Mord an der Costa del Sol El caso Wanninkhof-Carabantes Netflix
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Mord an der Costa del Sol

Inhalt / Kritik

Mord an der Costa del Sol El caso Wanninkhof-Carabantes Netflix
„Mord an der Costa del Sol“ // Deutschland-Start: 23. Juni 2021 (Netflix)

Wenn es um den Bereich True Crime Doku geht, führt kaum ein Weg an Netflix vorbei. Der Streamingdienst versteht es, mit regelmäßigen Geschichten rund um reale Verbrechen ein Publikum an sich zu binden. Die Bandbreite ist dabei inzwischen groß. Manche sind sehr persönlich, andere eher gesellschaftlich relevant. Mal steht im Vordergrund die Spekulation, was wirklich geschehen ist, in anderen Fällen geht es emotionaler zu. Mord an der Costa del Sol versucht ein wenig, eine Balance aus allem zu finden, wenn es um die Frage geht, wer die Teenagerin Rocío Wanninkhof getötet hat – und aus welchem Grund.

Die Suche nach einer einfache Lösung

Vergleichbare Situationen gab es bei Netflix zuletzt immer wieder mal. Sowohl Die drei Tode der Marisela Escobedo wie auch Warum hast du mich getötet? handeln davon, dass eine Jugendliche ermordet wurde und die Mutter Druck macht, den Täter zu finden. Denn wie so oft hat dies bei der Polizei nicht die höchste Priorität. Da nimmt man schon mal eine einfache Lösung. Genauer wurde die Ex-Freundin der Mutter zur Schuldigen auserkoren. Dass die Beweislage recht dünn war, wurde gern ignoriert. Der Haken unter der Geschichte war wichtiger als das, was in der Geschichte drin stand.

Mord an der Costa del Sol hat daher durchaus ein gewisses Aufregerpotenzial. Dass ist sicherlich nicht annähernd so groß wie etwa bei Der Fall Gabriel Fernandez, welches das Publikum mit der Misshandlung eines Jungen schockierte. Wenn aber eine Frau – so wird impliziert – vor allem deswegen als Täterin in Frage kommt, weil es sich um eine Lesbe handelt, dann wird damit auch die Homophobie angesprochen. Wobei der Film dabei den Beweis schuldigt bleibt, dass dies tatsächlich die Motivation für die vorschnelle Verurteilung ist und nicht doch einfach auf Faulheit von Seiten der Ermittler zurückzuführen ist.

Nüchtern und solide

Allgemein ist der Dokumentarfilm sicherlich nicht der tiefgründigste, den man in diesem Genre so findet. Andererseits ist es angenehm, dass hier ausnahmsweise mal nicht versucht wird, eine eher dünne Geschichte auf Serienlänge aufzublasen. Hier gibt es nicht so viele Redundanzen, wie das bei mancher Netflix True Crime Doku der Fall ist. Regisseurin Tània Balló ist zudem zurückhaltender als diverse Kollegen und Kolleginnen, die beispielsweise durch die Wahl der Musik das Publikum ungeniert manipulieren wollen. Mord an der Costa del Sol ist da nüchterner und stärker am Inhalt dran als an der Verpackung.

Letztere besteht dabei aus der üblichen Mischung aus Interviews und Archivaufnahmen, welche sich regelmäßig abwechseln. Und auch bei der Erzählstruktur experimentiert Balló nicht allzu sehr. Angefangen von dem Mord an Rocío bleibt die Doku bei der Chronologie. Zum Schluss gibt es die obligatorischen Texttafeln, welche dem Publikum sagen, wie es im Anschluss weitergegangen ist – und was nicht geschehen ist. Für die Zielgruppe bietet Mord an der Costa del Sol auf diese Weise genug Bewährtes und Erschreckendes, selbst wenn der Film aus der Masse ähnlich gelagerter Titel wenig heraussticht. Gerade bei der ermordeten Jugendlichen hätte man mehr tun können, um sie den Zuschauern und Zuschauerinnen näherzubringen. Mehr sagen können als die sehr respektvollen Schwärmereien, die keinen wirklichen Einblick gewähren, um wen es eigentlich geht – was bei einer derart persönlichen Geschichte schon schade ist.

Credits

OT: „El caso Wanninkhof-Carabantes“
Land: Spanien
Jahr: 2021
Regie: Tània Balló
Drehbuch: Tània Balló
Kamera: Marc Duran

Trailer

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„Mord an der Costa del Sol“ ist eine solide True Crime Doku um eine Jugendliche, die von der Ex-Freundin ihrer Mutter ermordet worden sein soll. Der Film ist dabei angenehm zurückhaltend, aber schon auch eher oberflächlich und inszenatorisch wenig ambitioniert.