Rein privat Intimidad Netflix
© Netflix/David Herranz

Rein privat – Staffel 1

Rein privat Intimidad Netflix
„Rein privat“ // Deutschland-Start: 10. Juni 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Für Malen (Itziar Ituño) läuft es gut: Sie ist auf dem besten Weg, Bürgermeisterin von Bilbao zu werden. Doch genau das scheint jemand verhindern zu wollen, als eines Tages plötzlich ein Video auftaucht, das die verheiratete Frau beim Sex mit einem Unbekannten zeigt. Für sie selbst ist das keine große Sache, die Öffentlichkeit sieht das aber anders. Und auch die Polizistin Alicia (Ana Wagener) drängt darauf, die Geschichte zu verfolgen. Dass mit solchen Veröffentlichungen nicht zu spaßen ist, zeigt schließlich der Fall Ane (Verónica Echegui). Denn die nahm sich nach dem Publikmachen kompromittierender Aufnahmen das Leben, ihre Schwester Bego (Patricia López Arnaiz) will, dass die Verantwortlichen bestraft werden. Doch das ist alles andere als einfach …

Privat ist nicht privat

Spielt es eine Rolle, was Politiker und Politikerinnen außerhalb ihrer Arbeit so tun? Diese Frage wird immer mal wieder gestellt, wenn wieder jemand mit pikanten Details aus dem Privatleben konfrontiert wird. Meistens haben die keinen Bezug zu den beruflichen Tätigkeiten, weshalb das eigentlich nicht der Rede wert sein sollte. Oft ist es das dann aber doch, unter dem Verweis darauf, dass dies etwas über den Charakter eines Menschen aussagt. Und die Ansprüche an den Charakter sind bei dem Beruf höher als bei anderen. Bei der spanischen Netflix-Serie Rein privat kommt dabei aber noch hinzu: Dieser Mensch ist eine Frau. Wenn diese beim außerehelichen Sex erwischt wird, dann scheint der gravierendere Faktor der zu sein, dass sie beim Sex Spaß hat. Das ist aber nicht erlaubt, zumindest aus Sicht der vielen älteren Männer, die über ihr Schicksal entscheiden.

Richtig subtil ist Rein privat nicht bei der Kritik an einem patriarchischen System, in dem von Frauen immer erwartet wird, dass sie sich unterordnen. Schon die Dopplung, dass hier gleich zwei Frauen unter der Veröffentlichung von Videos mit intimem Inhalt zu leiden haben, lässt jeden Zweifel vorzeitig ersticken. Wobei die Motivationen in den beiden Fällen zumindest anfangs unterschiedlich erscheinen. Denn während der angehenden Politikerin offensichtlich beruflich geschadet werden sollte, damit diese auf ihren Posten verzichtet, da ist die Geschichte um Ane tatsächlich reine Privatsache. Das macht die Sache aber nicht unbedingt besser. Es darf vielmehr darüber diskutiert werden, was schlimmer ist: aufrichtige Frauenfeinde oder Opportunisten, die sich Frauenfeindlichkeit zunutze machen.

Zwischen Charakterbeschreibung, Gesellschaftskritik und Politikdrama

Wobei die Serie darauf verzichtet, die Frauen zu einseitig als Opfer porträtieren zu wollen. Tatsächlich sticht Malen sogar dadurch hervor, dass sie eben keines sein will und dem Video jede Relevanz abstreitet. Das führt nicht nur zu den besagten Diskussionen, inwiefern die Öffentlichkeit an Anrecht an dem Privatleben hat. Vielmehr kämpft die Protagonistin dafür, den Weg weiterführen zu können, als wäre da gar nichts. Dafür braucht es Selbstbewusstsein, aber auch eine gewisse Skrupellosigkeit – eine Eigenschaft, die auch im familiären Umfeld durchschimmert. Rein privat verurteilt sie dafür aber nicht, sondern beschreibt ihr Verhalten als eine Reaktion auf die Bedingungen. Wer sich durchboxen will, der muss sich manchmal über andere hinwegsetzen.

Auf diese Weise wird Rein privat zu einer Mischung aus Charakterbeschreibung, Gesellschaftskritik und Politikdrama, die durchaus interessant ist und zudem gut gespielt. Die Serie ist allerdings wie viele Netflix-Produktionen zu lang und verpasst es, auf den Punkt zu kommen. Das liegt auch daran, dass Malen zwar die Hauptfigur ist, drumherum aber noch diverse andere Geschichten erzählt werden. Darunter fällt beispielsweise Leire (Yune Nogueiras), die Tochter der Protagonistin, die ganz eigene Kämpfe auszutragen hat. Grundsätzlich ist es zwar nicht verkehrt, wenn auch das Umfeld einer Hauptperson näher beleuchtet ist. Es ist in dem Fall sogar naheliegend, weil die Auswirkungen dieses Skandals auf die Familie thematisiert werden.

Sehenswert trotz Schwächen

Es führt aber auch dazu, dass man bei Rein privat zuweilen nicht mehr weiß, wovon genau die Serie denn eigentlich handeln will. Die Geschichten zerfransen mit der Zeit immer mehr, ohne dass auf diese Weise nennenswert an Komplexität gewonnen würde. Was anfangs noch spannend war, wenn es um die Frage nach den Tätern wie auch den Folgen ging, zieht sich später ein wenig. Dennoch ist die Serie sehenswert, konfrontiert das Publikum mit ernüchternden Bestandsaufnahmen und gibt darüber hinaus noch Stoff zum Nachdenken. Fragen darüber, welche Bedeutung in einer heutigen Welt das Wort „privat“ noch hat und wie Frauen aus dieser Doppelmoral entkommen können, schwingen hier automatisch mit und begleiten die Zuschauer und Zuschauerinnen auch über die acht Folgen hinaus.

Credits

OT: „Intimidad“
Land: Spanien
Jahr: 2022
Regie: Jorge Torregrossa, Ben Gutteridge, Koldo Almandoz, Marta Font Pascual
Drehbuch: Verónica Fernández, Laura Sarmiento
Musik: Aitor Etxebarria
Besetzung: Itziar Ituño, Patricia López Arnaiz, Verónica Echegui, Ana Wagener, Emma Suárez, Yune Nogueiras

Bilder

Trailer

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Rein privat – Staffel 1
Fazit
„Rein privat“ erzählt von zwei Frauen, denen mit öffentlich gemachten Sextapes das Leben zur Hölle gemacht wird. Die Serie behandelt dabei einerseits die Frage, was heute noch privat ist, aber auch wie sehr Frauen die Zielscheibe von Doppelmoral werden. Das ist gerade anfangs sehr spannend, später zerfranst die Geschichte zunehmend.
Leserwertung141 Bewertungen
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von 10