Kritik

Der Aufstieg von Weltreichen Das Osmanische Reich Rise of Empires: Ottoman Netflix

„Der Aufstieg von Weltreichen: Das osmanische Reich“ // Deutschland-Start: 24. Januar 2020 (Netflix)

Auch wenn Reality TV, Backshows und True Crime Dokus ein wenig das Dokumentarangebot von Netflix dominieren, der Streamingdienst hat in den letzten Jahren doch ein interessantes, vielfältiges Sortiment aufgebaut, um den Menschen vor den Fernsehern die Welt da draußen zu erklären. Wobei die Grenzen zwischen einer rein auf Fakten basierten Produktion und den fiktionalen Hauptgeschäft der US-Amerikaner nicht ganz so scharf gezogen sind. Immer mal wieder gibt es Versuche, sich von dem reinen, distanzierten Berichten zu lösen und etwas unterhaltsamere Formen zu finden.

Ein Beispiel hierfür ist Der Aufstieg von Weltreichen: Das osmanische Reich, dessen Titel auf eine ganze Reihe von Geschichten unter diesem Format schließen lässt. Ob es so weit kommt, wird sich zeigen, ebenso ob es noch weitere Staffeln zu den Osmanen gibt. Anders als impliziert wird, befasst sich die sechsteilige Serie nämlich nur zum Teil mit dem Aufstieg an sich. Wichtiger war es dem Team rund um Regisseur und Co-Autor Emre Şahin (Unter den Metropolen) die Einnahme von Konstantinopel zu zeigen. Der Vorläufer des heutigen Istanbuls war lange die Hauptstadt des Oströmischen Reiches und als Tor zwischen Europa und Asien von enormer Bedeutung – weshalb jeder die Stadt haben wollte.

Geschichtsstunde mit viel Drama
Das osmanische Reich ist dabei grundsätzlich zwar Dokumentation, mixt die neutralen Erklärungen, die in Form von Interviews geteilt werden, jedoch mit gespielten Szenen. In Maßen ist das in dem Bereich nicht unüblich, historische Aufnahmen aus dem 15. Jahrhundert sind aus naheliegenden Gründen schwer zu beschaffen. Die Serie beschränkt sich aber nicht darauf, nur mal hier und da eine Szene auf diese Weise zu veranschaulichen. Stattdessen nehmen diese spielfilmähnlichen Szenen den Löwenanteil an, werden nur hin und wieder durch Wechsel in das hier und jetzt unterbrochen.

Im Mittelpunkt steht der von Cem Yiğit Üzümoğlu verkörperte Mehmed II., der die besagte Vision von der Eroberung Konstantinopels verfolgte, auch wenn er dafür anfangs skeptisch beäugt wurde. Das erinnert grundsätzlich an den Netflix-Kollegen Die letzten Zaren, ein ganz ähnlicher Mix aus heutigen Interviews und nachgestellten historischen Momenten. Dieses Mal geht dieser Mix aber besser aus. Der Hang zur Dramatisierung ist zwar auch hier gegeben, da wird schon gerne mal alles ganz groß präsentiert, mit viel Herz für Pathos. Das osmanische Reich nutzt diese gespielten Rückblicke aber gerade zum Ende hin gern für Actionszenen, wenn der Sultan aufs Ganze geht und seine Armeen losschickt.

Das macht alles gut was her, wer mal wieder auf der Suche nach ein paar guten alten Schlachten ist, der schaut allein deshalb hier schon mal rein. Man erfährt über die konkreten Kampfszenen hinaus aber ebenfalls einiges. Das betrifft einerseits das Leben von Mehmed II. selbst, beispielsweise den Konflikt mit einem Vater. Aber auch die Bedeutung für Kanonen, die bei der Eroberung Konstantinopels unerlässlich waren, wird betont. Das osmanische Reich ist damit gleichzeitig ein kleiner Einblick in die Kriegsgeschichte und wie sich diese damals gewandelt hat.

Credits

OT: „Rise of Empires: Ottoman“
Land: Türkei
Jahr: 2020
Regie: Emre Şahin
Drehbuch: Liz Lake, Kelly McPherson, Emre Şahin
Besetzung: Cem Yiğit Üzümoğlu, Tommaso Basili, Selim Bayraktar, Birkan Sokullu, Osman Sonant

Bilder

Trailer



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Der Aufstieg von Weltreichen: Das osmanische Reich
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Der Aufstieg von Weltreichen: Das osmanische Reich
„Der Aufstieg von Weltreichen: Das osmanische Reich“ nimmt die Belagerung Konstantinopels zum Anlass, um einerseits über diesen Wendepunkt zu erzählen, gleichzeitig aber auch ein bisschen von der Geschichte des Krieges. Dabei werden Interviews mit nachgestellten Szenen kombiniert. Letztere sind manchmal etwas sehr dramatisch, machen aber ordentlich was her.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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