Stand By Me Doraemon 2 Netflix
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Inhalt / Kritik

Stand By Me Doraemon 2 Netflix
„Stand By Me Doraemon 2“ // Deutschland-Start: 24. Dezember 2021 (Netflix)

Nachdem Nobita zusammen mit seinem Freund Doraemon seine Zukunft gerettet hat und nun sogar eine Hochzeit mit seiner großen Liebe Shizuka ansteht, richtet sich sein Blick auf die Vergangenheit. Genauer muss er an seine vor einiger Zeit verstorbene Großmutter denken, die immer für ihn da war und die er schrecklich vermisst. Doraemon hält zwar nicht viel davon, jetzt auch noch in die Vergangenheit zu reisen, lässt sich am Ende aber breitschlagen. Doch das klappt alles nicht ganz so wie erhofft. Immer wieder mischt sich Nobita in vergangene Ereignisse ein und droht damit, für richtig großes Chaos zu sorgen. Tatsächlich Sorge bereitet ihm aber die Zukunft, denn auf einmal scheint die Hochzeit wieder auf der Kippe zu stehen. Und so bleibt den beiden nichts anderes übrig, als noch einmal die Zeitmaschine anzuwerfen und irgendwie die Hochzeit zu retten …

Überfällige Rückkehr der Robokatze

Für Fans der kultigen Roboterkatze Doraemon hieß es nach Stand by Me Doraemon ungewohnt lange warten. Während die seit 1980 nahezu jährlich produzierten Zeichentrickfilme ununterbrochen fortgesetzt werden – für 2022 steht bereits der 41. Film an –, kam nach der CGI-Version von 2014 lange Zeit nichts. Und das obwohl diese deutlich erfolgreicher war als die traditionellen Werke. In Japan waren die Einspielergebnisse fast doppelt so hoch im Vergleich, auch in anderen asiatischen Ländern war das moderne Reboot der Mangareihe von Fujiko F. Fujio ein voller Erfolg. Daher war eigentlich zu erwarten, dass das Franchise eine neue Phase einleiten würde. Stattdessen dauerte es aber ganze sechs Jahre, bis der Blockbuster fortgesetzt wurde. Immerhin: Dieses Mal ist auch der Rest der Welt mit am Start, da sich Netflix die Rechte am zweiten Teil gesichert hat.

Den Vorgänger sollte man nach Möglichkeit aber schon vorher gesehen haben, selbst wenn dieser auf dem Streamingdienst nur untertitelt vorliegt. Zwar ist Stand By Me Doraemon 2 grundsätzlich schon in sich abgeschlossen, die Geschichte um die zu platzen drohende Hochzeit steht für sich. Es werden aber zahlreiche Vorkenntnisse vorausgesetzt, wohl in der Annahme, dass das Publikum entweder den ersten Teil oder das Franchise als solches kennt. So erfährt man hier nicht, wer Doraemon ist und wie Nobita an diesen kam. Die Verhältnisse unter den Figuren werden nicht so richtig erzählt. Es gibt hin und wieder Verweise auf die Ereignisse des ersten Abenteuers. Vor allem aber die zahlreichen Gadgets, welche die blaue Titelfigur im Gepäck hat, dürften zunächst kräftig verwirren. In der Welt von Doraemon ist technisch so ziemlich alles möglich.

Abenteuer zwischen Mensch und Maschine

Die diversen Erfindungen sind dann auch wieder einer der Höhepunkte in Stand By Me Doraemon 2. Neben der Zeitmaschine kommen die unterschiedlichsten Technologien zum Einsatz. Einige davon sind sehr praktisch, andere völlig absurd. So oder so punktet der Anime mit großem Einfallsreichtum, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Der Schwerpunkt liegt dabei dieses Mal jedoch auf dem Aspekt der Zeitreise. Wie seinerzeit in Zurück in die Zukunft gilt es für die beiden Helden, ständig umherzureisen bei dem Versuch, alles in Ordnung zu bringen. Das bleibt zwar insgesamt kindlicher als bei der besagten Kult-Science-Fiction-Komödie. Aber die Geschichte ist doch erstaunlich komplex, wenn einzelne Szenen im Lauf der anderthalb Stunden mehrfach gezeigt werden, wir aber erst später erfahren, was diese wirklich zu bedeuten haben. Zumindest bei der jüngeren Zielgruppe dürfte die Neugierde daher groß sein, wie es weitergeht.

Der Kern der Geschichte ist dabei jedoch ein emotionaler. Genauer sind es zwei Faktoren, die in Stand By Me Doraemon 2 eine Rolle spielen. Da ist zum einen die Erinnerung an die Großmutter, welche einen großen Einfluss auf den jungen Nobita hatte und mit deren Verlust er nicht klarkommt. Das andere ist die Hochzeit und die damit verbundenen Befürchtungen, nie gut genug zu sein. Wie schon beim ersten Teil gelingt es dabei sehr gut, das Fantastische mit dem Menschlichen zu verbinden. Autor und Co-Regisseur Takashi Yamazaki (Deine Geschichte in Dragon Quest, Lupin III: The First) greift reale Sorgen auf, welche die meisten aus ihrem eigenen Leben kennen dürften, und packt diese in ein unterhaltsames und humorvolles Abenteuer. Anders als beim ersten, sehr episodenhaften CGI-Auftritt ist darin sogar ein roter Faden zu erkennen. Der Part mit der Großmutter ist zwar eine andere Geschichte, die hineingepackt wurde. Ansonsten gibt es hier aber ein klar erkennbares Ziel und einen definierten Weg dorthin.

Die gewohnten Bilder

Wenig getan hat sich hingegen bei der Optik. Das ist einerseits ein wenig ernüchternd. Schließlich lagen sechs Jahre zwischen beiden Filmen. Und in kaum einem anderen Bereich tut sich so viel wie in dem der CGI-Animation. Andererseits wirken die zwei Werke dadurch wie aus einem Guss und es kommt zu keinen Brüchen. Zumal die Bilder durchaus hübsch anzusehen sind: Wie schon beim ersten Teil gibt es hier eine Mischung aus fotorealistischen Hintergründen und comichaften Figuren, die mit teils extremer Mimik auffallen und schön flüssig animiert sind. Dadurch ist Stand By Me Doraemon 2, trotz der inhaltlichen Verschiebungen, ein ebenfalls sehenswerter Animationsfilm, dessen größter Fehler noch darin liegt, dass er Lust auf mehr macht. Leider ist bislang jedoch weder ein dritter Teil der Computervariante angekündigt noch eine Veröffentlichung der regulären Animereihe. Aber vielleicht ist Netflix auf diese Weise auf den Geschmack gekommen. Zu wünschen wäre es.

Credits

OT: „Stand By Me Doraemon 2“
Land: Japan
Jahr: 2020
Regie: Ryuichi Yagi, Takashi Yamazaki
Drehbuch: Takashi Yamazaki
Vorlage: Fujiko F. Fujio
Musik: Naoki Satō
Animation: Shin-Ei Animation

Trailer

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„Stand By Me Doraemon 2“ knüpft nahtlos an den Vorgänger an und ist erneut ein sehenswerter Zeitreise-Animationsfilm, der überdrehte Technik mit viel Herz und Menschlichkeit kombiniert. Die Geschichte ist dabei weniger fragmentarisch als beim ersten Teil, macht aber ebenfalls viel Spaß. Auch die Optik ist gelungen, selbst wenn nach sechs Jahren Pause ein Fortschritt sicher möglich gewesen wäre.
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