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Found Netflix

„Found“ // Deutschland-Start: 20. Oktober 2021 (Netflix)

Chloe, normalerweise wohnhaft in Seattle (später Phoenix), feiert ihre Bat Mitzwa in Jerusalem und ihre Eltern könnten stolzer nicht sein. Für sie spielt es keine Rolle, dass es sich nicht um ihre leibliche Tochter handelt; wie viele amerikanische Familien haben sie eine der 150.000 gebürtigen chinesischen Kinder adoptiert, welche als Baby ausgesetzt wurden und im Waisenhaus landeten. Bei wem der Erdkundeunterricht zu lange her ist, sofern überhaupt aufgepasst wurde, für den hält Found am Anfang eine kurze Erinnerung bereit, dass in China von 1979 bis 2015 die so genannte Ein-Kind-Politik herrschte, welche es Ehepaaren verbot, mehr als ein Kind zu haben, was zu vielen notgedrungenen Adoptionsfreigaben führte. Davon gab es Ausnahmen (Zwillinge etwa), landesweit galt das ab 1980 (davor nur provinziell), und mit dem Ende wurde ein Limit auch nicht aufgehoben, sondern zunächst auf zwei und erst im August dieses Jahres auf drei Kinder pro Familie erhöht. Für diese ganzen Informationen ist aber wiederum eher der Erdkundeunterricht oder der freundliche Filmkritiker von nebenan zuständig, das ist natürlich alles nicht Thema der Netflix-Dokumentation.

Auf den Spuren der Vergangenheit

Zurück zu Chloe, die wir mit dem Erlangen ihrer religiösen Mündigkeit nicht alleine lassen wollen. Nun da sie einen großen Schritt Richtung Erwachsenwerdens getan hat, halten ihre Zieheltern die Zeit für gekommen, dass Chloe mehr über ihre eigentliche Herkunft erfährt – ein DNS-Test von 23andMe soll Licht ins Dunkel bringen. Solche Tests erfreuen sich seit einer Weile immer größerer Beliebtheit, Ancesty und MyHeritage mögen vielleicht noch bekanntere Anbieter sein als 23andMe. Was in der Dokumentation nicht zur Sprache kommt, ist dass diese Biotechnologie-Unternehmen mit den eingesendeten Speichelproben beziehungsweise mit den daraus gewonnenen Daten nicht unbedingt vertraulich umgehen, zumindest laut Verleihern des Negativpreises BigBrotherAward. Erneut ist das nicht das Thema der Dokumentation, aber die positive Geschichte, die hier gezeigt wird, könnte bei gutgläubigeren Menschen falsche Eindrücke des Verfahrens vermitteln.

Doch noch einmal zurück zu Chloe, denn wir wollen uns ja nicht mit Fakten oder Warnungen aufhalten, sondern eine Wohlfühlstory genießen. Der Test des jungen Adoptivkindes ergab nämlich unter anderem, dass sie eine Cousine namens Sadie hat, welche ebenfalls ausgesetzt wurde, ebenfalls den Test machte und ebenfalls in den USA lebt – in Tennessee. Schnell treten die beiden etwa gleichaltrigen Mädchen mittels Videochat in Kontakt, doch es wird noch einer draufgesetzt: Mit 17 ist Lily etwas älter als ihre beiden Cousinen, ansonsten hat die in Oklahoma City lebende Teenagerin aber doch eine ähnliche Vorgeschichte.

Mal authentisch, mal eher plump

Schlussendlichen reisen die drei nach China, um mithilfe von Liu Hao, Vertreterin des My China Roots-Unternehmens, mehr über ihre blutsverwandten Eltern herauszufinden. Nicht nur, wer sie sind, sondern auch, was genau damals zur Adoptionsfreigabe führte. In der heimatlichen und doch vollkommen fremden Kultur erhalten die Mädchen wie auch die Zuschauerschaft Einblicke in die Arbeit der aunties, Kinderfrauen, welche sich um die Waisen kümmern. Ob diese sich wirklich noch an die drei Protagonistinnen erinnern oder es für die Kamera inszeniert wurde, authentisch wirkt es allemal. Das Ende der Dokumentation ist dann auch durchaus gelungen, die Musikauswahl jedoch wirkt oft emotional manipulierend oder schlichtweg plump.

Credits

OT: „Found“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Amanda Lipitz
Musik: Toby Chu
Kamera: Casey Regan
Mitwirkende: Liu Hao

Bilder

Trailer

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Found
„Found“ dokumentiert das Zueinanderfinden dreier Cousinen, welche gemeinsam in ihre ursprüngliche Heimat reisen, um ihre Wurzeln zu erforschen. Das gibt spannende Einblicke in eine andere Kultur, ist aber oft zu sehr auf Wohlfühldrama getrimmt. Gerade Zuschauer, welche selbst adoptiert wurden, mögen einen Zugang zu dieser Dokumentation haben, welcher anderen vielleicht für immer verwehrt bleibt.
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