Kritik

October Faction Netflix

„October Faction“ // Deutschland-Start: 23. Januar 2020 (Netflix)

Richtig groß war die Begeisterung ja nicht, als Fred (J.C. MacKenzie) mit seiner Frau Deloris (Tamara Taylor) und den 17-jährigen Zwillingen Viv (Aurora Burghart) und Geoff (Gabriel Darku) in seine alte Heimatstadt zurückkehrt. Dabei ist es gar nicht mal der Tod seines Vaters, weswegen sie die Reise antreten, der ihm nahegeht. Vielmehr würde er es gern vermeiden, an gewisse Dinge aus seiner Vergangenheit erinnert zu werden. Zumal die Gegenwart kompliziert genug ist, auch wegen des Berufes, den die beiden ausüben: Sie sind geheime Monsterjäger, so geheim, dass nicht einmal ihre Kinder davon wissen. Und das ist nicht das einzige, was die beiden verschwiegen haben …

Inzwischen ist es praktisch unmöglich, sich die ganzen Netflix-Serien zu merken, die auf Comic-Büchern basieren. So als wollten sie den Wegfall der einstigen Vorzeige-Marvel-Produktionen ausgleichen, wird derzeit eine Graphic Novel nach der anderen adaptiert. Dann und wann ist da mal etwas Interessantes dabei wie etwa die dysfunktionale Superheldendamilie in The Umbrella Academy. Auch Daybreak, eine humorvolle Variante der Zombie-Apokalypse, war ganz unterhaltsam. Doch dazwischen tummelt sich viel Wegwerfware, die der man schnell vergisst, warum man sich das anschauen wollte oder sollte.

Aus Spaß wird Ernst … leider
Leider ist auch October Faction ein solcher Fall. Die Vorlage hierfür wurde von Steve Niles und Damien Worm kreiert und Ende 2014 das erste Mal veröffentlicht. Der Einstieg ist dabei noch vergleichsweise vielversprechend, wenn wir Fred und Deloris beim fröhlichen Monsterschlachten zusehen, unterbrochen von einem kurzen Telefonat, so als wären sie gerade mit dem Abheften von Akten beschäftigt. Die Stelle ist auch etwas humorvoller, was darauf hoffen lässt, es mit einem Verwandten von From Dusk Till Dawn zu tun zu haben. Ein bisschen zünftige Monster-Action, dazu coole Sprüche und ein überzeichneter Stil, sowas kann immer wieder Spaß machen.

Stattdessen wandelt sich die von Damian Kindler entsonnene Serie bald in ein Drama. Erste Anzeichen gibt es früh: Wenn eine Geschichte um Monsterjäger gleich zu Beginn das Thema Rassismus aufgreift, dazu noch LGBT-Elemente hineinpackt, dann wird klar, dass es jemand richtig ernst meint. Wichtig sind diese Themen ohne jeden Zweifel, hier jedoch derart ungelenk ins Spiel gebracht, dass die beste Absicht nichts mehr rettet. Das gilt dann auch für die späteren Folgen, wenn October Faction auf einmal um Ambivalenz bemüht und die Frage auftaucht: Wer ist das schlimmere Monster, die Vampire, Hexen und Werwölfe oder doch die Menschen, welche sie jagen? Also die gute alte X-Men-Frage.

Ein Drama ohne Herz
Als Hauptthema ist das eigentlich kaum noch zu gebrauchen, zu viele Filme und Serien handelten bereits von übernatürlichen Wesen, die sich irgendwie in der Menschenwelt zurechtfinden müssen. Sind die Figuren interessant genug, lässt sich das aber manchmal ausgleichen. Leider versagt October Faction in der Hinsicht völlig. Es gelingt der Netflix-Produktion einfach nicht, dass einem das Quartett in irgendeiner Form ans Herz wächst oder es zumindest so fesselnd ist, dass man sich für den weiteren Fortlauf interessieren würde. Zumal auch die darstellerische Leistung suboptimal ist. Am besten gelingt es noch Tamara Taylor, ihre Rolle als im Zwiespalt gefangene Mutter einigermaßen lebensnahe auszuführen. Andere sehen hingegen so aus, als hätten sie sich nur aufs Set verirrt und wüssten gar nicht so recht, was sie da sollten.

Hin und wieder hat das einen leicht trashigen Charme, zumal die Spezialeffekte vom Discounter stammten. Und immerhin, zum Ende hin gibt es ein paar Wendungen und Flashbacks, die für Perspektivwechsel sorgen. Es ist nur nicht genug, um October Faction im vollen Ernst weiterempfehlen zu wollen. Wer blutige Monster-Auseinandersetzungen will, fährt mit der Serie From Dusk till Dawn besser, die Mischung verschiedener Fabelwesen ist in Penny Dreadful stimmiger gelöst, das auch deutlich mehr Horrorstimmung verbreitet. Im Vergleich dazu sind die Dramaquälereien hier einfach zu stumpf und abgenutzt, lassen das Gefühl vermissen, dass da jemand mit Liebe zur Materie an die Arbeit gegangen ist.

Credits

OT: „October Faction“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Director X, Damian Kindler, Megan Follows, Mina Shum, David Frazee
Drehbuch: Damian Kindler, Mohamad el Masri, George Strayton, Keely MacDonald, Melissa Blake, Christina Walker, James Thorpe
Idee: Damian Kindler
Vorlage: Steve Niles, Damien Worm
Musik: Tim Welch
Kamera: Miroslaw Baszak
Besetzung: Tamara Taylor, J. C. MacKenzie, Aurora Burghart, Gabriel Darku, Wendy Crewson, Stephen McHattie, Megan Follows, Maxim Roy, Praneet Akilla

Trailer



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October Faction – Staffel 1
3.67 (73.33%) 33 Artikel bewerten

October Faction – Staffel 1
„October Faction“ verspricht zunächst eine launige Monster-Action-Serie zu sein, nimmt sich aber schon bald sehr viel ernster, als es der Inhalt erlauben würde. Dann und wann kann man mit den trashigen Elementen seinen Spaß haben. Meistens ist die Geschichte um zwei Monsterjäger, ihre Kinder und dunkle Geheimnisse aber recht öde, zumal die Drama-Aspekte zu konstruiert sind, um einem nahegehen zu können.
4von 10

3 Responses

  1. Norbert

    Die Serie ist nicht schlecht, aber auch kein Reisser. Zuviel Geschwafel, zuwenig und zu kurze Monster-Sequenzen und insbesondere die „Liebesgeschichten“ der Homos sind mehr als entbehrlich und tragen auch zur Handlung absolut nichts bei. Musste halt wieder rein, damit der „Normalität“ Genüge getan ist…
    Man kann alles auf Kosten der Handlung übertreiben.

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  2. sina

    Ich fand die Serie urgeil. Den homophoben Machos , die das schauen geht die Lovestory natürlich am A..vorbei(kleiner Scherz am Rande).Tricks vom Discounter ist nicht fair.Das kostet ja immens und dafür ist es nicht schlecht.Es ist nicht Kino sondern TV.Die Kritiker insbes die Profis kommen mir vor wie Leute, die in eine Operette von Offenbach gehen und sich dann wundern, dass sie nicht Wagnerklänge hören.Im Grunde ist es eine Telenovela für die ganze Familie und das funktioniert.

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  3. systemneo

    Kann mich Sina nur anschließen.

    Hab die ersten neun Episoden am Stück gesehen, am Ende jeder Folge war es so spannend, dass ich die nächste sehen wollte.

    Die Serie ist nicht immer sensationell, aber sie macht etwas extrem richtig: Sie lässt Geheimnisse ziemlich lange verborgen und lüftet diese zum Glück nicht zu schnell. Man rätselt bis zum Schluss wer welche Absichten hat und was zum Status Quo geführt hat.

    Die obige Rezension kann ich daher auch nicht teilen. Die Pilotfolge ist in der Tat „ruhig“ im Vergleich zu anderen Serien-Blockbustern. Aber, wie in einem guten Buch, möchte ich mich nicht überstürzt ins Abenteuer werfen – ja, dies kann lustig sein – aber dann muss es auch zum Rest der Serie passen und vor allem das Niveau halten. Dann lieber langsam starten und stetig steigern. Gefällt mir persönlich gut.

    Zudem werden neue Serien in den ersten Folgen immer mit Extremen verglichen. The Witcher soll das neue Games of Thrones sein (ist es nicht und will es nicht), October Faction wird gern mit Supernatural verglichen… Aber wenn man mal ehrlich ist, die ersten Staffeln dieser Top-Serien waren auch nicht perfekt. Und eine erste Staffel einer neuen Serie kann nicht den Mythos und Detailgrad solcher Megahits erreichen. Die Frage ist eher, schafft es eine erste Staffel Interesse zu wecken, eine interessante Welt und authentische Charaktere zu schaffen. Ich finde October Faction schafft das in den meisten Fällen, auch wenn hier in erster Linie bis jetzt keine höchst innovative Geschichte erzählt wird. Kleine Details, wie wem kannst du trauen, welche Auswirkungen hat dein Handeln auf andere (Episode 9 zeigt das sehr gut), die Coming-Out Story… da steckt viel drin was den Hauptplott zum Ende hin stärkt und Entscheidungen nachvollziehbar macht.

    Übrigens, wenn man die Comics kennt wird man auch starke Unterschiede in der Serie feststellen… Als Fan der Comics war ich doch überrascht, was man alles noch hinzugefügt hat oder verändert hat – aber, und das ist wichtig, ich mag die Serien-Variante dennoch.

    PS: Es ist wunderbar, dass vor allem in Netflix-Serien, das Thema Diversität nicht mehr als Besonderheit behandelt, sondern es Normalität geworden ist. Es ist nicht mehr der Quoten-Homosexuelle in irgendeiner belanglosen Nebenrolle zu sehen. Das freut mich. So war es bei Rassismus auch lange Zeit bis es endlich nicht mehr nur der Quoten-Schwarze war. Gerade Netflix scheint sich da entsprechend positiv aufzustellen.

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