Copenhagen Cowboy Netflix
© Magnus Nordenhof Jønck / Netflix

Copenhagen Cowboy

Copenhagen Cowboy Netflix
„Copenhagen Cowboy“ // Deutschland-Start: 5. Januar 2023 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Miu (Angela Bundalovic) hat eine ganz besondere Gabe: Sie soll anderen Menschen Glück bringen. Davon ist zumindest Rosella (Dragana Milutinović) überzeugt, weswegen sie die junge Frau ihrer Mutter abgekauft hat. Denn Glück könnte sie gebrauchen, versucht sie doch seit einer Weile schon vergeblich, irgendwie schwanger zu werden. Rosellas Bruder Andre (Ramadan Huseini) hat hingegen eine ganz andere Verwendung für Miu, in dem von ihm geleiteten Bordell ist immer Platz für Frischfleisch. Dort hält sie es aber nicht lang aus. Inspiriert von ihrer Leidensgenossin Cimona (Valentina Dejanovic) beschließt Miu, aus dem Etablissement zu fliehen, und taumelt bald durch die Unterwelt, wo sich ihr Weg mit dem von Nicklas (Andreas Lykke Jørgense) kreuzt …

Aus Liebe zur Kontroverse

Die Karriere von Nicolas Winding Refn hat im Laufe der Jahre einige interessante Wendungen genommen. Nachdem er sich unter anderem mit der Pusher Trilogie (1996 bis 2005) einen Namen gemacht hatte, schien ihm nach Drive (2011) die ganze Filmwelt zu Füßen zu legen. Und was macht der Däne? Stößt genüsslich seine neugewonnenen Fans mit dem grotesken Only God Forgives (2013) vor den Kopf. Mit dem Model-Horror The Neon Demon (2016) spaltete er das Publikum weiter, wurde bei der Premiere in Cannes gleichzeitig ausgebuht und gefeiert. Auch an seiner ersten Serie Too Old to Die Young (2019) schieden sich die Geister. Während die einen ganz fasziniert waren von dem stylischem Gewaltrausch, schalteten andere frühzeitig aus – woran die sehr langsame Erzählweise der zehn Folgen ihren Anteil hatte.

Bei seiner zweiten Serie Copenhagen Cowboy, die exklusiv auf Netflix erschienen ist, fällt das Urteil wenig überraschend ebenfalls gemischt aus. Die gute Nachricht vorweg: Im Vergleich zum Vorgänger ist der zweite Anlauf des seriellen Erzählens zumindest im Hinblick auf die Laufzeit bekömmlicher. Sechs Folgen à 45 Minuten? Das nimmt man dann doch viel schneller mit, als es beim letzten Mal der Fall war. Das bedeutet aber nicht, dass Refn deswegen das Erzähltempo erhöht hätte. Noch immer hat er es absolut nicht eilig. Die einzelnen Einstellungen können schon mal richtig lang dauern, selbst wenn gerade nicht wirklich etwas passiert. Vor allem wenn gerade nicht wirklich etwas passiert. Den Hang zur sparsamen Handlung hat der Kult-Regisseur nicht erst seit gestern.

Surreale Stilübung

Wobei man der Serie Unrecht tun würde, wenn man ihr unterstellte, dass gar nichts geschieht. Das wäre auch zu seltsam für eine Geschichte, die in der Unterwelt spielt. Zu seltsam selbst für jemanden wie Nicolas Winding Refn, der das Seltsame zu seinem Markenzeichen gemacht hat. So bekommt es Miu unterwegs beispielsweise mit der chinesischen Mafia zu tun. Die eine oder andere Person muss während der sechs Folgen dran glauben. Schweine spielen eine Rolle. Später bekommt Copenhagen Cowboy auch noch eine übernatürliche Note, selbst wenn diese nie wirklich zu fassen ist. Aber auch das gehört zu dieser Odyssee dazu. Es werden diverse Themen angeschnitten, ohne dass diese je ausformuliert würden. Vieles bleibt in der Schwebe, bleibt betont nebulös und mysteriös.

Das darf man dann wie so oft bei den Werken des Dänen als oberflächlich ansehen. Style over substance ist einer der häufigsten Vorwürfe, die man ihm macht. Das und seine Selbstverliebtheit. Wen das vorher nicht gestört hat, wird das auch dieses Mal nicht stören. Zumal die Serie, die bei den Filmfestspielen von Venedig 2022 Premiere hatte, audiovisuell gewohnt betörend ist. Neon-Bilder und Synthieklänge mögen nicht unbedingt das größte Beispiel für kreative Inszenierungskunst sein. Copenhagen Cowboy zeigt aber, dass hiervon noch immer ein großer Reiz ausgehen kann. In Kombination mit der flüchtigen Geschichte und der betonten Langsamkeit entsteht eine traumartige Atmosphäre, die einen durchaus gefangen nehmen kann. Natürlich muss man sich darauf einlassen können und überhaupt eine Vorliebe haben für solche surrealen Stilübungen. Wer das von sich behaupten kann, wird hier wieder einiges vorfinden. Neue Fans dürfte die Serie aber kaum gewinnen.

Credits

OT: „Copenhagen Cowboy“
Land: Dänemark
Jahr: 2022
Regie: Nicolas Winding Refn
Drehbuch: Sara Isabella Jønsson Vedde, Johanne Algren, Mona Masri
Musik: Cliff Martinez, Peter Peter, Peter Kyed, Julian Winding
Kamera: Magnus Nordenhof Jønck
Besetzung: Angela Bundalovic, Andreas Lykke Jørgensen, Jason Hendil-Forssell, Li Ii Zhang, Lola Corfixen, Valentina Dejanovic, Maria Erwolter, Thomas Algren, Zlatko Buric

Bilder

Trailer

Filmfeste

Venedig 2022

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Copenhagen Cowboy
fazit
„Copenhagen Cowboy“ ist ein typischer Titel von Nicolas Winding Refn, wenn der Ausflug in die Unterwelt zu einer traumartigen Neon-Synthie-Reise wird. Das wird vielen zu wenig sein, zumal das Erzähltempo mal wieder sehr gering ist und der dänische Regisseur seinem Hang zur schwelgerisch-selbstverliebten Leere nachgibt. Wer diese Kombination aber schon vorher mochte, bekommt hier jede Menge zu sehen.
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