Inhalt / Kritik

Thunder Force Netflix

„Thunder Force“ // Deutschland-Start: 9. April 2021 (Netflix)

Zu Schulzeiten waren Emily Stanton (Octavia Spencer) und Lydia Berman (Melissa McCarthy) noch beste Freundinnen. Doch davon ist Jahre später nach einem heftigen Streit nicht mehr viel übrig, die beiden haben sich längst entfremdet. Als Lydia anlässlich eines Klassentreffens doch wieder den Kontakt zu Emily aufnimmt, wird sie ungewollt Teil eines wissenschaftlichen Experiments. Schließlich arbeitet Emily schon seit Längerem an der Möglichkeit, ganz normale Menschen mit Superkräften auszustatten. Das Ziel: bösartigen Mutanten, die damals auch ihre Eltern getötet haben, den Kampf ansagen. Anlässe dafür gibt es mehr als genug, schließlich terrorisiert The King (Bobby Cannavale) gemeinsam mit der Krabbe (Jason Bateman) und Laser (Pom Klementieff) die Stadt …

Üble Vorahnung

Es gibt Filmkonstellationen, die so gut passen, dass man sich ihretwegen fast alles zumindest anschauen kann. Stan Laurel und Oliver Hardy zum Beispiel. Bud Spencer und Terrence Hill. Oder auch Martin Scorsese und Robert De Niro. Und dann gibt es noch Kombinationen, bei denen man schon im Vorfeld weiß, dass das nichts wird. Eine solche ist die aus Ben Falcone und Melissa McCarthy. Immer wieder versuchen der Regisseur und die mit ihm verheiratete Komödiantin zusammen etwas Lustiges auf die Beine zu stellen. Doch ob nun Tammy – Voll abgefahren, The Boss oder How to Party with Mom – am Ende kommen immer schrecklich einfallslose Filme raus, deren größte Leistung noch darin besteht, beachtliches schauspielerisches Talent zu vergeuden.

So auch in Thunder Force, einer exklusiven Netflix-Produktion. Dieses Mal nehmen sich die beiden Spaßverderber des Superheldengenres an, wenn sie zwei Frauen mittleren Alters in den Kampf gegen Superschurken schicken. Dass die Figuren hier weiblich sind und nicht dem gängigen Comic-Schönheitsideal entsprechen, ist dabei noch am ehesten dazu geeignet, ein Kompliment auszusprechen. Es darf ja auch mal anders zugehen. Ansonsten aber ist der Film ein kompletter Reinfall. Wer sich von der Komödie versprochen hat, vielleicht tatsächlich mal mit Genreklischees aufzuräumen, der wird bitter enttäuscht. Wer sich nennenswerte Lacher erhofft hat ebenfalls. Dafür ist Falcone, der erneut das Drehbuch verbrochen hat, einfach nicht genug eingefallen.

Schlechte und zu lange Witze

Dann und wann ist zwar mal etwas dabei, das man wohlwollend als Humor bezeichnen wollte. Wenn beispielsweise Jason Bateman mit grotesken Pappmaché-Krabbenzangen herumläuft, dann ist das wenigstens so absurd, dass man sich das merken wird. An anderen Stellen tun sich die beiden Protagonistinnen schwer damit, aus ihrem schicken Teamwagen zu kommen – ein Seitenhieb auf Comic- und Agenten-Accessoires, die möglichst schick und cool wirken sollen, dabei jedoch völlig untauglich für einen praktischen Einsatz sind. In solchen Momenten zeigt sich, dass Thunder Force durchaus als Parodie auf den inflationär bedienten Markt rund um Superheld*innen hätte sein können. Ganz so weit wollte oder konnte man hier dann aber doch nicht gehen.

Stattdessen macht sich Thunder Force daran schuldig, selbst viel zu viele Klischees zu verwenden. Gerade beim zwischenmenschlichen Faktor um die beiden Ex-Freundinnen geschieht praktisch nichts, was man nicht schon frühzeitig kommen sieht. Verschlimmert wird dieser kreative Bankrott noch dadurch, dass ohnehin schlechte Witze über Gebühr in die Länge gezogen werden. Wenn solche Gags schon ohne nennenswerte Pointe auskommen müssen, wäre es doch nett gewesen, diese dann wenigstens kurz zu fassen, anstatt ewig herumzuschlingern. Und selbst endlich am Ende angekommen gibt es noch keine wirkliche Entwarnung. Manchmal baut Falcone diese Witze einfach ein zweites oder drittes Mal ein, in der Hoffnung, dass es niemandem auffällt.

Verloren in der filmischen Misere

Dass McCarthy dabei mal wieder nur eine Variation ihrer Standardrolle spielt – tollpatschig, vorlaut, etwas ordinär – dürfte dann auch niemanden mehr verwundern. Schlimmer ist, dass hierfür auch noch Octavia Spencer (Ma – Sie sieht alles, Self Made: Das Leben von Madam C.J. Walker) verschwendet wird. Die darf zwar eine Art Gegenpol bilden und den cleveren Part des Haudraufduos übernehmen. Das bedeutet aber nicht, dass damit der dümmliche Film auf nennenswerte Weise aufgewertet würde. Vielmehr steht die Charakterdarstellerin etwas verloren in der Gegend rum, wie einige andere im Ensemble auch. Immerhin: Mit 107 Minuten ist das hier deutlich kürzer als die meisten „echten“ Filme über Superheld*innen. Außerdem kann man dank Netflix wenigstens noch etwas nebenher machen, anstatt wie im Kino dazu gezwungen zu sein, sich völlig auf die Misere zu konzentrieren.

Credits

OT: „Thunder Force“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Ben Falcone
Drehbuch: Ben Falcone
Musik: Fil Eisler
Kamera: Barry Peterson
Besetzung: Melissa McCarthy, Octavia Spencer, Jason Bateman, Bobby Cannavale, Pom Klementieff, Kevin Dunn, Melissa Leo, Taylor Mosby

Bilder

Trailer

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Thunder Force
„Thunder Force“ versucht, dem Genre des Superheldenfilms eine komische Seite zu entlocken und scheitert völlig daran. Viele Klischees, einfallslose Witze, die auch noch in die Länge gezogen oder wiederholt werden – Spaß kommt dabei nicht auf. Dann und wann zeigt sich, dass in dem Stoff mehr drin gewesen wäre. Insgesamt enttäuscht die Komödie, vor allem dank des verschwendeten Schauspieltalents, das ein besseres Drehbuch verdient hätte.
3von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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