Der unsichtbare Faden Il filo invisibile Netflix
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Der unsichtbare Faden

Der unsichtbare Faden Il filo invisibile Netflix
„Der unsichtbare Faden“ // Deutschland-Start: 4. März 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Als es darum geht, für ein Schulprojekt das passende Thema zu finden, hat Leone (Francesco Gheghi) schnell eine Idee: Er dreht einen Dokumentarfilm über seine Familie. Ganz alltäglich ist die nicht, schließlich ist er mit zwei Vätern aufgewachsen, Paolo (Filippo Timi) und Simone (Francesco Sianna). Außerdem sind beide ein wenig eigen. Aber er liebt sie, hatte eine glückliche Kindheit und wird von ihnen unterstützt, wann auch immer er sie braucht. Nun will Leone von ihnen erzählen. Davon, was es heißt, in Italien als homosexuelles Paar zu leben und ein Kind großzuziehen. Einfach war das nicht, ist es noch immer nicht. Dabei machen den zweien nicht nur die diversen Behörden zu schaffen. Auch die Beziehung an sich kriselt inzwischen kräftig …

Neue Familienkonzepte

Früher war die Sachlage klar: Familie, das bedeutete, dass der Mann zur Arbeit geht und die Frau zu Hause bleibt und Kinder aufzieht. Dieses traditionelle Bild hat sich inzwischen in vielerlei Hinsicht geändert. So dürfen Frauen sich auch außerhalb der heimischen Küche verwirklichen. Beziehungen halten nicht zwangsläufig bis ans Lebensende, weshalb es die verschiedensten Konstellationen gibt, von Patchwork bis zu alleinerziehenden Eltern. Und selbst die Vorstellung, dass eine Ehe aus Mann und Frau bestehen muss, ist nicht mehr aktuell. Stichwort Regenbogen-Familie. Der italienische Netflix-Film Der unsichtbare Faden berichtet von einer solchen bunten Familie, tut dies aber aus dem Blickwinkel des gemeinsamen Sohnes. Es geht also weniger darum, wie die beiden Männer ihre Ehe führen, sondern was dies für den Nachwuchs bedeutet.

Einfach ist die Situation natürlich nicht. Das hat jedoch weniger mit den beiden Vätern zu tun, die sich so aufopferungsvoll um Leone kümmern, wie es Eltern eben tun. Vielmehr ist die Welt immer noch nicht ganz so, dass jeder nach seinen eigenen Wünschen leben darf. Offene Anfeindungen sind dabei in Der unsichtbare Faden eher selten. Zwischendurch darf eine Mutter ganz aufgebracht sein, dass ihr Sohn schwul ist. Aber diese Szenen sind Nebenschauplätze. Darum geht es Regisseur und Co-Autor Marco Simon Puccioni gar nicht. Die Probleme, welche die Familie plagen, sind eher bürokratischer Natur. Tatsächlich ist ein wiederkehrendes Thema, dass die italienischen Gesetze nicht wirklich bei einer solchen Regenbogen-Familie funktionieren. Die Gesellschaft verändert sich auf eine Weise, dass die schwerfällige Politik nicht hinterher kommt.

Eine ganz normale, kaputte Familie

Aber auch der Aspekt gerät bald in den Hintergrund. Im Fokus stehen letztendlich die persönlichen Beziehungen, verbunden mit einer Sinnsuche des Jugendlichen. Sich in ein Mädchen zu verlieben, wenn dich alle aufgrund deiner Eltern für schwul halten, ist nicht ganz einfach. Da muss schon einiges gerechtfertigt werden, was es eigentlich gar nicht bräuchte. Und natürlich wird auch gefragt, was Familie eigentlich bedeutet. Da beispielsweise nicht beide Väter die biologischen Väter sein können, wird viel diskutiert. Ob es einen Unterschied macht innerhalb dieser Konstellation. Ist einer mehr Vater als der andere, nur weil sein Samen am Ende gewonnen hat? Die Antwort bei Der unsichtbare Faden überrascht nicht wirklich. Von Anfang an macht Puccioni keinen Hehl daraus, dass er das alte Konzept für überholt hält und es andere Faktoren sind, die eine Familie ausmachen.

Das ist dann weder subtil, noch sonderlich tiefgründig. Der Film spricht solche Themen zwar an, will aber lieber im unterhaltsamen Bereich bleiben, wo man schon mal das eine oder andere Mal die Augen zudrückt. Sympathisch ist an der Stelle jedoch, dass das Paar deswegen nicht idealisiert oder gar heroisiert wird. Sie sind nicht besser als andere Paare. Tatsächlich haben Paolo und Simone nicht gerade wenige Macken. Der unsichtbare Faden bricht hier eine Lanze dafür, dass Regenbogen-Familien nicht anders sind als traditionelle. Sie haben dieselben Probleme, haben trotz hohen Einsatzes dasselbe Risiko des Scheiterns. Das Leben läuft manchmal eben anders. Das ist dann insgesamt ein recht netter Film zum Thema Familie und Selbstfindung, der maßgeblich von seinem jungen Hauptdarsteller getragen wird. Die Tragikomödie scheitert jedoch etwas daran, dass sie sich nicht so ganz entscheiden kann, wovon sie überhaupt erzählen will. Und auch bei der Tonalität schwankt das, ist mal nah am Alltag dran, dann wieder übertriebene Farce.

Credits

OT: „Il filo invisibile“
Land: Italien
Jahr: 2022
Regie: Marco Simon Puccioni
Drehbuch: Marco Simon Puccioni, Luca De Bei
Musik: Pivio e Aldo De Scalzi
Kamera: Gian Filippo Corticelli
Besetzung: Francesco Gheghi, Filippo Timi, Francesco Scianna, Matteo Oscar Giuggioli, Giulia Maenza, Jodhi May, Valentina Cervi

Bilder

Trailer

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Der unsichtbare Faden
Fazit
„Der unsichtbare Faden“ erzählt vom Selbstfindungsversuch eines Jugendlichen, der mit zwei Vätern aufgewachsen ist. Der Film ist sympathisch bei der Beschreibung einer Regenbogen-Familie, die genauso dysfunktional ist wie die traditionelle. Es fehlt aber an einem eindeutigen Konzept, was das hier sein sollte und wollte. Sonderlich tiefgründig wird es sowieso nicht.
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