Bigbug Netflix
© Netflix/Bruno Calvo

Inhalt / Kritik

Bigbug Netflix
„Bigbug“ // Deutschland-Start: 11. Februar 2022 (Netflix)

Im Jahr 2045 sind Roboter zu einem festen Bestandteil im Haushalt geworden. So auch bei Alice (Elsa Zylberstein) und ihrer Tochter Nina (Marysole Fertard), die ein paar dieser nützlichen Helfer ihr eigen nennen – darunter beispielsweise die Haushaltsgehilfin Monique (Claude Perron). Doch nicht alle künstlichen Intelligenzen sind so nett und hilfsbereit. So wollen sich die Yonyx (François Levantal) nicht länger den Menschen unterordnen und planen, in Zukunft selbst über ihr Schicksal zu bestimmen. Das werden Max (Stéphane De Groodt), Victor (Youssef Hajdi), Jennifer (Claire Chust) und Françoise (Isabelle Nanty), die ihren eigenen Sex-Roboter Greg (Alban Lenoir) ihr eigen nennt, selbst erfahren, als sie mit Alice und Nina in ihrem Haus eingesperrt werden …

Platz fürs Abwegige

Man mag Netflix in vielfacher Hinsicht negativ gegenüberstehen, sei es wegen der Verdrängungsmechanismen, unter denen die Kinobranche zu leiden hat, oder auch der austauschbare 08/15-Schrott, der gefühlt 80 Prozent der Neuerscheinungen ausmacht. Gleichzeitig findet man auf dem Streamingdienst immer mal wieder Titel, die es ohne ihn wohl kaum geben würde, da sie einfach zu ungewöhnlich sind und allenfalls auf Filmfesten noch eine Heimat hätten. Die experimentelle Stop-Motion-Anthologie The House war so ein Beispiel. Das gleichermaßen unheimliche wie herzzerreißende Verwirrspiel I’m Thinking of Ending Things war ein anderes. Mit Bigbug kommt jetzt ein weiterer Film, bei dem man sich kaum vorstellen könnte, dass er tatsächlich noch für die große Leinwand produziert würde.

Das ist insofern schon etwas überraschend, da es sich hierbei immerhin um das überfällige Comeback von Jean-Pierre Jeunet handelt. Der französische Regisseur drehte schließlich mit Die fabelhafte Welt der Amélie einen der erfolgreichsten europäischen Filme aller Zeiten. Mit Alien – Die Wiedergeburt hatte er sogar einen kurzen Ausflug nach Hollywood gewagt. Später sank sein Stern jedoch wieder, nach Die Karte meiner Träume versank er fast völlig in der Versenkung. Allein deshalb schon durfte man neugierig sein, was er mit Bigbug vorlegen würde. Netflix selbst scheint aber nicht die ganz großen Erwartungen zu haben. Im Marketing des Video-on-Demand-Giganten tauchte der Film praktisch gar nicht auf. Und so bedauerlich es ist, das zugeben müssen: Ganz unberechtigt sind die Zweifel nicht.

Enttäuschend wenig originell

So ist das Szenario nicht übermäßig originell. Roboter, die Amok laufen und die Weltherrschaft übernehmen wollen? Das gehört zum Standardrepertoire des Science-Fiction-Genres. Netflix selbst schickte vor einigen Wochen mit Mother/Android einen Film ins Rennen, der mit einem ähnlichen Szenario arbeitete. Wobei der Vergleich ein wenig hinkt. Wo der inhouse-Kollege mit der üblichen Mischung aus Action und Drama sein Publikum suchte, da setzt Jeunet, der auch am Drehbuch mitschrieb, bei Bigbug ganz auf Humor. Große persönliche Momente gibt es hier nicht. Der Autorenfilmer verzichtet zudem darauf, etwas tatsächlich Gesellschaftliches kommentieren zu wollen. Eine Kritik an der Abhängigkeit von der Technik ist nun wirklich nichts, wofür man heute noch Aufmerksamkeit bekommt. Das weiß eh schon jeder.

Das heißt aber nicht, dass man mit Bigbug nicht auch seinen Spaß haben könnte. Einige Einfälle sind schon recht lustig, etwa ein eiskalter Gegenschlag der Menschen. Das Ensemble geht ohne jegliche Hemmungen an den Blödsinn und geht die Eskalation schön mit. Visuell ist da auch einiges drin, wofür sich ein Trip in die Zukunft lohnt. Gerade bei den Designs der Roboter fühlt man sich an frühere Filme von Jeunet erinnert, der mit seiner Vorliebe fürs Skurrile bis Bizarre unvergessene Kinomomente schuf. Dennoch, für ein Comeback, das so lange Zeit auf sich warten ließ, ist das Ergebnis ein bisschen dünn. Auch wenn man froh ist, überhaupt ein Lebenszeichen sehen zu dürfen und immer mal wieder der eigenwillige Charme des Franzosen durchschimmert: Der Film lässt einen ein bisschen wehmütig zurück, mehr als ein netter Epilog von Jeunets Filmografie ist das hier nicht.

Credits

OT: „Bigbug“
Land: Frankreich
Jahr: 2022
Regie: Jean-Pierre Jeunet
Drehbuch: Jean-Pierre Jeunet, Guillaume Laurant
Musik: Raphaël Beau
Kamera: Thomas Hardmeier
Besetzung: Elsa Zylberstein, Isabelle Nanty, Stéphane De Groodt, Claude Perron, Youssef Hajdi, Claire Chust, François Levantal, Alban Lenoir

Bilder

Trailer

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Bigbug
Fazit
„Bigbug“ erzählt von revoltierenden Robotern und komischen Leuten, die plötzlich in der Klemme stecken. Dann und wann schimmert der eigenwillige Charme von Jean-Pierre Jeunet durch, visuell sind da auch einige nette Einfälle dabei. Insgesamt ist das überfällige Comeback des Kult-Regisseurs aber schon recht ernüchternd, die Komödie trotz eines spielfreudigen Ensembles relativ schnell wieder vergessen.
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