Awake Netflix
© Peter H. Stranks/Netflix

Inhalt / Kritik

Awake Netflix
„Awake“ // Deutschland-Start: 9. Juni 2021 (Netflix)

Das wäre beinahe schief gegangen: Als die alleinerziehende Mutter Jill Adams (Gina Rodriguez) mit ihren beiden Kindern Noah (Lucius Hoyos) und Mathilda (Ariana Greenblatt) nach Hause fährt, landen sie mit dem Auto in einem See und können sich in letzter Minute retten. Und das ist nur der Anfang. Nicht allein, dass sämtliche elektronischen Geräte ausgefallen sind. Sie stellen zudem fest, dass die Menschen nicht mehr schlafen können. Selbst Leute, die im Koma lagen, sind plötzlich hellwach. Aber es gibt einige wenige Ausnahmen, die noch immer Schlaf finden – darunter auch Mathilda. Als die anderen davon erfahren, ist die Neugierde groß. Warum ist das bei der Teenagerin anders? Und liegt in ihr vielleicht der Schlüssel, ein Heilmittel für die Menschheit? Zumindest die Psychiaterin Dr. Murphy (Jennifer Jason Leigh), eine Schlafexpertin und Jills Chefin, setzt große Hoffnungen auf sie. Gleichzeitig wächst in den zunehmend durch den Schlafmangel aggressiven und verwirrten Menschen die Gewaltbereitschaft …

Eine perfide und doch reizvolle Idee

Eigentlich hatte die Karriere des kanadischen Regisseurs Mark Raso recht vielversprechend begonnen. Nach einigen Kurzfilmen gab er mit Copenhagen sein sehenswertes Langfilmdebüt, in dem er von zwei unterschiedlichen Menschen erzählte, die jeweils auf einer Sinnsuche sind. Das zweite längere Werk Kodachrome war da schon deutlich schwächer, wenn der Vater-Sohn-Roadmovie nur die bekannten Stationen abklapperte. Wenn er nach diesen beiden dramatischen, personenbezogenen Geschichten nun auf einmal mit Awake das Genre wechselt und sich an einer Mixtur aus Science-Fiction, Mystery und Thriller versucht, dann durfte man schon etwas stutzig sein. Und ziemlich enttäuscht, angesichts des Ergebnisses.

Dabei ist das Szenario des Netflix-Films durchaus reizvoll. Wer schon einmal aufgrund von Krankheit, Nervosität oder anderer Faktoren eine Nacht wach bleiben musste und keine Möglichkeit hatte, diesen Schlaf nachzuholen, weiß, wie schnell sich das bemerkbar macht. Die Konzentration lässt nach, man bekommt selbst einfache Dinge nicht mehr so richtig hin. Sogar kleinere Halluzinationen können auftreten. Die Vorstellung, daraus nun eine weltweite Pandemie zu machen, das ist schon eine äußerst perfide Idee. Wo man bei anderen filmischen Apokalypsen zumindest in der Theorie ruhig nach einer Lösung suchen kann, da ist in Awake von Anfang an hohes Tempo gefragt. Denn lange werden die Menschen diesen Zustand nicht durchstehen.

Wo bleibt die Spannung?

Nur gelingt es Raso einfach nicht, aus dieser Dringlichkeit eine wirkliche Spannung zu erzeugen. Dass es hier um richtig was geht, das macht zwar schon deutlich. Es wird nur sehr schnell sehr absurd. Die Art und Weise, wie sich die Menschen verhalten, ergibt kaum Sinn. Zu einem gewissen Grad ließe sich das natürlich durch den Schlafentzug noch rechtfertigen. Ist der erst einmal groß genug, lässt die Rationalität schon nach. Bei Awake hat man jedoch den Eindruck, dass der Film unbedingt im Stil der vielen Endzeitkatastrophen erzählt werden sollte, ohne dass man sich sonderlich darum kümmerte, wie die Geschichte denn dorthin geht. Anstatt beispielsweise die Intensität langsam zu steigern und so die Spannungskurve zu erhöhen, legte man einfach einen Schalter um.

Ohnehin wird aus den psychologischen und sensorischen Beeinträchtigungen der Schlaflosigkeit kaum etwas gemacht. Die so naheliegende Möglichkeit, die Wahrnehmung zu verzerren und für surreale Momente zu sorgen, wird erst zum Schluss etwas genutzt. Da bleibt bei der Inszenierung schon jede Menge Potenzial liegen. Wenn der Film dann wenigstens auf der inhaltlichen Seite überzeugen würde. Aber ausgerechnet der Mysteryfaktor, was denn nun genau vorgefallen ist, interessierte bei Awake niemanden. Die Auflösung ist lieblos vor die Füße geworfen, gibt noch nicht einmal eine wirkliche Antwort. Und auch die Frage, warum Mathilda denn trotz allem schlafen kann, wird nur unbefriedigend zu einem Abschluss geführt.

Sinnlos und unbefriedigend

Am schlimmsten aber ist, dass Awake ein schrecklich langweiliger Film ist. Dabei mangelt es nicht an Ereignissen, eigentlich geschieht hier dauernd irgendetwas. Wenn das aber nur wahllos zusammengeschnittene Szenen sind, die in keinem Zusammenhang mit der Geschichte stehen, dann bringt das relativ wenig. Anderthalb Stunden lang wird gerannt und geschrien und geschossen, ohne dass sich offenbar jemals jemand darüber Gedanken gemacht hat, was das Ganze nun eigentlich soll. Darüber kann man sich dann ärgern, über die vielen Punkte, sie so gar keinen Sinn ergeben. Oder man nutzt den Thriller, der nur dem Namen nach einer ist, als eine eigene Einschlafhilfe. Denn mehr als das ist er trotz kompetenter Besetzung nicht geworden.

Credits

OT: „Awake“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Mark Raso
Drehbuch: Mark Raso, Joseph Raso
Musik: Antonio Pinto
Kamera: Alan Poon
Besetzung: Gina Rodriguez, Jennifer Jason Leigh, Barry Pepper, Finn Jones, Lucius Hoyos, Ariana Greenblatt

Bilder

Trailer

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„Awake“ beginnt mit einem an und für sich interessanten Szenario, wenn die Menschen nicht mehr schlafen können und unter Hochdruck nach einer Lösung suchen. Der Film macht nur so gar nichts daraus. Es mangelt an Spannung, nichts ergibt wirklich Sinn, selbst die Antworten am Ende lassen viel zu wünschen übrig.
3
von 10