The Good Nurse Netflix
© JoJo Whilden / Netflix

The Good Nurse

The Good Nurse Netflix
„The Good Nurse“ // Deutschland-Start: 26. Oktober 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Amy Loughren (Jessica Chastain) hat es nicht leicht im Leben. Als wäre es nicht schon schwierig genug, ihren Beruf als Krankenpflegerin auszuüben, während sie allein zwei Kinder großziehen muss. Sie hat zudem ein lebensbedrohliches Herzleiden. Eigentlich müsste sie sich ausruhen. Doch das kann sie sich nicht leisten, da sie noch immer keine Krankenversicherung hat. Erst in einigen Monaten wird es so weit sein, bis dahin muss sie irgendwie so durchkommen. Da trifft es sich gut, dass sie während ihrer Nachtschichten endlich Unterstützung bekommt. Sie versteht sich auch auf Anhieb gut mit ihrem neuen Kollegen Charles Cullen (Eddie Redmayne), sie helfen sich gegenseitig, wo sie können. Doch dann kommt es zu einem rätselhaften Todesfall im Krankenhaus. Während die Leitung jegliche Schuld von sich weist, sind sich die ermittelnden Polizisten Danny Baldwin (Nnamdi Asomugha) und Tim Braun (Noah Emmerich) sicher, dass ein Mord vorliegt. Als es später zu einem weiteren Vorfall kommt, hat Amy einen schrecklichen Verdacht …

Nachschub für True-Crime-Fans

True Crime und kein Ende. Dass Netflix unentwegt, praktisch wöchentlich, neue Dokumentationen veröffentlicht, die sich auf die eine oder andere Weise mit realen Verbrechen befassen, ist bekannt. Zuletzt brachte der Streamingdienst aber auch eine Reihe von gespielten und zum Teil fiktionalisierten Titeln heraus. Mit großem Erfolg: Dahmer – Monster: Die Geschichte von Jeffrey Dahmer wurde bekanntlich zu einer Sensation, auch The Watcher und Verschwunden in Lørenskog fanden ihre Fans. Nun folgt mit The Good Nurse ein weiteres Werk, das sich mit einem ebenso wahren wie unglaublichen Verbrechen befasst. Der Film dürfte dabei besondere Aufmerksamkeit erhalten. Nicht nur dass er mit zwei großen Hollywoodstars lockt. Der Fall dürfte zudem für jede Menge schockierte Gesichter sorgen.

Dabei ist die Geschichte um den Krankenpfleger Charles Cullen, der bis zu 400 Leute ermordet haben soll, keine neue. Zum einen liegen die Verbrechen schon Jahre zurück, von 1988 bis 2003 soll er sie begangen haben. Außerdem erinnert der Fall natürlich an den deutschen Kollegen Niels Högel, der vor einigen Monaten den Film Das weiße Schweigen inspiriert hat. Der Krankenpfleger hat ebenfalls zahlreiche Menschen getötet, für 85 Morde wurde er verurteilt. Der Ablauf der beiden Filme ist dabei auf frappierende Weise ähnlich. Sowohl beim genannten Thrillerdrama wie auch bei The Good Nurse ist die Hauptfigur eine Krankenpflegerin, die eines Tages einen neuen Kollegen bekommt, mit dem sie sich anfangs gut versteht, der sich später aber als Mörder herausstellt. Die Krankenpflegerin spielt jeweils auch eine Rolle dabei, dass der Mörder überführt wird.

System des Vertuschens

Und noch eine Parallele gibt es. Die Filme handeln nicht nur von den begangenen Morden, sondern auch dem Versagen der jeweiligen Krankenhäuser. Weder in den USA noch in Deutschland werden die notwendigen Maßnahmen ergriffen. Man schiebt den unliebsamen Mann lieber weiter, anstatt eine eigene Schuld zuzugeben. Regisseur Tobias Lindholm (A War) hat mit seiner Version daher nicht nur ein True-Crime-Thrillerdrama vorgelegt. Stattdessen ist The Good Nurse eine Anklage gegen ein System des Vertuschens. Natürlich ist Cullen der Täter und für die vielen Toten verantwortlich. Aber auch die Krankenhäuser tragen eine Mitschuld. Hätten sie reagiert, anstatt systematisch alles unter den Teppich kehren zu wollen, wer weiß, wie viele heute noch leben könnten.

Dass The Good Nurse das Verhalten der Krankenhäuser so in den Vordergrund stellt und betont skandalisiert, dürfte aber auch einen anderen Grund haben: Der Film kann über den Protagonisten nicht so wahnsinnig viel sagen. Während bei Das weiße Schweigen ein zwar abscheuliches, aber immerhin noch irgendwie nachvollziehbares Motiv mitlieferte, da fehlt hier etwas Vergleichbares. Bis heute ist nicht klar, warum Cullen diese Morde begangen hat, was das Ende etwas abrupt und unbefriedigend werden lässt. Dennoch ist der Film, der auf dem Toronto International Film Festival 2022 feierte, sehenswert. Das besagte hochkarätige Duo, das jeweils bereits einen Oscar sein Eigen nennt, sorgt für die menschliche Note, selbst an den Stellen, an denen das immer mal wieder schwächelnde Drehbuch dies nicht leisten kann.

Credits

OT: „The Good Nurse“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Tobias Lindholm
Drehbuch: Krysty Wilson-Cairns
Musik: Biosphere
Kamera: Jody Lee Lipes
Besetzung: Jessica Chastain, Eddie Redmayne, Nnamdi Asomugha, Kim Dickens, Noah Emmerich

Bilder

Trailer

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fazit
„The Good Nurse“ erzählt die wahre Geschichte eines Krankenpflegers, der womöglich mehrere Hundert Menschen ermordet hat. Die schockierenden Taten und die skandalöse Vertuschung durch die Krankenhäuser hinterlassen Eindruck, auch dank des hochkarätigen Schauspielduos. Das Drehbuch lässt dafür immer mal wieder zu wünschen übrig.
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