Outlaw King Netflix

„Outlaw King“ // Deutschland-Start: 9. November 2018 (Netflix)

Im 14. Jahrhundert herrscht ein erbitterter Kampf um die Vorherrschaft in Schottland. Während der englische König Edward I. (Stephen Dillane) das Land für sich beansprucht, lässt sich der Adlige Robert the Bruce (Chris Pine) selbst zum König Schottlands ernennen. Das will Edward nicht auf sich sitzen lassen und schickt seine besten Männer hinterher – darunter seinen Sohn Edward (Billy Howle). Doch immer wieder schafft es Bruce, mit seiner jungen Frau Elizabeth (Florence Pugh) und seinen Männern zu entkommen, zumal er viel Rückhalt im Volk genießt. Und je brutaler das englische Großreich vorgeht, umso mehr schließen sich dem Aufstand an.

Der nächste Versuch: Während Netflix bei den Filmfestspielen von Venedig mit Titeln an den Start ging, die endlich ein paar Awards bringen sollen (Roma, The Other Side of the Wind), war der Auftritt beim Toronto International Film Festival etwas deftiger. Und umstrittener. Der Mystery-Thriller Wolfsnächte missfiel vielen, da er seinen Inhalt hinter kontinuierlich nebulösen Andeutungen versteckte. Outlaw King, der das Festival eröffnete, war umso direkter, musste sich aber anhören lassen, viel zu lang zu sein. Und zu langweilig.

Die Suche nach dem richtigen Maß
Zumindest den ersten Punkt nahm David Mackenzie in Angriff: Der Regisseur und Co-Autor, dessen Hell or High Water zwei Jahre zuvor für immerhin vier Oscars im Rennen war, darunter einen für den besten Film, setzte noch einmal kräftig die Schere an. Rund zwanzig Minuten wurden aus seinem Epos herausgekürzt, um so bei einer doch bekömmlicheren Länge von rund zwei Stunden zu landen. Wobei sich aber auch diese nicht so richtig anfühlt, sie gleichzeitig immer noch zu lang ist für das bisschen Geschichte darin, und doch so viel mehr hätte gebrauchen können.

Dass die Situation zu anfangs und die Folgen der hier beschriebenen Kämpfe mittels Texttafeln zusammengefasst werden, lässt sich noch verschmerzen. Das ist bei dieser Art Film schließlich Standard. Vor allem aber die Figuren hätten doch deutlich mehr Raum zur Entfaltung gebraucht. Wer dieser Robert nun genau ist als Mensch, das bleibt auch nach zwei Stunden recht schwammig, ebenso weshalb ihm so viele folgen. Er ist einfach irgendwie da, zur rechten Zeit. Oder zur falschen Zeit, je nach Sichtweise. Nun muss nicht jeder Historienfilm in Pathos ersaufen, so wie es der unvermeidlich zu Vergleichen herangezogene Braveheart damals tat. Aber ein bisschen mehr Persönlichkeit wäre nicht verkehrt gewesen, trotz seiner strahlend blauen Augen bleibt Chris Pine hier ausgesprochen blass.

Die sind doch alle verrückt
Wohl als Kontrastprogramm dürfen andere Figuren dafür umso auffälliger sein. Ob nun Billy Howle (Am Strand) als ungewohnt unbeherrschter Wüterich mit Vaterkomplex oder Aaron Taylor-Johnson (Nocturnal Animals) als mental fragiler Sidekick – da wird gern mal etwas dicker aufgetragen. Aber auch beim Blut wurde nicht gespart. Mal werden Leute ausgeweidet, an anderen kurz und schmerzhaft ermordet: Der Brutalitätsfaktor ist für eine solche Produktion recht hoch, so als wollte Mackenzie schon einmal für einen späteren Horrorfilm üben. Und gekämpft wird ja ohnehin ganz gerne im alten Schottland, gerade zum Ende hin.

Die Actionszenen können sich dann auch sehen lassen, stehen in der neuen Tradition erdig-dreckiger Mittelalterschlachten, wie sie seit Game of Thrones in Mode sind. Das ist als Ausgleich zu den blinkenden Effektgewittern neuerlicher Hollywoodaction irgendwie wohltuend. Wenn hier Schwert auf Schwert treffen, hat man tatsächlich noch das Gefühl, es mit realen Objekten zu tun zu haben und nicht reinmontierten Nullen und Einsern. Und auch die Landschaften sind sehr schick geworden, auf eine düster-farbentleerte Art. Man kann bei Outlaw King also durchaus seinen Spaß haben, während man durch Jahrhunderte alten Schlamm stapft. Einen wirklichen Grund zum Mitfiebern wird man darin, trotz der eigentlich bewährten David-gegen-Goliath-Konstellation, hingegen kaum finden.

Outlaw King
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Outlaw King
„Outlaw King“ nimmt uns mit in das Schottland des frühen 14. Jahrhunderts, wo ein selbsternannter König gegen die Unterdrückung durch die Engländer rebelliert. Das ist düster in Szene gesetzt, sowohl in Hinblick auf die schicken Landschaftsaufnahmen wie auch die brutalen Momente. Wirklich mitreißend ist das Epos aber nicht, dafür sind die Figuren zu blass, geben einem zu wenig Grund, mit ihnen mitzufiebern.
6von 10

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