Til Death Do Us Part Netflix

„Til Death Do Us Part – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 15. August 2019 (Netflix)

Man muss nicht immer so ganz verstehen, was Netflix da treibt. Der Streamingdienst haut Massen an Eigenproduktionen bzw. Exklusivtiteln raus. Einige davon werden stark beworben, andere gar nicht. Nach welchem Prinzip man sich da für was entscheidet, wird von außen nur selten sichtbar. Siehe Til Death Do Us Part. Nach dem unglaublichen Erfolg der (quasi) hauseigenen Science-Fiction-Thriller-Anthologie Black Mirror sollte man meinen, dass die taiwanesische Serie ebenfalls weiter oben in der Prioliste steht. Denn als solche wird diese ja beschrieben. Stattdessen wurde sie quasi ohne Vorankündigung ins Programm genommen, auf der Startseite ist sie nicht zu finden. Ach ja, synchronisiert wurde sie natürlich auch nicht, wie bei den meisten asiatischen Netflix-Serien.

Wobei der Vergleich mit Black Mirror ohnehin hinkt, selbst wenn andere nur zu gerne auf diesen zurückgreifen. Als Thriller würde man die wenigsten der sieben Geschichten bezeichnen wollen. Mit Science-Fiction haben sie erst recht nichts zu tun. Sie fallen nicht einmal durchgängig in den Genre-Bereich. Während manche zumindest mit surrealen und mysteriösen Elementen spielen, sind andere sehr alltägliche Dramen, wie sie sich im hier und jetzt abspielen können. Die auch keinen echten Bezug zu Taiwan haben. Wer sich von Til Death Do Us Part erhofft, einen ganz eigenen Blickwinkel zu bekommen, der kann sich das mehr oder weniger gleich abschminken.

Der Tod ist überall
Was die voneinander unabhängigen Episoden der Anthologie zusammenhält, ist ein gemeinsames Thema: der Tod. In allen geht es darum, dass jemand getötet wird oder anderweitig stirbt, mindestens aber mit dem Tod umgehen muss. Das klingt sehr morbide und düster, ist es meistens auch. Spannend sind die Geschichten aber nur zum Teil. Der Auftakt Unfall mit Fahrerflucht beispielsweise ist eine typische Zeitschleifen-Geschichte, in der vergleichbar zu Happy Deathday der Protagonist jeden Tag überfahren wird, gleich was er auch tut. Das ist jedoch nicht sonderlich aufregend, nachvollziehbar ohnehin nicht. Interessant ist lediglich, dass dieser Aspekt mit einer Art Mythologie verbunden ist.

Insgesamt ergibt sich hier ein stark gemischtes Bild. Einige Episoden sind schön atmosphärisch geworden. Absolut makellos erzählt von einer jungen Frau, die daran verzweifelt, einen Fleck an der Wand zu beseitigen. Die Geschichte hätte auch von Edgar Allen Poe stammen können, nur dass das Setting sehr futuristisch und steril ist. Auch Endstation: Paradies spielt mit einem Ambiente der Zukunft, wenn ein älteres Ehepaar die Beziehung auffrischen will und dafür in einen mysteriösen Ferienort fährt. Zu guter Letzt ist auch Tunnel irgendwie sehenswert, ein sehr ruhiges Drama um traumatische Vergangenheiten und die Schwierigkeit, den Tod zu verarbeiten.

Der lange Weg zum Ende
Der Rest ist dafür ziemlich durchschnittlich, teilweise nicht einmal das. Raubkatze ist eine zähe Begegnung mit einem Paar, das sich nur noch streitet. Login-Probleme versucht ganz aktuell zu sein, wenn sich ein Mauerblümchen im Internet als jemand anderes ausgibt, hat letztendlich aber nichts zu sagen. Besser macht es da Keine Haustiere über zwei Kinder in einem Wohnblock, die Freundschaft schließen. Auch diese Episode ist – wie tendenziell fast alle hier – mit rund 30 Minuten etwas zu lang geraten. Die soziale Komponente macht die Geschichte aber immerhin irgendwie relevant. Unbedingt gesehen haben muss man die Folge aber nicht, was leider auch für Til Death Do Us Part als solches gilt.

Ein Konkurrent für Black Mirror ist die Serie damit dann auch tatsächlich nicht. Wer in der Stimmung für düstere Kurzgeschichten ist, kann es aber zumindest damit versuchen und im Zweifelsfall zur nächsten Episode springen, wenn die aktuelle zu langweilig ist.

Til Death Do Us Part – Staffel 1
3.96 (79.2%) 25 Artikel bewerten

Til Death Do Us Part – Staffel 1
Eine taiwanesische Anthologie-Serie, in der es in irgendeiner Form immer um den Tod geht: Das Konzept ist sicher ungewöhnlich, das Ergebnis ist es nur zum Teil. Einige Folgen von „Til Death Do Us Part“ sind atmosphärisch, andere dafür langweilig. Die meisten sind mit rund 30 Minuten auch einfach zu lang, so viel gibt der Inhalt da jeweils nicht her.
6von 10

2 Responses

  1. kurratz

    Lieber Oliver Armknecht,
    das klingt nach einer Fast-Forward-Rezension, was natürlich legitim ist, um den Überblick zu bekommen. aber leider auch an den Details vorbeigeht.
    Z.B. wie außergewöhnlich gut gespielt die Folge mit den Kindern ist, wie abgründig witzig die Folge mit dem 30-Jahr-Jubiläum ist, und wie wunderschön traurig die letzte Folge ist, obwohl recht einfach gestrickt.
    Es ist eigentlich eine Beziehungsanthologie, und man kann hier einiges zum aktuellen Stand der zwischenmenschlichen Beziehungs-Entwicklung in Taiwan (= Klein-China) erfahren. Manchmal war ich durchaus erstaut, wie professionell routiniert manches dahergekommen ist.
    Keine Konkurrenz zu Black Mirror ? Viellleicht nicht in Production Value. Die Stories sind auch weit weniger Technologie / Dystopie lastig, schon eher ein Abbild des aktuellen Zustandes (bis auf die Folgen mit Mystery-Anteil). Wer auf Imdb oder generell hier in den Beschreibungen etwas mit Sci-Fi geschwafelt hat, war wohl tatsächlich auf Black Mirror Konkurrenz aus. Typisches Marketing-Failure.
    Von dort darf man sich noch einige sehr interessante Produktionen erwarten, wenn NF dort weiter investiert.

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    • Oliver Armknecht

      Angesehen habe ich mir alle sieben Folgen in Gänze. Es bringt aber meiner Meinung nach nichts, die bis ins Detail vorzustellen. Denn die Leser*innen möchten ja einen groben Eindruck davon haben, ob es sich lohnt, in die gesamte Serie einzusteigen und was sie dort erwartet. Da fand ich es wichtiger darauf hinzuweisen, dass sie so gar nicht der Beschreibung entspricht, damit die Leute eben kein zweites „Black Mirror“ erwarten. Denn damit würde man der Serie auf keinen Fall gerecht. Dass die einzelnen Episoden bei diesem grundsätzlichen Überblick nicht in die Tiefe besprochen werden, das stimmt natürlich.

      Wobei ich zwei der drei von Ihnen hervorgehobenen Episoden selbst empfohlen habe. Die dritte (Kinder) war für mich besserer Durchschnitt. Grundsätzlich gefiel sie mir als Mikrokosmos, war aber zu lang. Man hat für mich hier und an anderen Stellen etwas zu krampfhaft versucht, alles auf 30 Minuten auszudehnen, obwohl die Geschichten nicht unbedingt genug dafür hergeben.

      Das mit der Beziehung trifft aber nur auf einige der Folgen zu. Bei der Zeitschleife und der Flecken-Folge gab es keine nennenswerte zwischenmenschliche Komponente. Login auch nicht wirklich. Dort sehnt sich jemand nach Anerkennung, sucht aber eben keinen direkten Kontakt, sondern versteckt sich hinter einem Bild. Beziehung also nur in dem Sinne, dass es keine Beziehung mehr gibt. Wobei das ja eine sehr universelle Entwicklung ist.

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