Inhalt / Kritik

New Gods Nezha Reborn

„New Gods: Nezha Reborn“ // Deutschland-Start: 12. April 2021 (Netflix)

Wenn Li Yunxiang nicht gerade für einen Kurierdienst seinen Lebensunterhalt verdient, verbringt er seine Zeit am liebsten mit Motorradrennen. Dann düst er durch die engen Straßen von Donghai City, auf der Suche nach Ruhm, Nervenkitzel und weiblicher Bewunderung. Dabei schlummert in ihm noch sehr viel mehr als nur ein cooler Teufelsfahrer. Tatsächlich ist er die Wiedergeburt von Nezha, der 3000 Jahre zuvor in der Schlacht der Götter gekämpft. Leider sind aber auch dessen Widersacher wieder zurück. Und sie sind nicht untätig: De, der Drachenkönig des Ostchinesischen Meeres und Patriarch des Drachenclans, will seinem Clan wieder zur alter Größe zu verhelfen. Und da steht ihnen Nezha nur im Weg …

Ein chinesischer Exportschlager

So richtig groß ist der Markt für chinesische Animationsfilme hierzulande bislang nicht. Haben schon Live-Action-Filme aus dem Reich der Mitte so ihre Schwierigkeiten, bei uns veröffentlicht zu werden, so sieht es bei animierten Werken noch deutlich düsterer aus. Eine der wenigen nennenswerten Ausnahmen ist das Studio Light Chaser Animation, welches mit Die Schutzbrüder, White Snake und Cats – Ein schnurriges Abenteuer immerhin schon drei Titel exportieren konnte. Nun kommt mit New Gods: Nezha Reborn ein vierter hinzu, dieses Mal exklusiv auf Netflix. Die Wahl ist sicher nicht die schlechteste, hat der Streamingdienst in den letzten Jahren doch eine ganze Reihe fernöstlicher Animationsfilme veröffentlicht.

Wer sich im letzteren Bereich gut auskennt, könnte sich dennoch falsche Hoffnungen machen. Es handelt sich hierbei nicht um den ähnlichen klingenden Ne Zha, einen weiteren chinesischen Animationsfilm, der vor einiger Zeit mehr als 700 Millionen US-Dollar einspielte – nur in China wohlgemerkt. Dafür basieren New Gods: Nezha Reborn und obiger Titel auf derselben Quelle, genauer der mythologischen Figur Nezha. Anstatt aber die alten Geschichten neu zu erzählen, drehte man hier so etwas wie eine Fortsetzung, die 3000 Jahre später spielt und damit fast in der Neuzeit. Aber eben auch nur fast. Tatsächlich wird hier nie ganz klar, in welcher Epoche wir uns nun genau befinden sollen, da die Grenzen zwischen Realität und Fantasy aufgehoben wurden.

Stilmix, der sich sehen lassen kann

Das macht durchaus den Reiz von New Gods: Nezha Reborn aus. Da werden Steampunk-Elemente mit jahrtausendalten Gottheiten verknüpft. Die Stadt ist eine Mischung aus chinesischen und westlichen Einflüssen, aber eben nicht in der Gegenwart oder gar der Zukunft. Vielmehr hat man den Eindruck, hier hundert Jahre in die Vergangenheit gereist zu sein und dabei die falsche Abzweigung in ein Paralleluniversum genommen zu haben. Das passt alles nicht so wirklich zusammen. Doch was sich nach konzeptioneller Beliebigkeit anhört, ist durchaus spannend anzusehen. Es gelang dem Team, hier bei aller Bekanntheit einzelner Bestandteile etwas tatsächlich Eigenes auf die Beine zu stellen.

Überhaupt ist das visuell schon recht schick, was Light Chaser Animation da zusammengezaubert hat. Vor allem die Manifestationen der Gottheiten wurden imposant in Szene gesetzt. Auch an anderen Stellen heißt es klotzen, nicht kleckern: Trotz eines eher zeitgenössischen Settings wollte man hier eindeutig das Gefühl epischer Mächte erreichen, wie sie früher noch über die Erde herrschten. Weniger imposant ist, dass New Gods: Nezha Reborn vergleichbar zu westlichen computergenerierten Animationsfilmen Probleme mit der Darstellung von körperbezogener Physik hat – oder schlichtweg kein Interesse. Natürlich muss ein Fantasyfilm nicht durchgängig realistisch dargestellt sein. Aber dass die Figuren wie Gummibälle unfreiwillig komisch durch die Gegend hopsen, macht schon einiges von dem Eindruck wieder zunichte.

Inhaltlich recht dünn

Inhaltlich ist New Gods: Nezha Reborn ohnehin keine besonders große Nummer. Die Idee, die alten Gottheiten in einer Welt neuer Technologien zurückkehren zu lassen, wird zu keiner Zeit für die Geschichte als solche genutzt. Die Frage, ob es für diese überhaupt einen Platz gibt, wird im Rausch von Feuer- und Wasserstürmen nicht gestellt. Allgemein gewinnt man den Eindruck, dass das Drehbuch nicht mehr als ein Anlass dafür war, möglichst dynamische, manchmal an Computerspiele erinnernde Szenen zu ermöglichen. Das Ergebnis ist ein Werk, das mal nichtssagend, dann wieder recht wirr ist, im besten Fall zweckmäßig. Immerhin: Die Welt ist so interessant, dass die im Abspann für 2022 angekündigte Fortsetzung durchaus eine erfreuliche Nachricht ist. Es bleibt nur zu hoffen, dass man bis dahin etwas gefunden hat, das es wert ist, erzählt zu werden.

Credits

OT: „xīn shén bang: Nézhā chóngshēng“
Land: China
Jahr: 2021
Regie: Ji Zhao
Drehbuch: Mu Chuan
Musik: Guo Haowei
Animation: Light Chaser Animation

Trailer

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New Gods: Nezha Reborn
In „New Gods: Nezha Reborn“ erkennt ein begeisterter Motorradfahrer, dass er eigentlich die Reinkarnation eines Gottes ist, der gegen andere frühere Gottheiten antreten muss. Visuell ist das von der Gummiball-Physik einmal abgesehen sehr ansprechend umgesetzt. Gerade der Mix von alt und neu, westlich und östlich kann sich sehen lassen. Die Geschichte selbst ist hingegen wenig erwähnenswert.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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