Inhalt / Kritik

The Guilty 2021 Netflix

„The Guilty“ // Deutschland-Start: 1. Oktober 2021 (Netflix)

Die Begeisterung hält sich beim Polizisten Joe Baylor (Jake Gyllenhaal) in Grenzen, als er die Nachtschicht in einer Notrufzentrale übernehmen soll. Immer wieder muss er sich mit nervigen Anrufen herumplagen, mit Leuten und Geschichten, die er nur als Zeitverschwendung wahrnimmt. Umso mehr, da er gedanklich bei einer ganz anderen Geschichte ist, die ihn beschäftigt. Doch dann erhält er einen Anruf, der seine vollste Aufmerksamkeit erfordert: Eine Frau ist am Telefon, die ganz offensichtlich entführt wurde und aus dem Auto heraus seine Hilfe ruft. Dabei muss sie jedoch so tun, als würde sie mit ihrer Tochter daheim sprechen, damit der Entführer neben ihr keinen Verdacht schöpft. Für Joe bedeutet das, dass er sie irgendwie befreien will und muss nun alle Hebel in Bewegung setzen, ohne dabei das Büro zu verlassen …

Schon wieder ein US-Remake

An der Frage nach Hollywood-Remakes scheiden sich oft die Geister. Einerseits ist es natürlich ein Armutszeugnis, wenn die Traumfabrik keine nennenswerten eigenen Ideen hat. Es ist auch ein Armutszeugnis für das Publikum, das ganz offensichtlich ohne große Stars und eine englischsprachige Fassung keinen Bock hat, sich die Filme anzuschauen. Andererseits ist es schön, wenn interessante Stoffe auf diese Weise einem größeren Publikum zugänglich gemacht. Und interessant war The Guilty auf jeden Fall. Obwohl der dänische Thriller lediglich in einer Notrufzentrale spielte und andere Figuren kaum bis gar nicht zu sehen waren, gelang es ihm, aus dieser einfachen Prämisse richtig viel Spannung herauszuholen.

Zumindest in Ansätzen ist das auch bei der Netflix-Fassung der Fall. Am grundsätzlichen Szenario wurde nichts geändert: Noch immer spielt The Guilty allein in der Notrufzentrale. Noch immer steht ein Polizist im Mittelpunkt, der von seinem Büro aus mit den unterschiedlichsten Leuten in Kontakt tritt. Noch immer ist der Hauptfall an dem Abend die Entführung, die er irgendwie zu beenden versucht. Direkt eingreifen kann er nicht. Ihm steht lediglich sein Einfallsreichtum zur Verfügung, seine Überzeugungskraft. Und eben das Telefon. Sein Frust und die Verzweiflung, nicht direkt eingreifen zu können, übertragen sich dabei schnell auf das Publikum. Denn dieses würde ebenfalls nur zu gerne mehr erreichen als ein „bitte bleiben Sie in der Leitung“.

Ein paar überflüssige Änderungen

Ein paar Änderungen gibt es aber schon. So wurde das Setting um Brände erweitert, welche die Suche nach dem fraglichen Auto erschweren. So richtig viel ergänzt das nicht, es schadet aber auch nicht weiter. Schwieriger ist es da schon, dass irgendwie viel zu viel Zeit auf den Protagonisten verschwenden wird. Das dänische The Guilty warf einen mitten ins Geschehen und machte den Protagonisten zu einer leeren Fläche, die in erster Linie Identifikationsfigur war. Ein Stellvertreter für das Publikum, das ständig mitzittern darf. Hier wurde versucht, mehr draus zu machen. Grundsätzlich ist mehr Charakter zwar nicht verkehrt. Hier lenkt es jedoch unnötig ab.

Insgesamt gelingt es Regisseur Antoine Fuqua (The Equalizer, Infinite – Lebe unendlich) bei seiner Version der Ereignisse auch nicht so ganz, das hohe Spannungsniveau der Vorlage beizubehalten. Gerade die neu hinzugefügten Elemente sorgen dafür, dass man teilweise aus der Jagd gerissen wird. Das Gefühl der Dringlichkeit ist einfach weniger ausgeprägt. Aber es bleibt noch genügend übrig, um auch in dieser Form The Guilty noch eine Empfehlung aussprechen zu können. Vor allem Jake Gyllenhaal, der seinerzeit die Rechte für das Remake kaufte, trägt dazu bei, dass das Netflix-Publikum hier reinschauen sollte. Es gelingt ihm, den Thriller, der mehr Hörspiel als Film ist, zu tragen und zu fesseln, obwohl es keine sichtbare Handlung gibt und sich viel nur im Kopf abspielt. Dennoch: gebraucht hätte es das Remake nicht. Das Original ist trotz fehlender Starpower die bessere Variante – gerade auch angesichts einer Änderung, die ganz zum Schluss stattfindet und symptomatisch ist für den mutlosen US-amerikanischen Film.

Credits

OT: „The Guilty“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Antoine Fuqua
Drehbuch: Nic Pizzolatto
Musik: Marcelo Zarvos
Kamera: Maz Makhani
Besetzung: Jake Gyllenhaal

Bilder

Trailer

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The Guilty (2021)
„The Guilty“ nimmt den gleichnamigen Thriller aus Dänemark und erzählt die Geschichte um einen Entführungsfall und eine Notrufzentrale neu. Das funktioniert auch in dieser Fassung gut, selbst wenn die diversen Änderungen den Film nicht voranbringen und teilweise sogar schaden. Gerade bei der Spannungskurve ist das Original klar besser.
7von 10
Leserwertung: (9 Votes)
6.1

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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