The Kominsky Method Nwtflix

„The Kominsky Method – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 16. November 2018 (Netflix)

Es gab ja mal eine Zeit, da sah es tatsächlich danach aus, als könnte Sandy Kominsky (Michael Douglas) eine große Schauspielkarriere haben. Doch diese Zeit liegt lange zurück. Daran kann auch sein Agent und bester Freund Norman (Alan Arkin) nicht viel ändern. Immerhin, Geldnöte hat Sandy eigentlich nicht, führt er doch eine gut besuchte Schauspielklasse. Dort trifft er beispielsweise Lisa (Nancy Travis), die gerade eine Scheidung hinter sich hat und noch einmal etwas Neues versuchen möchte – sehr zur Freude ihres Lehrers, der sich in sie verliebt. Aber das ist nicht das einzige Problem, mit dem sich der Schauspielcoach bald herumschlagen muss, schließlich ist beruflich und privat immer eine ganze Menge los.

Wenn Chuck Lorre eine neue Serie entwirft, dann muss man einfach hellhörig werden. Schließlich gehen auf ihn solche Monsterhits wie Two and a Half Men und The Big Bang Theory zurück. Inhaltlich erinnert seine neueste Kreation jedoch an das etwas in Vergessenheit geratene Cybil, das einige Jahre zuvor an den Start gegangen war. Hier wie dort stehen im Mittelpunkt ein Schauspieler bzw. eine Schauspielerin, die ihre beste Zeit schon hinter sich haben. War die Titelfigur der 90er Jahre Sitcom jedoch noch in ihren 40ern, was für eine Schauspielerin als alt durchgeht, da dürfen es hier ein paar Jahrzehnte mehr haben. Denn für Männer gelten bekanntlich andere Regeln im Showgeschäft.

Der Tod des Alltags
Mit den Unterschieden zwischen den Geschlechtern befasst sich Lorre jedoch kaum. Allgemein sind die Ambitionen seiner Netflix-Serie The Kominsky Method nicht so wahnsinnig hoch. Dann und wann traut sich die Produktion zwar aus der Komfortzone heraus. Vor allem das Thema Tod ist doch eine erstaunliche Abwechslung im Vergleich zu den vorherigen Kreationen des King of Sitcoms. Bewegend geht es gleich los, wenn wir Zeuge von dem Sterben Eileens (Susan Sullivan) werden, mit der Norman mehr als vier Jahrzehnte lang verheiratet war. Und auch an anderen Stellen kann das hier richtig weh tun.

Ansonsten aber ist The Kominsky Method dann doch in erster Linie darauf aus, das Publikum zu unterhalten. Die Witze gehen dabei hauptsächlich auf zwei Themen zurück: das Showgeschäft und das Alter. Gelungener sind dabei erstere. Immer mal wieder gibt es kleinere Spitzen, zwischen satirisch und sarkastisch. Und auch der Gegensatz von alten Lehrmethoden und einem neuen Publikum, das in sozialen Medien zu Hause ist, ist immer mal wieder amüsant. Alte, weiße Männer, die nicht ganz einsehen, dass die Welt sich bewegt hat, doch, das hat was, ist durchaus relevant.

Humor ins Klo gespült
Weniger geglückt sind die eher peinlichen Gags, die sich um Inkontinenz oder andere Gebrechen drehen. Zwar ist es durchaus löblich, wenn ausnahmsweise ältere Leute im Mittelpunkt stehen anstatt wie so oft dem Model-Schönheitswahn nachzugehen. Und ein bisschen Selbstironie hat noch niemandem geschadet, selbst Schauspiellegenden. Sonderlich abwechslungsreich sind die entsprechenden Witze aber nicht, eher Toilettenhumor, der sich dann doch an ein jüngeres Publikum richtet.

Was The Kominsky Method gut tut: Aufgrund ihrer Netflix-Heimat konnten die Drehbuchautoren eine fortlaufende Geschichte erzählen, anstatt bei jeder Folge wieder von vorne anfangen zu müssen, wie man es sonst oft bei Sitcoms hat. Das erinnert an den Inhouse-Kollegen One Day at a Time, wo ebenfalls Handlungselemente über mehrere Folgen hinweg wieder aufgegriffen werden, was den Figuren etwas mehr Tiefe verleiht. Und dann wären dann ja noch die Schauspieler. Michael Douglas als egozentrischer Ex-Star in Kombination mit einem grimmigen Alan Arkin, das ist fast durchgehend sehenswert, selbst während der inhaltlich schwächeren Passagen, wenn der Serie Idee oder Richtung fehlen.

The Kominsky Method – Staffel 1
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The Kominsky Method – Staffel 1
In „The Kominsky Method“ lernen wir einen früheren Schauspieler kennen, der alten Tagen hinterherläuft, und seinen besten Freund und Agenten. Das hat einiges über das Showgeschäft und das Alter zu sagen, wobei der Humor da mitunter recht schwankt: von pointierten Seitenhieben bis zu peinlichen Toilettenwitzen ist alles dabei, nicht alles, was lustig sein soll, ist es am Ende auch.
7von 10

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