Kritik

Death to 2020 Netflix

„Death to 2020“ // Deutschland-Start: 27. Dezember 2020 (Netflix)

Wenn ein Jahr sich dem Ende zuneigt, gehört es einfach dazu, noch einmal zurückzublicken, die letzten zwölf Monate Revue passieren zu lassen, sich an die guten wie schlechten Ereignisse zu erinnern, welche das eigene Leben geprägt haben. Was im Privaten gilt, in besinnlichen Momenten, hat im Fernsehen natürlich besonders Tradition. Die Sender produzieren dann massig Rückblicke, die einen etwas nüchterner, die anderen emotionaler, in denen Experten und Prominente zu Wort kommen und unzählige Videos zusammengeschnitten werden. Die Netflix-Produktion Death to 2020 ist einer dieser Rückblicke, gleichzeitig aber auch wieder nicht, wenn Bekanntes hier auf betont humorvolle Weise präsentiert wird.

Damit hat Charlie Brooker natürlich schon Erfahrungen gesammelt. Das britische Multitalent, welches unter anderem die Science-Fiction-Anthologie Black Mirror kreiert hat, hatte früher schon solche humoristischen Rückblicke gedreht. Für Death to 2020 wählte er nun ein Mockumentary-Format. Das Special ist im Stil solcher Jahresende-Sendungen gedreht, zeigt tatsächliche Archivaufnahmen von Ereignissen, die sich 2020 zugetragen haben. Der Unterschied jedoch ist, dass hier keine echten Experten zu Wort kommen, sondern Schauspieler und Schauspielerinnen, welche in deren Rolle schlüpfen. So sehen wir unter anderem Samuel L. Jackson als Reporter, Hugh Grant als Historiker und Lisa Kudrow als Sprecherin des Weißen Hauses.

Zwischen Corona und Trump

Welchen Inhalt dieser Rückblick präsentiert, da braucht man nicht lange rumraten. Wie zu erwarten war, wird Death to 2020 von zwei Themen dominiert: die Corona-Pandemie und Donald Trump. Zwischendurch gibt es auch mal kurz etwas andere. So wird am Anfang beispielsweise kurz ein Auftritt von Greta Thunberg angesprochen, als guter Brite macht sich Brooker zudem über das Königshaus lustig. Auch Black Lives Matter erscheint in dem Wirbelwind aus Bildern, Originalvideos und fingierten Interviews. Dass letzteres Thema dabei recht kurz ausfällt, ist schon etwas irritierend. Andererseits merkt man selbst der kurzen Passage an, wie unwohl sich die Leute beim Dreh fühlten. Während bei nahezu allen Themen irgendwo Raum für Spott war, traute man sich hier nicht, blieb sehr nüchtern, wohl um bei diesem besonders sensiblen Thema keinen Shitstorm zu verursachen.

Insgesamt ist Death to 2020 trotz seines kämpferischen Titels eine recht zahme Angelegenheit. Es braucht nun wirklich nicht viel, um den Ausfällen von Trump etwas Lächerliches abzugewinnen. Bei seinem Widersacher Joe Biden wiederum begnügte man sich mit einem Verweis auf sein fortgeschrittenes Alter, um sich so über ihn lustig zu machen. Das ist schon etwas billig, vor allem auf Dauer. Egal in welchem Zusammenhang der künftige Präsident auftaucht, es ist immer wieder derselbe Witz.

Spaßig, aber ohne viel Abwechslung

Allgemein ist die Mockumentary trotz einer Laufzeit von gerade mal 70 Minuten schon enttäuschend repetitiv. Dass Kudrows Charakter der Pressesprecherin ständig die Wahrheit verdreht, ist anfangs noch amüsant. Wenn aber alle Szenen mit ihr nach demselben Prinzip funktionieren, dann ist das nicht gerade Vorbild für kreatives Schreiben. Ärgerlich ist zudem, wie sehr der Fokus doch auf den USA liegt. Sich gleichzeitig darüber lustig machen, dass man sich im Westen für andere Erdteile nicht interessiert, und dann selbst solche Scheuklappen aufzuziehen, das passt nicht so ganz zusammen.

Aber auch wenn es viel gibt, das man an Death to 2020 kritisieren kann, teilweise auch muss, insgesamt überwiegt schon der Spaßfaktor. So glänzt beispielsweise das prominente Ensemble mit Spielfreude. An manchen Stellen schimmert auch Selbstironie durch, wenn sich der Rückblick über Rückblicke im allgemeinen lustig macht. Außerdem gelingt es dem Special, doch dem Wahnsinn, der dieses Jahr war, irgendwie gerecht zu werden, der aus einer Dauerschleife nach der anderen zu bestehen schien. Ob dieses am Ende sinnvoll ist oder nicht, zumal sowohl Corona wie auch Trump auch 2021 über längere Zeit bestimmen werden, darüber lässt sich streiten. Zumindest erlaubt er es einem aber, dieser Dauerbeschallung noch etwas Galgenhumor abzugewinnen. Das Motto: Wenn wir es schon nicht ändern können, dann lasst uns wenigstens darüber lachen!

Credits

OT: „Death to 2020“
Land: UK
Jahr: 2020
Regie: Al Campbell, Alice Mathias
Drehbuch: Charlie Brooker, Tom Baker, Kemah Bob, Ken Bordell, Munya Chawawa, Constance Cheng, Alan Connor, Erika Ehler, Charlie George, Eli Goldstone, Mollie Goodfellow, Jason Hazeley, Angelo Irving, Kae Kurd, Ali Marlow, Thanyia Moore, Joel Morris, Michael Odewale
Musik: Marc Shaiman
Kamera: Jamie Cairney, Adam Silver
Besetzung: Samuel L. Jackson, Hugh Grant, Lisa Kudrow, Leslie Jones, Joe Keery, Kumail Nanjiani, Tracey Ullman, Cristin Milioti, Diane Morgan, Samson Kayo

Bilder

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Death to 2020
„Death to 2020“ ist ein pseudodokumentarischer Rückblick auf das Jahr 2020, der die Ereignisse überwiegend mit Humor nimmt. Die Witze wiederholen sich zum Teil arg, außerdem lässt die Mockumentary Mut vermissen. Insgesamt macht die Aufarbeitung eines Horrorjahres aber schon Spaß, was unter anderem dem spielfreudigen, prominenten Ensemble zu verdanken ist, das sich hier als Experten und Interviewte zum Affen macht.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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