Haette ich dich nicht getroffen If I hadnt met you Netflix

„Hätte ich dich nicht getroffen“ // Deutschland-Start: 15. März 2019 (Netflix)

Im Leben von Eduard (Pablo Derqui) steht oft die Arbeit an der ersten Stelle, worunter sein Familienleben zu leiden hat. Vor allem das Verhältnis zu seiner Frau Elisa (Andrea Ros) war schon einmal besser. Da geschieht ein Unglück: Als Eduard dringend sein Auto braucht, um zur Arbeit zu kommen, überredet er Elisa, ihr eigenes zu nehmen, obwohl das nicht in Ordnung zu sein scheint. Am Ende ist Elisa tot, ebenso die beiden Kinder, ein schwerer Autounfall hat ihnen das Leben genommen. Eduard weiß später nicht ein noch aus, spielt immer wieder mit dem Gedanken, seiner Familie zu folgen. Doch dann taucht Dr. Everest (Mercedes Sampietro) auf, eine ältere Dame, die ihm die Möglichkeit gibt, in Paralleluniversen zu reisen und so den Unfall zu verhindern.

Wir alle dürften Entscheidungen mir uns herumtragen, die wir gerne rückgängig machen würden. Worte, die wir zurücknehmen möchten, nicht gesagte Worte, die wir doch noch sagen. Taten, von denen wir vorher nicht ahnten, was die Konsequenzen sein würden. Die fallen in der Regel – glücklicherweise – nicht ganz so verheerend aus wie bei der Netflix-Serie Hätte ich dich nicht getroffen. Dennoch dürften die meisten Zuschauer und Zuschauerinnen das Leid von Eduard nachempfinden können, ebenso dessen Wunsch, alles ungeschehen zu machen oder zumindest diesen einen Moment, als er seiner Frau die Schlüssel verweigerte.

Was mach ich nur?
Allzu lange hält sich Hätte ich dich nicht getroffen dabei nicht mit der eigentlichen Trauerarbeit auf. Wer angesichts des Themas darauf spekuliert, es könne um die Frage gehen, wie ein Mensch mit diesen Schuldgefühlen umzugehen lernt: Das tut er nicht. Dafür ist der Part viel zu schnell vorbei, stattdessen geht es gleich darum, die diversen Parallelwelten kennenzulernen. Denn irgendwo da draußen muss ja eine sein, in der er das perfekte Leben findet, in der am Ende alles gut ausgeht.

Was aber natürlich erst einmal nicht funktioniert. Wie bei den beliebten Zeitschleifen-Filmen stolpert Eduard durch eine Welt nach der anderen, versucht hier etwas, dort etwas, nur um am Ende festzustellen: Er macht das alles nur noch schlimmer. Sonderlich viel Entwicklung gibt es nicht dabei. Mit der Zeit steigt der Frust in unserem Reisenden, große Erkenntnisse springen jedoch nicht heraus. Allenfalls die, dass er sich selten für das interessiert, was andere tun. Hätte ich dich nicht getroffen ist damit eine Art Läuterungsgeschichte, jedoch keine besonders gute: Anstatt Schritt für Schritt vorwärtszugehen, springt die Serie wild umher, bleibt dabei auf der Stelle stehen, nur um dann doch noch ein Fazit zu ziehen.

Es passiert, was passieren soll
Vieles ist so auch ziemlich beliebig, willkürlich, die Parallelwelten unterscheiden sich in Details, ohne dass daraus eine fortlaufende Geschichte würde. Man hätte das beliebig um weitere Folgen aufblasen können oder andere streichen, einen Unterschied hätte das nicht gemacht. Es ist noch nicht einmal so, dass Eduard oder die anderen so wahnsinnig sympathisch wären, dass man ihnen allein deshalb schon über mehrere Welten hinweg folgen müsste. Meistens sind sie einem egal, manchmal nerven sie auch einfach. In Kombination mit dem Hang zum Kitsch, den Hätte ich dich nicht getroffen zeigt, ist das keine besonders einladende Situation.

Nur dann und wann zeigt die von Sergi Belbel entworfene Serie, dass aus dem Thema deutlich mehr hätte werden können. Interessant sind beispielsweise die moralischen Aspekte, die zwischenzeitlich aufgeworfen werden – ein bisschen vergleichbar zu Steins;Gate und Matrjoschka. Und auch die Frage, inwieweit wir unser Leben nach anderen ausrichten bzw. ausrichten sollten, ist wert, darüber nachgedacht zu werden. Doch das ist insgesamt zu wenig für zehn Folgen, auch die späteren Ambitionen bei der Geschichte funktionieren nicht so recht. Der Twist ist viel zu früh als solcher zu erkennen, was hier komplex sein soll, ist oft nur umständlich. Dafür gibt es einen tatsächlich rührenden Schluss, der zumindest ein wenig versöhnlich stimmt.



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Hätte ich dich nicht getroffen ...
Mit einem großen Unglück beginnt „Hätte ich dich nicht getroffen“, wenn ein Mann seine Frau und die beiden Kinder aufgrund einer eigenen Entscheidung verliert. Ein Großteil der Serie besteht aus dem Versuch, dieses Unglück in Parallelwelten wieder rückgängig zu machen. Abwechslungsreich ist das nicht, bleibt aufgrund einer fehlenden Entwicklung auch willkürlich. Nur hin und wieder zeigt die Geschichte, dass das Thema mehr hergegeben hätte.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

4 Responses

  1. LaSa

    Die Serie hat mich an Filme wie „Zurück in die Zukunft“ etc. erinnert. Sie wirkt altbacken. Wenn man mal wieder sehen möchte, wie die 80er und 90er Jahren abliefen und was damals angesagt war, wird man damit nicht glücklich. Die Serie ist kitschig, schwülstig und vorhersehbar und zieht sich endlos. Bei Folge 5 dachte ich schließlich: Geht gar nicht, es ist schlicht lächerlich. Schade.

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  2. Brihi

    Am Anfang war die musikalische Untermalung interessant, aber durch das ständige Wiederholen während der Serie wurde es immer unerträglicher, da sich die Handlung durch die immergleiche Hintergrundmusik gefühlt noch mehr in die Länge zog. Auch waren die Dialoge teilweise sehr pathetisch und schwülstig, was die Liebesgeschichte immer unglaubwürdiger und kitschiger wirken ließ. Die Charaktere waren teilweise stark überzogen und zeigten keine wirkliche Entwicklung. Und das Ende der Serie war schon bald vorhersehbar. Ehrlich gesagt war ich nach zehn Folgen froh, die Serie beendet zu haben und obwohl sie einen guten Ansatz hatte mit der Möglichkeit in einer Paralellwelt die Geschehnisse zu verändern, wurde dieser Plot sehr umständlich und kitschig umgesetzt.

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  3. Hans-Peter Seis

    Wer dieser Serie schlechte Kommentare gibt ist der falsche Adressat für so eine Serie. Man muss ein gewisses Alter haben und eine gewisse Lebenserfahrung um diese unfassbar großartige Serie wertzuschätzen. Wenn man selber einen sehr abwechslungsreichen Lebenslauf hatte und diese Serie schaut dessen Thema das was wäre wenn ist fühlt man sich sehr berührt vor allem wenn man Liebesfilme mag einen gewissen Hang zur Melancholie hat und zur Rückschau auf die Erlebnisse im eigenen Leben. Die Auflösung ist frappierend. Denn sie zeigt das welchen Lebensweg man auswählt es das vollkommene Glück nicht gibt und sich immer fragt was wäre wenn alles anders gelaufen wäre. Ein gewisses Alter Sensibilität ein Spaß an Liebesfilmen und der Spaß an der Rückschau ist Grundvoraussetzung um diesen Serie überhaupt zu verstehen und genießen zu können.

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    • Kunst

      Naja, ich bin 51 Jahre alt und muss leider sagen: Die erie ist einfach schlecht. Der Hauptcharakter ist gleichzeitig kalt und übertrieben emotional, (als würde der Schauspieler denken: „ohnee, jetzt muss ich wieder so ne Szene spielen, wo der weint!“) immer wieder mischt er sich ins Geschehen in den Paralleluniversen ein, ohne sich mit der Zeit endlich mal eine gute Antwort auf die Frage: „Wer sind Sie??“ einfallen zu lassen, sodass große Teile der Folgen mit fassungslosen Fragen der anderen Protagonist*innen nach seiner Identität und völlig unzulänglichem Gestammel seinerseits als Antwort dahingehen, was irgendwann nur nur zum Fremdschämen und total langweilig ist. Mit der Zeit bekommt man den Eindruck, dass der Hauptprotagonist einfach nur unendlich überheblich ist, indem er dauernd das Leben der Menschen im Paralleluniversum verändert, jedes Mal wieder bass erstaunt ist, wenn das in die Hose geht, nichts dazu lernt und fast schon empört ist, wenn die anderen unbequeme Fragen nach seiner Identität stellen. Gleichzeitig wird keine überzeugende Gwschcihte der Familie vor dem Unfall erzählt – die angeblich Liebe des ÖPAares wird nicht mit Inhalt gefüllt: Was teilen sie? Was verbindet sie? Wir erfahren gar nichts, außer dass es ein bisschen Streit und Spielchen zwischen den beiden gibt. Die Mutter fragt ihn in Folge 5: „Warum willst du nicht reden?“ – und das fragt man sich eigentlich die ganze Zeit. Nicht nur, dass er zu seiner Situation und Identität schweigt, – auch davon ab lernt man ihn einfach nicht kennen. Eingeführt als hektischer und cholerischer Vater und Ehemann, der nach dem Nachhausekommen die Familie sehr unangenehm nervt und aufmischt – auf eine ermüdend klischeehafte Art, denn offensichtlich waren alle gerade zufrieden, bis der Vater auftaucht und allen das Leben schwer macht (Der Sohn hört zu laut Musik und der Tochter – Gipfel der paternalistischen Klischeehaftigkeit – unterstellt er eifersüchtig mit einem Jungen zu flirten: GÄÄÄÄHN). Sein achso wichtiger Beruf bleibt im Halbdunkel, – so kann er keine Sympathien auf sich ziehen. Und das bleibt leider so, mindestens bis Folge 5 – dann abgebrochen zu gucken…

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