Inhalt / Kritik

Der Vogel The Starling Netflix

„Der Vogel“ // Deutschland-Start: 24. September 2021 (Netflix)

Für Lilly (Melissa McCarthy) und Jack Maynard (Chris O’Dowd) brach eine Welt zusammen, als ihre kleine Tochter starb. Und auch ihre Beziehung hat schwer unter dem Verlust gelitten, umso mehr, da beide auf sehr unterschiedliche Weise damit umgehen. Während Lilly versucht, irgendwie mit ihrem Leben weiterzumachen, zieht sich Jack zunehmend zurück und stößt alle anderen von sich fort – darunter auch Lilly. Die hat noch ein ganz anderes Problem, wird sie bei der Gartenarbeit doch ständig von einem aggressiven Vogel attackiert, der niemanden in seiner Nähe duldet. Auf der Suche nach einem Mittel gegen den Störenfried lernt sie den Tierarzt Larry (Kevin Kline) kennen, der früher einmal als Therapeut arbeitete und ihr den einen oder anderen wertvollen Hinweis gibt …

Verschwendetes Talent

Die Filmografie von Melissa McCarthy gehört zu den frustrierendsten, die man derzeit in Hollywood findet. Zu oft sieht man die Schauspielerin in ganz grauenvollen Komödien, die häufig von ihrem Ehemann Ben Falcone mitverbrochen wurden – zuletzt beispielsweise Thunder Force. Doch hin und wieder, wenn man schon gar nicht mehr damit rechnet, ist sie doch noch in einem guten Film zu sehen und darf darin demonstrieren, dass sie sehr wohl über größeres schauspielerisches Talent verfügt. Vor allem die Actionkomödie Spy – Susan Cooper Undercover und das biografische Betrügerin-Porträt Can You Ever Forgive Me? zeigen, dass sie im richtigen Umfeld aufblüht und sehenswerte Filme drehen kann.

Die Hoffnung war groß, dass die Netflix-Tragikomödie Der Vogel einer dieser Filme sein würde. Immerhin führt hier schließlich Theodore Melfi (Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen, St. Vincent) Regie, das lässt schon einmal etwas höhere Erwartungen zu. Das Ergebnis ist jedoch weit davon entfernt, diese Erwartungen zu erfüllen. Es reicht nicht einmal wirklich für einen durchschnittlichen Film, denn dafür passt hier zu vieles einfach nicht zusammen. Und wenn dann doch einmal eine konkretere Richtung verfolgt wird, dann wird es gleich wieder so plump, dass man sich fragen muss, ob das hier wirklich ernst gemeint ist. Zumal Lilly selbst die ungelenke Analogie mit dem Vogel als wenig subtil bezeichnet.

Ein Störenfried in mehrfacher Hinsicht

Überhaupt ist der titelgebende Vogel ein Schwachpunkt des Films. Geradezu schockierend ist beispielsweise, wie schrecklich billig der am Computer erstellte Piepmatz aussieht. Die Szenen, wenn dieser die im Garten werkelnde Lilly angreift, sind deshalb eher unfreiwillig komisch als wirklich komisch. Komisch gemeint sind sie aber schon, als eine Art Mischung aus typischer McCarthy Komödie und den Looney Tunes. Daraus hätte man sicherlich etwas machen können. Der Kleinkrieg mit dem Tier bleibt aber ein Nebenschauplatz, der nie wirklich ausgearbeitet wird. Vielmehr ist er Anlass für die Begegnung mit dem Tierarzt und Ex-Therapeuten und damit für die Frage, wie man mit einem derart schweren Verlust umgeht, den das Paar zu erleiden hat.

Das Thema an sich ist dabei durchaus spannend. Im Zentrum von Der Vogel steht nicht nur die Frage, wie man mit dem Tod des eigenen Kindes umgehen kann und soll. Der Film zeigt vielmehr, wie ein Paar sehr unterschiedlich auf einen solchen Verlust reagieren kann. Beiden fehlt in dem Moment das Verständnis für die jeweils andere Person. Es fehlt ihnen auch die Kraft, nach einem gemeinsamen Weg zu suchen, weshalb sie sich immer mehr voneinander entfernen. Das hätte durchaus lohnenswert sein können. Das Werk, welches auf dem Toronto International Film Festival 2021 Premiere feierte, macht aber zu wenig daraus, zeichnet zwar schlüssig das Szenario auf, verpasst es aber, an der Stelle tatsächlich auch in die Tiefe zu gehen und dem Ganzen gerecht zu werden.

Schmerz an der Oberfläche

Stattdessen gibt es hier dann eine oberflächliche Fast-Food-Variante eines Trauerdramas, welches von Schmerzen spricht, selbst aber nicht wirklich weh tun mag und nicht vor billigen Manipulationen zurückschreckt. Das darf man natürlich trotz allem traurig finden. Geschichten um tote Kinder sind immer traurig. Der Vogel ruht sich aber zu sehr darauf aus und versucht sich an einer Mischung aus Humor und Sentimentalität, welche beiden Bestandteilen nicht gerecht wird. So sehr man es sich auch gewünscht hat, hier mal wieder einen der guten McCarthy Filme abzukommen, das Warten auf bessere Tage geht weiter – fürs Publikum wie für die Figuren.

Credits

OT: „The Starling“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Theodore Melfi
Drehbuch: Matt Harris
Musik: Benjamin Wallfisch
Kamera: Lawrence Sher
Besetzung: Melissa McCarthy, Chris O’Dowd, Kevin Kline, Timothy Olyphant, Daveed Diggs, Skyler Gisondo

Bilder

Trailer

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Der Vogel
„Der Vogel“ erzählt von einem Paar, das an dem Tod der Tochter zu zerbrechen droht. Als Thema ist der unterschiedliche Umgang mit Trauer durchaus interessant. Stattdessen gibt es aber eine Mischung aus schlichtem Humor und manipulativer Sentimentalität, die einfach nicht aufgeht. Obendrein gibt es einen erschreckend billig animierten Computervogel, der in die Kategorie unfreiwillig komisch fällt.
4von 10
Leserwertung: (11 Votes)
5.7

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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