Inhalt / Kritik

Shadow and Bone: Legenden der Grisha Netflix

„Shadow and Bone: Legenden der Grisha – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 23. April 2021 (Netflix)

Bislang hatte Alina Starkov (Jessie Mei Li) der Armee als Kartografin ihre Dienste erwiesen. Diese Fähigkeit setzt sie auch ein, um eine Karte manipulieren zu können und auf diese Weise auf derselben Schifffahrt wie ihr Kindheitsfreund Malyen Oretsev (Archie Renaux) zu sein. Als sie dabei die Schattenflur durchqueren, eine gewaltige dunkle Wolkenwand, stellt Alina fest, dass sie noch eine ganz andere Fähigkeit beherrscht: Sie ist eine Sonnenkriegerin und kann dadurch Licht beschwören. Während sie in der Folge wegen dieser Macht verfolgt wird, verfolgen in einem anderen Teil des Landes Kaz Brekker (Freddy Carter), Inej Ghafa (Amita Suman) und Jesper Fahey (Kit Young) ein eigenes Ziel: möglichst viel Geld verdienen! Dazu sind sie auch bereit, dann und wann ein paar Regeln zu brechen. Damit haben sie Erfolg, ihnen winkt eine große Belohnung, wenn sie einen Weg finden, die Sonnenkriegerin einzufangen …

Fantasy im Dutzendpack

Echt, noch eine? An Fantasy-Serien mangelt es auf Netflix eigentlich nicht gerade. Ob nun The Witcher, Cursed – Die Auserwählte oder Die Bande aus der Baker Street, die Liste an Titeln ist lang. Vor allem Geschichten rund um junge Menschen, die sich mit ihren Gefühlen herumplagen und sich selbst suchen müssen, werden in schöner Regelmäßigkeit veröffentlicht. Als bekannt wurde, dass mit Shadow and Bone: Legenden der Grisha nun eine weitere Serie am Start ist, welche in diese Richtung geht, darf man schon einmal mit den Schultern zucken. Und doch war der Hype im Vorfeld groß. Das mag einerseits daran gelegen haben, dass zuletzt eine gewisse Flaute beim Streamingdienst herrschte. Etwas tatsächlich Großes war schon länger nicht dabei. Zum anderen erfreuen sich die Romane von Leigh Bardugo, welche die Vorlage liefern, einer gewissen Beliebtheit.

Aber wird das Ergebnis dem Hype auch gerecht? Zum Teil. Auffallend ist schon einmal die Welt an sich. Während viele Fantasy-Serien sich an einem (fiktiven) Mittelalter abarbeiten, da ist Shadow and Bone: Legenden der Grisha moderner. Genauer ist das hier einem Russland des 19. Jahrhunderts nachempfunden. Die Leute stechen also nicht mehr mit Schwertern aufeinander ein, sondern benutzen lieber Schusswaffen. Alternativ kommt Magie ins Spiel, selbst wenn die hier nicht so heißt. Die sogenannten Grisha können je nach Veranlagung Wunden heilen, die Wahrheit aus Menschen herauskitzeln oder Elemente manipulieren – Wasser oder Feuer zum Beispiel. Oder eben Licht erzeugen, eine sehr seltene und offenkundig mächtige Fähigkeit.

Interessanter Mix

Diese Mischung aus (Pseudo-)Historischem und Fantastischem ist tatsächlich interessant. Vieles hier kommt einem zwangsläufig bekannt vor, nur dann eben doch nicht in dieser Form. Die von Eric Heisserer (Arrival) entwickelte Serie schafft es, immer wieder etwas einzubauen, was unerwartet ist oder zumindest eine ungewöhnliche Variation. Das kann mal die Sprache sein, mal ein Austausch über Waffeln – nicht unbedingt die Speise, die man von so einem Setting erwarten würde. Das ist auch visuell kompetent umgesetzt. Natürlich, mit großen Hollywood-Blockbustern braucht man Shadow and Bone: Legenden der Grisha erst gar nicht zu vergleichen. Im Serienbereich schlägt sich das hier aber durchaus beachtlich, sowohl was die Ausstattung wie die Spezialeffekte angeht.

Inhaltlich ist das jedoch nicht ganz so spannend. Auch wenn das Drumherum teils ungewöhnlich ist, die Déjà-vus bleiben trotzdem nicht aus. Das betrifft vor allem die Handlung und den Ablauf der Geschichte. Ob es das Abenteuer ist, die äußere Reise, die gleichzeitig eine innere darstellt, die unausgesprochenen Gefühle, die mitgeschleppt werden – man hat an zu vielen Stellen dann eben doch den Eindruck, das alles schon mal gesehen zu haben. Shadow and Bone: Legenden der Grisha wird immer mal wieder austauschbar, auch wegen der recht langweilig düsteren Farbgebung und einer Musik, die gerade zum dramatischen Ende hin Persönlichkeit und Lebendigkeit vermissen lässt.

Viel Stoff für die Reise

Dafür ist die Welt ganz interessant. Der Schattenflur etwa, der das Land in zwei Hälften spaltet, ist ein reizvolles Konzept. No-Go-Areas, in denen große, dunkle Gefahren laufen, findet man in Fantasy-Geschichten zwar oft. Die liegen normalerweise aber nicht in der Mitte des Geschehens, sondern irgendwo am Rand. Überhaupt wird recht schnell klar, dass sich Leigh Bardugo beim Entwurf ihrer Welt viele Gedanken gemacht hat. Während wir abwechselnd mit der Sonnenhoffnung und dem Trio durchs Land reisen, erfahren wir immer mehr über die Orte, die Kulturen und magischen Besonderheiten. So viel, dass man sich manchmal von Shadow and Bone: Legenden der Grisha ein bisschen erschlagen fühlt und lieber eine Pause einlegen würde, um mehr zu erfahren. Und das ist etwas, das in Fantasyserien sicher keine Selbstverständlichkeit ist.

Credits

OT: „Shadow and Bone“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Lee Toland Krieger, Dan Liu, Mairzee Almas, Jeremy Webb
Drehbuch: Eric Heisserer, Daegan Fryklind, Vanya Asher, M. Scott Veach, Nick Culbertson, Shelley Meals, Christina Strain
Idee: Eric Heisserer
Vorlage: Leigh Bardugo
Musik: Joseph Trapanese
Kamera: David Lanzenberg
Besetzung: Jessie Mei Li, Archie Renaux, Freddy Carter, Amita Suman, Kit Young, Ben Barnes

Bilder

Trailer

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Shadow and Bone: Legenden der Grisha – Staffel 1
„Shadow and Bone: Legenden der Grisha“ nimmt uns mit in eine Fantasy-Welt, die einem älteren Russland nachempfunden ist. Die Kombination ist interessant, zusammen mit einigen ungewöhnlichen Einfällen und einer gelungenen Optik gibt es schon einiges hier zu sehen. Gleichzeitig ist vieles dann aber doch recht gewöhnlich, die Reise führt inszenatorisch und inhaltlich an diversen bekannten Stellen vorbei.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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