Big Mäck: Gangster und Gold Netflix
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Big Mäck: Gangster und Gold

Big Mäck: Gangster und Gold Netflix
„Big Mäck: Gangster und Gold“ // Deutschland-Start: 20. Januar 2023 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Im Januar war Netflix mal wieder besonders eifrig, wenn es darum ging, Verbrechen aus aller Welt mit dem Publikum zu teilen. Nachdem der Streamingdienst mit Bernie Madoff: Das Monster der Wall Street und Der axtschwingende Anhalter einige bekannte Geschichten aus den USA importierte, quasi das Mekka der True-Crime-Dokus, bleiben wir in Big Mäck: Gangster und Gold in der Nachbarschaft. Genauer wird hier die Geschichte von Donald Stellwag erzählt, einem Deutschen, dessen ganzes Leben von Verbrechen geprägt war. Dabei ist sein Fall etwas komplizierter als die der obigen Fälle. Denn während dort die Sache mit der Schuld recht eindeutig ist, bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger, da ist Stellwag jemand, den man nicht so leicht in eine Schublade stecken kann.

Ein großer Justizskandal

Das fängt schon damit an, dass Stellwag nicht durch das berühmt wurde, was ihn ins Gefängnis gebracht hat. Konnte er auch gar nicht, da er überhaupt nicht schuldig war. Der Bankraub, den er begangen haben soll, war in Wahrheit das Werk eines anderen. Nur dauerte es viele Jahre, bis der wahre Verbrecher geschnappt wurde. Dabei hätte man Big Mäck: Gangster und Gold zufolge den Irrtum seinerzeit schon hätten merken können. Die Beweislage war dürftig und stützte sich auf ein Gutachten, das mindestens fragwürdig war. Das Regieduo Fabienne Hurst und Andreas Spinrath erzählt ausführlich von dem Vorfall, lässt viele Leute zu Wort kommen, die das Ausmaß dieses Justizskandals betonen. Dabei ist die falsche Verurteilung das eine. Mindestens ebenso schockierend ist, wie er im Anschluss mit all dem alleingelassen wurde. Gerade einmal 24.000 Euro Schadensersatz erhielt er dafür, jahrelang unschuldig hinter Gittern gesessen zu haben.

Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Was anfangs nach einer Doku aussieht, welche die Verfehlungen des deutschen Justizsystems anklagen möchte, bewegt sich mit der Zeit in eine andere Richtung. Genauer schlägt der Film innerhalb von anderthalb Stunden so viele Haken, dass einem dabei schwindlig werden kann. So kündigt der Titel Big Mäck: Gangster und Gold bereits an, dass er nicht nur unschuldig eines Verbrechens angeklagt wurde, sondern auch anderweitig damit zu tun gehabt haben muss. Tatsächlich fällt sein Name im Zusammenhang mit dem spektakulären Goldraub, der vor einigen Jahren in den Medien war und kürzlich in dem Kinofilm Rheingold verewigt wurde. Dabei wurde auf eine unvorstellbar dreiste Weise ein Transporter ausgeraubt. Aber was hat Stellwag damit zu tun?

Porträt voller Wendungen

Eine ganz eindeutige Antwort auf die Frage gibt der Film nicht. Kein Wunder, ist der besagte Überfall bis heute nie ganz aufgeklärt und Inhalt zahlreicher Spekulationen. Vor allem der Aufenthaltsort des Goldes ist nach wie vor ein großes Geheimnis. Wer sich in der Hinsicht neue Erkenntnisse von Big Mäck: Gangster und Gold erhofft, der geht leer aus. Der Abschnitt über das spektakuläre Verbrechen ist zudem ziemlich kurz. Die Doku nutzt diesen in erster Linie auch, um mehr über den Protagonisten zu verraten. Anfangs wirkt die zweite Geschichte eigenartig losgelöst von dem ersten Teil. Man erfährt zunächst nicht, welche Verbindung es zwischen beidem gibt, der Übergang ist ziemlich abrupt.

Das ist aber kein Manko. Vielmehr wollen Hurst und Spinrath dieses Überraschungsmoment nutzen, um dann vor allem im letzten Drittel Stellwag als Menschen vorzustellen. Zu viel sollte man davon nicht vorab verraten. Aber selbst wenn man bereits mehr über den Mann weiß, ist Big Mäck: Gangster und Gold ein spannender Film. Der anfangs eher nichtssagend wirkende Außenseiter gewinnt mehr Profil und stellt sich als absolut faszinierende Persönlichkeit heraus. Als eine, die auch verschiedene Facetten hat und eine Einteilung unmöglich macht. Der Film mag Fans unglaublicher Verbrechen eher nicht zufriedenstellen, da das hier recht kurz kommt. Als Porträt eines in mehr als einer Hinsicht auffälligen Menschen ist das aber sehenswert und kurzweilig.

Credits

OT: „Big Mäck: Gangster und Gold“
Land: Deutschland
Jahr: 2023
Regie: Fabienne Hurst, Andreas Spinrath
Drehbuch: Fabienne Hurst, Andreas Spinrath
Musik: Jakob Klotz
Kamera: Borris Kehl, Paul Faltz

Trailer

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fazit
„Big Mäck: Gangster und Gold“ wirkt anfangs wie eine Anklage gegenüber dem deutschen Justizsystem, wenn ein skandalöses Fehlurteil angesprochen wird. Doch das ist nur der Auftakt für eine etwas andere True Crime Doku, in deren Mittelpunkt ein faszinierender und facettenreicher Mensch steht.
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