Kritik

Vampires Netflix

„Vampires – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 20. März 2020 (Netflix)

Nichts wünscht sich die 16-jährige Doïna (Oulaya Amamra) mehr, als ein ganz normales Leben zu führen. Doch in ihrer Familie ist das leider keine Option, schließlich stammt sie von Vampiren ab. So ist ihre Mutter Martha Radescu (Suzanne Clément) schon einige Jahrhunderte alt, trinkt Blut und meidet das Sonnenlicht. Sie ist es auch, die ihre Tochter dazu zwingt, Medikamente zu nehmen, welche ihr Vampir-Gen unterdrücken sollen. Allgemein ist ihre Devise möglichst wenig aufzufallen, was auch bedeutet, sich von dem von Csilla (Kate Moran) angeführten Vampirclan fernzuhalten. Eines Tages ist es mit der Ruhe jedoch vorbei, als ihre Widersacherin die gesamte Familie zu sich bestellt …

Die Pubertät kann ein furchtbar verwirrender, manchmal sogar erschreckender Abschnitt im Leben eines Menschen sein. Ständig hat man Gefühle, die man nicht versteht, der eigene Körper verändert sich und kann sich dabei fremd anfühlen. Damit einher geht die Suche nach einer eigenen Identität. In Filmen und Serien wird diese Verwandlung hin und wieder gerne mal mit fantastischen Elementen verbunden, ein Mix aus Drama und Horror draus gemacht. In When Animals Dream wurde eine Jugendliche zu einem Werwolf, als Symbol dieser Transformation, in Blue My Mind fand das Motiv der Meerjungfrau seine Verwendung, fernab der trällernden Disney-Variante.

Ohne Blut, aber mit viel Gefühl
Das mit Abstand beliebteste Fantasy-Wesen ist in dieser Hinsicht aber sicherlich der Vampir. Tatsächlich war es einige Jahre, nicht zuletzt aufgrund der Twilight-Saga, fast unmöglich, die unverwüstlichen Blutsauger in einem reinen Horrorumfeld zu sehen. Praktisch immer diente die Figur lediglich als Vorwand, um möglichst viel Tragik und Selbstzweifel in die Geschichte zu packen. Inzwischen ist diese Welle abgeebbt, weshalb die Überraschung über die neue Netflix-Serie Vampires umso größer ist. Denn die wirkt so, als entstamme sie aus einer anderen Zeit, was vermutlich auch mit der Vorlage zusammenhängt: Die Geschichte entstammt dem posthum veröffentlichten, unvollendeten gleichnamigen Roman des 2009 verstorbenen Autors Thierry Jonquet.

Eine wirklich erfreuliche Überraschung ist die französische Produktion dabei nicht. Nicht dass grundsätzlich etwas dagegen einzuwenden ist, im Jahr 2020 solche Geschichten noch zu erzählen. Sie sollten in dem Fall aber wenigstens interessant sein. Vampires ist das nicht. Die Idee von mehreren konkurrierenden Vampirgruppierungen reicht als Spannungsfaktor nicht mehr aus, auch der Aufstand gegen eine dominierende Mutter ist nicht automatisch ein Grund, einschalten zu wollen. Die wird zwar kompetent von Suzanne Clément verkörpert, in ihrem Gesicht spielt sich die Sorge um die Kinder wieder, die sie gegen eine feindliche Welt beschützen will. Und auch Nachwuchsdarstellerin Oulaya Amamra zeigt eine solide Leistung. Tatsächlich mitreißend oder emotional wird es hingegen nicht.

Ein paar Farbtupfer in der grauen Masse
Ein paar kleinere Punkte gibt es, die Vampires dabei helfen, nicht komplett in der Masse an Vampir-Produktionen unterzugehen. Zum einen versucht sich das Skript daran, das Phänomen der unsterblichen Blutsauger mit der Genetik zu verbinden. Das führt dann zu keinem nennenswerten Ergebnis, aber man ist ja schon für den Versuch als solchen dankbar. Das andere ist die ungewöhnliche Farbgebung. Kameramann Benoît Soler hat eine offensichtliche Vorliebe für Neontöne, welche man im Zusammenhang mit Vampiren dann doch eher selten sieht. Das Ergebnis ist eine eigenartige Mischung aus alt und modern, die Serie zeigt eine zuweilen stylische Parallelwelt.

Doch das reicht gerade mal, um sich noch irgendwie ins Mittelfeld zu retten. Die geheime Vampir-Vereinigung ist weder bedrohlich, noch geheimnisvoll, die Geschichte folgt ausgetretenen Bahnen, manchmal sieht Vampires auch ein bisschen billig aus. Da zudem die Figuren nicht so viel hergeben, dass man ihnen unbedingt Gesellschaft leisten müsste, bleibt kein überzeugender Grund übrig, sich das anzuschauen. Da ist der kurze Zeit vorher veröffentlichte Netflix-Kollege I Am Not Okay with This doch deutlich charmanter und persönlicher. Blutsauger gibt es dort zwar keine, dafür aber das nötige Herzblut, um aus einem Szenario ein Leben zu machen.

Credits

OT: „Vampires“
Land: Frankreich
Jahr: 2020
Regie: Vladimir de Fontenay, Marie Monge
Drehbuch: Benjamin Dupas, Isaure Pisani-Ferry, Charlotte Sanson, Sylvie Chanteux
Idee: Benjamin Dupas, Isaure Pisani-Ferry, Anne Cissé
Vorlage: Thierry Jonquet
Musik: Jerôme Echenoz, Arthur Simonini
Kamera: Benoît Soler
Besetzung: Oulaya Amamra, Suzanne Clément, Kate Moran, Mounir Amamra, Aliocha Schneider, Juliette Cardinski

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Vampires – Staffel 1
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Vampires – Staffel 1
Eine 16-jährige Halbvampirin hat mit ihrer dominanten Mutter und mit einer geheimen Vampir-Vereinigung zu kämpfen. „Vampires“ vertraut hier auf die beliebte Mischung aus Coming-of-Age-Drama und Horror, schafft es aber nicht, hieraus etwas Eigenes zu machen. Einer irgendwie reizvollen Neon-Farbgebung stehen uninteressante Figuren und eine wenig spannende Handlung gegenüber.
5von 10

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