The Package 2018

„The Package“ // Deutschland-Release // Netflix: 10. August 2018

Ein schöner, kleiner Campingtrip mit den Jungs, mehr wollten Sean (Daniel Doheny), Donnie (Luke Spencer Roberts) und Jeremy (Eduardo Franco) ja nicht. Schließlich hatten sich die drei schon lange nicht mehr gesehen, seitdem Sean nach Deutschland gegangen ist. Aber irgendwie steht dieses Wochenende einfach unter keinem guten Stern. Erst schließen sich Jeremys Schwester Becky (Geraldine Viswanathan), die seit Kurzem wieder Single ist, und deren Freundin Sarah (Sadie Calvano) dem Trio an. Und dann geschieht Jeremy auch noch ein Unglück: Versehentlich schneidet er sich seinen eigenen Penis ab. Noch ist nicht alles verloren. Wenn sie es rechtzeitig mit dem guten Stück ins Krankenhaus schaffen, dann könnte man es wieder annähen. Doch das ist gar nicht so einfach, wie die Freunde bald feststellen müssen.

Irgendwie scheint Netflix dieses Jahr ein Faible für Filme zu haben, die in Wäldern spielen. England haben wir zwei der interessanteren Beiträge zu verdanken, in Form des Horrorstreifens The Ritual und dem packenden Thriller Calibre – Weidmannsunheil. Aus Spanien wiederum kommt das karge Drama Die Haut des Wolfes über einen Mann, der sich eine Frau nimmt, um nicht mehr allein zu sein. In den USA mag man es hingegen lieber lustig: Nach der Vater-Sohn-Komödie Das Vermächtnis des Weißwedelhirschjägers steht nun mit The Package bereits der nächste Versuch an, das Publikum zum Lachen zu bringen.

Kommt ein Schwänzlein geflogen
Der Titel bezieht sich dabei auf Jeremys abgeschnittenes Glied, das unter allen Umständen zurück in die Zivilisation geschafft werden muss, wenn der Jugendliche auch in Zukunft noch ein echter Mann sein will. Das hätte man natürlich zum Anlass nehmen können, um allgemein ein wenig über Geschlechtersymbolik nachzudenken. Stichwort: Wann ist ein Mann ein Mann? Das Drehbuchduo Kevin Burrows und Matt Mider hatte daran aber offensichtlich nur wenig Interesse. Und auch naheliegende Witze über Stadtkinder, die im Wald überfordert sind – Hallo Wo die wilden Menschen jagen –, werden ignoriert. Stattdessen nutzten die zwei ihren Film in erster Linie dazu, den Schwanz in absurden Situationen zu zeigen oder zumindest ihn so oft in den Mund zu nehmen, wie es nur irgendwie geht – in mehr als einer Hinsicht.

Das darf man natürlich lustig finden, derber Humor hat ja durchaus seine Fans. Und nicht jede Komödie muss einen höheren Anspruch verfolgen. Aber warum es einen Bieterwettstreit um das Drehbuch gab, den eben Netflix gewann, das bleibt angesichts des Endergebnisses ein Mysterium. Der Schwanz fliegt durch die Luft, wird immer wieder in Dreck gewälzt, hat tierische Begegnungen. Und das knapp anderthalb Stunden lang. Das Szenario von The Package mag bizarr sein, die Gags selbst sind es nicht, sondern vertrauen darauf, dass das Publikum schon die Vorstellung eines männlichen Geschlechtsteiles oder auch der Demonstration von Sex so schockierend findet, dass es darüber lachen muss.

Ich mag euch nicht sehen
Aber nicht nur, dass The Package trotz aller expliziten Momente eine schrecklich verklemmte Komödie ist, sie kann sich auch kleinere homophobe Entgleisungen nicht verkneifen. Das ist ärgerlich bis enttäuschend, umso mehr, da Hauptdarsteller Daniel Doheny und Ben Stillers Produktionsfirma Red Hour Films kürzlich auch bei der LGBT-Komödie Alex Strangelove beteiligt waren, die ebenfalls bei Netflix erschien. Von deren Charme ist die plumpe Hysterie hier aber meilenweit entfernt. Dafür sind die Figuren auch einfach viel zu nervig.

Die Bemühungen, aus diesem Personal auch noch eine Liebesgeschichte zu machen, eigentlich sogar zwei, sind deshalb auch von vornherein zum Scheitern verurteilt. Eigentlich ist es einem völlig egal, was mit den fünfen passiert. Ob sie den Penis retten. Ob sie aus dem Wald finden. Ob sie ihre große Liebe finden. Das größte Interesse während des Films gilt der Frage, wie lange denn The Package nun noch dauert und ob da denn überhaupt noch etwas Spannendes oder Lustiges geschieht. Antwort: nein.

The Package (2018)
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The Package (2018)
Stell dir vor, du schneidest versehentlich deinen eigenen Penis ab und hast nur noch wenige Stunden, um ihn zu retten. Als Szenario ist das immerhin bizarr. Das Ergebnis ist jedoch schrecklich langweilig, manchmal auch anstrengend. „The Package“ versteift sich darauf, das getrennte Geschlechtsteil in immer neuen Situationen zu präsentieren, und verwechselt dabei eigene Verklemmtheit mit tatsächlicher Komik.
3von 10

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