Zwischen zwei Farnen Der Film Between Two Ferns: The Movie Netflix

„Zwischen zwei Farnen: Der Film“ // Deutschland-Start: 20. September 2019 (Netflix)

Richtig groß ist der Erfolg von Zach Galifianakis ja nicht. Gäste findet er zwar schon für seine Talkshow Zwischen zwei Farnen, die auf einem offenen Kanal läuft. Die Besucherzahlen sind jedoch überschaubar. Ohnehin, eigentlich würde der Moderator viel lieber was richtig Großes im Fernsehen machen, eine eigene Late-Night-Show! Stattdessen wird er von dem Comedy-Star Will Ferrell nur ausgenutzt. Als dann auch noch sein Studio den Bach runtergeht, steht Galifianakis im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser bis zum Hals. Und so macht er sich mit seiner kleinen Crew auf den Weg, um berühmte Persönlichkeiten zu interviewen, in der Hoffnung, dabei endlich einmal groß herauszukommen und doch noch seine Show zu bekommen.

Einem größeren Publikum ist Zach Galifianakis vor allem dank seiner Rolle als kindliches Cliquen-Anhängsel in der Hangover bekannt. Filmisch machte er ansonsten eher seltener auf sich aufmerksam, dann schon eher durch die TV-Serie Baskets. Die Tragikomödie um einen gescheiterten Clown wurde von ihm mitentwickelt, er übernahm zudem die Haupt-Doppelrolle. Und dann gibt es da natürlich auch noch Zwischen zwei Farnen, eine Web-Serie, in der Galifianakis als eigenes Alter Ego berühmte Leute trifft und sie in einem kleinen Studio interviewt. Ernst gemeint sind diese Interviews nicht, vielmehr sind die mit bizarren und unangebrachten Fragen angereicherten Gespräche eine Art Parodie auf die amateurhaften Shows in offenen Kanälen. Mit dem Unterschied, dass hier echte Stars auftreten und sich jede Menge Blödsinn gefallen lassen müssen.

Aus klein wird groß?
Dafür gab es ein paar kleinere Emmys, zudem millionenfache Klicks. Dennoch ruht die Serie inzwischen, nur alle paar Jahre kommt mal eine neue Folge hinzu. Umso überraschender war die Ankündigung, dass auf Netflix eine Fortsetzung kommen sollte, und das auch noch in Form eines Films. Kann so etwas überhaupt funktionieren? Das Original bestand schließlich aus nur wenigen Minuten langen Folgen, die in erster Linie von dem Schlagabtausch zwischen Moderator und Gast lebten. Auf anderthalb Stunden ausgedehnt wäre das aber wohl anstrengend, vielleicht auch langweilig, wie ein YouTube-Clip auf Dauerschleife.

Also bastelten Zwischen zwei Farnen: Der Film und sein Co-Autor Scott Aukerman, der wie auch bei der Serie Regie führte, an einem Drumherum. Eine Rahmenhandlung, um die berühmten Interviews irgendwie verbinden zu können. Und so machten sie einen Roadmovie daraus, der gleichzeitig eine Art Meta-Kommentar über das Showgeschäft sein soll, vor allem zum Ende hin. So etwas kann natürlich Spaß machen, Late Night – Die Show ihres Lebens kombinierte dieses Jahr Bühnenhumor mit einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung zu den Themen Frauen und Minderheiten im Showgeschäft. Wenn allerdings der Humor immer darin bestand, möglichst respektlose Seltsamkeiten vom Stapel zu lassen, dann beißt sich das mit einem noblen Sendungsbewusstsein.

Immer voll auf die Fresse
Tatsächlich lustig ist Zwischen zwei Farnen: Der Film dann auch nur gelegentlich. Einige der Interviews sind zumindest noch zum Schmunzeln gut, wenn sich Gaststars wie Brie Larson, Matthew McConaughey, Keanu Reeves oder David Letterman eine Unverschämtheit nach der anderen anhören müssen. Aber auch da hätte das Vergnügen größer ausfallen können, etwa durch mehr Gegenwehr oder abwechslungsreichere Gags. Allgemein fällt auf, dass Aukerman und Galifianakis ihre Witze gern mal stark ausdehnen bei dem Versuch, die Spielfilm-Marke noch zu erreichen. Dessen sind sie sich wohl auch bewusst, einige Stellen lassen sich zumindest so deuten, wenn eigene Mängel aufgegriffen werden. Das macht die Sache aber nicht wirklich besser.

Anschauen kann man sich das Ganze schon, zwischendrin wird die zähe Suche nach Erfolg ja auch belohnt. Es geschieht nur zu selten. Da durch den Schauplatzwechsel auch der Charme des Billig-Studios verlorengegangen ist, verläuft sich Zwischen zwei Farnen: Der Film zu oft in der Beliebigkeit. Immerhin gibt es zum Schluss ein paar nette Outtakes, wenn die grotesken Interviews selbst Galifianakis übermannen, die zeigen, was der eigentliche Witz der Serie ist. Entweder war das dem Kreativteam aber selbst nicht klar, wie groß das die Diskrepanz ist. Oder es war ihm egal. Im Umfeld der oft grauenvollen Netflix-Komödien ist diese Mockumentary zwar noch eine der sympathischeren. Mehr als Berieselung ist aber auch hier nicht drin.



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Zwischen zwei Farnen: Der Film
Mit „Zwischen zwei Farnen: Der Film“ meldet sich eine Kult-Serie noch einmal zurück, wenn sich Zach Galifianakis als chronisch erfolg-, talent- und respektloser Talkshow-Gastgeber nach dem großen Durchbruch sehnt. Die Interviews mit dem riesigen Staraufgebot sind aufgrund der bizarren Fragen und Beleidigungen amüsant, die Rahmenhandlung ist jedoch missglückt und lässt sich kaum mit dem Serienkonzept vereinbaren.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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