Inhalt / Kritik

Capitani Netflix

„Capitani“ // Deutschland-Start: 11. Februar 2021 (Netflix)

In einem Wald nahe des kleinen Dorfes Manscheid wird die Leiche der 15-jährigen Jenny Engel (Jil Devresse) entdeckt, von ihrer Zwillingsschwester fehlt dabei jede Spur. Da der Fall für die lokale Polizei zu groß ist, soll Inspektor Luc Capitani (Luc Schiltz) der Sache auf den Grund gehen, unterstützt von der jungen ortsansässigen Polizistin Elsa Ley (Sophie Mousel). Dennoch gestaltet sich die Suche als sehr schwierig, da die Leute dem Fremden gegenüber misstrauisch bis ablehnend begegnen. Auch wenn der Wunsch nach Aufklärung groß ist, der Druck immer weiter steigt, die Ermittlungen kommen nur schleppend voran. Denn in Manscheid haben sie alle ihre Geheimnisse, verschweigen dem Polizisten etwas. Doch auch Capitani selbst hat eine Vergangenheit, mit der er nicht sehr offen umgeht, die ihn aber bald einholt …

Reise zum Nachbarn

Man mag ja vom Streaming halten, was man möchte, eines muss man Netflix lassen: Beim Einkauf neuer Filme und Serien durchstöbern sie wirklich die ganze Welt, bringen uns Länder näher, mit denen wir sonst nur wenig Berührungspunkte haben. Luxemburg zum Beispiel. Rein geografisch gesehen, ist uns das natürlich schon sehr nahe. Von gelegentlichen Coproduktionen einmal abgesehen bekommen wir filmisch gesehen aber so gut wie nichts von unseren Nachbarn mit. Allein deshalb schon ist es schön, dass mit Capitani eine reine Produktion aus dem Land ihren Weg zu uns findet, wenn auch mit rund 15 Monaten Verspätung. Doch es ist nicht allein der Exotenbonus, der einen Blick auf die Krimiserie rechtfertigt.

Das Grundszenario von Capitani ist dabei natürlich nicht neu oder außergewöhnlich. Mit der belgisch-französischen Produktion Black Spot und dem polnischen Kollegen Im Sumpf hatte Netflix schon zwei andere europäische Serien ins Programm aufgenommen, in denen in einem abgelegenen Waldgebiet eine Leiche entdeckt wird und die Suche nach dem Täter aussteht. Dabei spielt es dann keine wirkliche Rolle, ob es nun wie bei der Konkurrenz ein Staatsanwalt bzw. ein Journalist ist oder wie hier ein Polizist, das Prinzip ist immer gleich: Ein Protagonist begibt sich auf Spurensuche, die einheimische Bevölkerung mauert, weil jeder irgendwelche Geheimnisse mit sich herumschleppt, von denen niemand erfahren soll.

Wer ist der Mörder?

Im Mittelpunkt steht dabei natürlich die Frage: Wer hat Jenny umgebracht? Und was ist mit Tanja geschehen, der Zwillingsschwester? Während Capitani noch nach dieser Antwort sucht, schieben sich immer mehr Fragen dazwischen, die mal das direkte Umfeld der Jugendlichen betreffen, mal die dörfliche Gemeinschaft insgesamt. Die Liste an möglichen Tätern wird dabei kontinuierlich etwas länger, zumal irgendwann eine seltsame, aber nicht uninteressante Wendung eintritt, die noch mal alles auf den Kopf stellt. Dennoch sollte man hier keinen Whodunnit-Krimi in dem Sinne erwarten, bei dem sich das Publikum aus dem Kreis der Verdächtigen die richtige Person aussuchen muss. Dafür reicht der Platz nicht.

Das liegt einerseits an der Kürze der Serie: Die zwölf Folgen der ersten Staffel sind überwiegend 25 bis 30 Minuten lang, was eher dem Sitcom-Format entspricht als dem eines Krimis. Der andere Punkt ist, dass man sich bei Capitani genötigt sah, noch eine Nebengeschichte rund um die Hauptfigur zu stricken. Grundsätzlich ist es natürlich begrüßenswert, wenn dabei irgendwo mehr Tiefe geschaffen wird, man das Gefühl hat, es mit einem tatsächlichen Menschen zu tun zu haben. Umso mehr, wenn dadurch noch ein paar Ecken und Kanten entstehen. Allerdings ist die Geschichte nicht so wahnsinnig interessant und führt nur dazu, dass andere Faktoren zu kurz kommen. Beispielsweise wäre eine stärkere Ausarbeitung des Verhältnisses zwischen den Engel-Schwestern deutlich spannender gewesen, welches für einen höheren Dramaanteil sorgt.

Sehenswert mit Potenzial für mehr

Aber auch so ist Capitani auf jeden Fall sehenswert. Die Luxemburger um Regisseur und Co-Autor Christophe Wagner haben hiermit sicherlich nicht das Rad neu erfunden. Die Spannung bleibt aber auf einem guten Level, es gibt schöne Bilder aus der abgelegenen Gegend, die eine oder andere Intrige im Hintergrund. Außerdem verzichtete man dankenswerterweise mal darauf, die Staffel mit einem offensiven und billigen Cliffhanger zu beenden. Potenzial für einen Nachschlag gibt es hingegen schon. Tatsächlich ist eine zweite Staffel sogar schon in Planung, die dann gern im Sinne guter Nachbarschaftsarbeit ebenfalls bei uns gezeigt werden darf.

Credits

OT: „Capitani“
Land: Luxemburg
Jahr: 2019
Regie: Christophe Wagner
Drehbuch: Thierry Faber, Eric Lamhène, Christophe Wagner
Musik: David Sinclair
Kamera: Jako Raybaut
Besetzung: Luc Schiltz, Sophie Mousel, Claude De Demo, Jules Werner, Jil Devresse, Konstantin Rommelfangen, Joé Dennenwald, Brigitte Urhausen, Julie Kieffer

Bilder

Trailer

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Capitani – Staffel 1
„Capitani“ ist eine zwar nicht übermäßig originelle, insgesamt aber durchaus gelungene Krimiserie aus Luxemburg, in der es um die Aufklärung eines Mordes an einer Jugendlichen geht. Die kurze Laufzeit der Folgen trägt dabei einerseits dazu bei, dass die Spannungskurve auf einem konstanten Niveau bleibt, bedeutet aber auch, dass manche Punkte nicht gut genug ausgearbeitet werden.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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