Kritik

The Valhalla Murders Netflix

„The Valhalla Murders“ // Deutschland-Start: 13. März 2020 (Netflix)

Der Fund ist ebenso grausam wie rätselhaft: Nicht allein, dass der Mann am Hafen von Reykjavík niedergestochen wurde, viele Male und mit großer Wucht. Der Täter hat im Anschluss auch noch die beiden Augen des Opfers verstümmelt. Wer wäre zu so etwas fähig? Und aus welchem Grund? Kata (Nína Dögg Filippusdóttir) und Arnar (Björn Thors) machen sich sofort an die Arbeit, um dem Mörder auf die Spur zu kommen. Doch die Zeit drängt, denn es bleibt nicht bei dieser einen Leiche. Wer auch immer nachts durch die Straßen zieht und die Menschen tötet, er scheint noch viel vor zu haben. Und es scheint jemand zu sein, der seine Opfer gut kennt …

Auch wenn der Titel das vermuten lassen könnte, so hat The Valhalla Murders – anders als der Netflix-Kollege Ragnarök – wenig mit der nordischen Mythologie zu tun. Was eigentlich der Ruheort der in der Schlacht gefallenen Krieger ist, entpuppt sich hier als ein sehr viel irdischerer Ort. Einer, der jedoch von ebenso viel Leid geprägt ist, der auch etwas mit Tod zu tun hat. Schließlich trägt die isländische Krimiserie das Wort „Mord“ nicht ohne Grund in ihrem Titel. Im Laufe der acht Folgen wird es so manche Leichen geben, aktuelle wie frühere, die natürlich in einem Zusammenhang stehen. Aber in welchem?

Klassisch und doch modern
The Valhalla Murders gibt sich da recht klassisch, wenn das Ermittlerduo Reykjavík durchstöbert, nach Spuren sucht, Leute befragt. Dabei werden Verdächtige auftauchen, die dann aber doch nichts damit zu tun haben, zumindest nicht wie erwartet. Dafür sind andere, die man zuvor vielleicht nicht auf dem Schirm hatte, sehr viel stärker involviert. Die von Thordur Palsson entworfene Serie ist also ein Whodunnit alter Schule, an deren Ende die Entlarvung des Mörders steht. Gleichzeitig verwehrte man sich hier aber nicht dem Zeitgeist. Vergleichbar zu anderen Krimiserien der letzten Jahre – etwa Broadchurch und Arctic Circle – Der unsichtbare Tod –, gibt es hier nur einen Fall, der sich über alle Folgen hinwegzieht. Dafür wird mehr zu den Figuren gemacht.

Das bedeutet in erster Linie – mal wieder –, dass die Protagonist*innen viele private Probleme haben, die sich immer wieder auf die Ermittlungen auswirken. So findet Kata immer weniger Zugang zu ihrem pubertären Sohn, ein Schicksal, das inzwischen so ziemlich jede TV-Polizistin inzwischen hat – siehe auch The Bay. Interessanter sind da schon die Verwerfungen in Arnars Leben, der seine Vergangenheit weit hinter sich lassen wollte, nun aber von ihr eingeholt wird. Leider ist man bei The Valhalla Murders so sehr mit diesen Einzelschicksalen beschäftigt, dass nur wenig Raum für das Gemeinsame bleibt. Wo andere Serien eben auch davon handeln, dass zwei zufällig zusammengeführte Ermittler sich zusammenraufen, da bleibt das hier alles nur zweckmäßig.

Spannend mit ein paar Überraschungen
Während an diesen Stellen sicher noch mehr hätte gemacht werden können, ist der Fall an sich aber spannend. Was hinter den Morden steckt, wird zwar verhältnismäßig früh klar, bis aber alle Fragen abschließend beantwortet sind, dauert es. Auch weil das Drehbuchteam ein paar Überraschungen unterwegs eingebaut hat. Dennoch: Wer regelmäßig Krimis schaut und es gewohnt ist, in alle Richtungen seine Augen offen zu halten, der dürfte die meisten Entwicklungen vorab erkennen. The Valhalla Murders ist keine Serie, die auf minutiös ausgeklügelte Tathergänge à la Agatha Christie setzt.

Die tatsächliche Stärke der Serie liegt mehr in der dichten Atmosphäre. Geschichten aus Island haben oft eine düstere Note, allein schon weil die jeweiligen Erzähler viele Schneeaufnahmen hineinpacken und das Gefühl, irgendwie abgeschieden zu sein. The Valhalla Murders braucht das gar nicht, um das Publikum zu fesseln. Es reicht schon der Eindruck, dass hier irgendwie jeder im Abgrund steckt oder kurz davor ist, in diesen hineinzufallen. Für Helden und glorreiche Schlachten ist hier kein Platz, selbst die „Guten“ tragen so viele Mängel und Trauer mit sich herum, dass die wenigen Momente des Glücks die größte Belohnung sind.

Credits

OT: „The Valhalla Murders“
Land: Island
Jahr: 2019
Regie: Thordur Palsson, Thora Hilmarsdottir, Davíd Óskar Ólafsson
Drehbuch: Ottar Nordfjord, Kristinn Thordarson, Davíd Óskar Ólafsson, Margrét Örnólfsdóttir
Idee: Thordur Palsson
Kamera: Árni Filippusson
Besetzung: Nína Dögg Filippusdóttir, Björn Thors, Bergur Ebbi Benediktsson, Aldís Amah Hamilton, Sigurður Skúlason, Tinna Hrafnsdóttir, Arndís Hrönn Egilsdóttir

Trailer

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The Valhalla Murders
3.48 (69.66%) 29 Artikel bewerten

The Valhalla Murders
„The Valhalla Murders“ beginnt mit einem rätselhaften und grausamen Mord, bevor noch ganz andere Abgründe auf dem Plan stehen. Trotz einzelner Wendungen ist der Fall für Rätselexperten nicht die größte Herausforderung. Dafür punktet die isländische Krimiserie mit einer starken Atmosphäre, wenn so ziemlich jeder Schritt hier in einen Abgrund führt.
7von 10

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