr betont kunstvolle Aufnahmen, die dem Ganzen eine unwirkliche Atmosphäre verleihen. Doch was punktuell überzeugt, reicht nicht für einen kompletten Film. Vor allem keinen, der so lang ist wie dieser. Letzten Endes ist Things Heard & Seen weder bewegend noch spannend, sondern ein zähes Gothic Ehedrama rund um wenig sympathische Figuren, die keinen überzeugenden Grund liefern, warum man ihnen unbedingt bei ihrem Versinken im Abgrund Gesellschaft leisten müsste.

Credits

OT: „Things Heard & Seen“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Shari Springer Berman, Robert Pulcini
Drehbuch: Shari Springer Berman, Robert Pulcini
Vorlage: Elizabeth Brundage
Musik: Peter Raeburn
Kamera: Larry Smith
Besetzung: Amanda Seyfried, James Norton, Natalia Dyer, Rhea Seehorn, Alex Neustaedter, F. Murray Abraham, Jack Gore, Ana Sophia Heger

Bilder

Trailer

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Things Heard & Seen
„Things Heard & Seen“ kombiniert klassische Haunted-House-Elemente mit einem Ehedrama, wenn eine Familie in ein abgelegenes Spukhaus zieht. Trotz vereinzelt guter Elemente wie der kunstvollen Bilder überzeugt die Mischung nicht. Für ein tatsächliches Charakterporträt ist das zu oberflächlich, für einen Horrorfilm zu langweilig.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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