
Corvette (Keke Palmer), Sade (Naomi Ackie) und Mariah (Taylour Paige) sind nicht nur enge Freundinnen. Sie teilen auch ihre Vorliebe für Mode. Vor allem die Designerstücke von Christie (Demi Moore) haben es ihnen angetan, zumal sie mit diesen ihren Lebensunterhalt bestreiten: Regelmäßig stehlen sie die Kleidung, um sie dann billiger zu verkaufen. Christie ist ihrerseits wenig angetan von der Bande, die als Velvet Gang bekannt ist und die sie öffentlich beleidigt. Dabei würde Corvette eigentlich gern selbst Modedesignerin werden, bewundert die Unternehmerin deshalb sogar. Das hindert sie aber nicht daran, mit den anderen einen nächsten Coup vorzubereiten. Auf diese Weise lernen sie auch Jianhu (Poppy Liu) kennen, die ihre eigenen Motive hat, gegen Christie vorzugehen, und zu einer wertvollen Verbündeten wird …
Gelungenes Comeback
Bekannt wurde Boots Riley ja eigentlich durch Musik, etwa als Frontman der Hip-Hop-Gruppe The Coup, die er 1991 gründete. Aber wie das so ist mit künstlerisch tätigen Menschen: Sie probieren gern einmal etwas Neues aus. Sein Debüt als Regisseur wurde 2018 gleich zum Volltreffer: die absurde Callcenter-Satire Sorry to Bother You spielte ein Vielfaches des Budgets ein und erhielt euphorische Kritiken. Dennoch dauerte es anschließend ziemlich lange, bis sich der US-Amerikaner mit einem weiteren Werk zurückmeldete. 2023 war da die Serie I’m a Virgo. Aber es dauerte bis 2026, bis er einen zweiten Film fertiggestellt hatte. Zwar ist I Love Boosters ziemlich untergegangen, der hiesige Verleih tut auch so, als gäbe es den Film gar nicht. Aber die Wartezeit hat sich dennoch gelohnt, denn Riley wird seinem Ruf gerecht.
Dabei ist das Szenario diesmal komplett anders. Statt eines Callcenters bewegen wir uns im Kreis der Luxusmode. Statt eines hart arbeitenden Angestellten stehen drei Diebinnen im Mittelpunkt. Viele Anknüpfungspunkte gibt es da erst einmal nicht. Man merkt aber doch schnell, dass es sich um ein Werk von Riley handelt. So steht I Love Boosters seinem Debütfilm und der Serie im Hinblick auf verrückte Einfälle in nichts nach. Es dauert zwar eine Weile, bis es wirklich losgeht, da erst einmal die Figuren und die Situation etabliert werden müssen. Danach wird es aber immer verrückter, der Film nimmt auch Elemente des Fantasy- und Science-Fiction-Genres auf, während die Geschichte immer weiter abdreht und die Situation völlig eskaliert.
Knallbunt und durchgeknallt
Das heißt aber nicht, dass Riley nicht auch etwas über die reale Welt zu sagen hat. Schon bei Sorry to Bother You gab es gesellschaftliche Aspekte, die der auch für seinen politischen Aktivismus bekannte US-Amerikaner eingebaut hat. Bei I Love Boosters ist das nicht anders. So verwundert es nicht wirklich, dass der bekennende Kommunist den Kapitalismus anprangert. Vor allem einen solchen, der skrupellos andere Menschen ausbeutet. In seiner neuen Komödie werden Leute in mehr als einer Hinsicht ausgesaugt. Ähnlich zu einem Heist Movie wird dadurch auch hier gerechtfertigt, dass die Hauptfiguren jemanden ausrauben. Hier hat man das Gefühl, dass es die richtige Person trifft. Moral und Gerechtigkeit sind dann doch immer ein subjektives Empfinden.
Die Mischung aus kreativer Absurdität und bissiger Gesellschaftskritik gefällt. Und dann ist da noch die Optik. Riley kennt auch in der Hinsicht keine Zurückhaltung. Auffällig ist vor allem der extreme Einsatz von Farben: Die Komödie, die beim South by Southwest Festival 2026 Weltpremiere hatte, arbeitet mit knalligen Farben, ob es nun monochrom wird oder wild zusammengewürfelt. Hinzu kommen ein paar einfache Kniffe, mit denen er in I Love Boosters die beabsichtige surreale Atmosphäre erzeugt. Wer für eine solche zu haben ist, für den ist die Komödie eine Musserfahrung. Zwar nimmt das gegen Ende hin überhand und das Narrative kann nicht mehr Schritt schalten, da verkommt die Verrücktheit zum Selbstzweck. Aber es ist doch eine Wohltat, in einem oft dermaßen generischen filmischen Umfeld wieder eine eigene Handschrift zu erkennen.
OT: „I Love Boosters“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Boots Riley
Drehbuch: Boots Riley
Musik: Tune-Yards
Kamera: Natasha Braier
Besetzung: Keke Palmer, Naomi Ackie, Taylour Paige, Poppy Liu, Eiza González, LaKeith Stanfield, Will Poulter, Don Cheadle, Demi Moore
SXSW 2026
BFI London Film Festival 2026
Sitges 2026
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