Vinterviken Winterbucht JJ+E Netflix
© Netflix/Johan Paulin

Winterbucht

Inhalt / Kritik

Vinterviken Winterbucht JJ+E Netflix
„Winterbucht“ // Deutschland-Start: 8. September 2021 (Netflix)

So wahnsinnig viel haben Elisabeth (Elsa Öhrn) und John-John (Mustapha Aarab) auf den ersten Blick nicht gemeinsam. Sie kommt aus einer wohlhabenden Familie, die viel Wert auf Kultur legt. Er wächst unter einfachen Verhältnissen auf und neigt zu kriminellen Taten. Es ist reiner Zufall, der dazu führt, dass sich die beiden eines Tages über den Weg laufen, als John-John Elisabeths jüngeren Schwester das Leben rettet. Und es soll nicht bei diesem einen Mal bleiben, denn bald schon entwickeln die beiden Gefühle füreinander. Doch so gut sie sich auch verstehen, es sind zwei verschiedene Welten, die bei ihnen aufeinanderprallen. Zumal gerade der Alltag von John-John schon mehr als genug Probleme hat, die ihn beschäftigen …

(K)eine Geschichte von gestern

Auf den ersten Blick könnte man meinen, der Netflix-Film Winterbucht sei eine Reaktion auf einige der wichtigsten gesellschaftlichsten Themen der letzten Jahre. Ein dunkelhäutiger Junge und ein weißes Mädchen, dazu die Schere zwischen Arm und Reich – das geht schon als Kommentar durch. Dabei ist die Geschichte deutlich älter. Ursprünglich stammt sie aus dem gleichnamigen, 1993 veröffentlichten Romans des schwedischen Schriftstellers Mats Wahl, der später noch weitere Bücher um die beiden Jugendlichen schrieb. Drei Jahre später folgte bereits eine erste Verfilmung, der nun ein Vierteljahrhundert später eine Neuauflage folgt. Die wurde zwar in die Jetztzeit versetzt, weshalb an einer Stelle zum Beispiel auch das Handy geraubt werden darf. Die Grundkonstellation ist jedoch dieselbe geblieben.

Bei dieser könnte man zunächst glauben, dass es sich um eine klassische Romeo und Julia Geschichte handelt. Schließlich stehen im Mittelpunkt zwei junge Menschen, die sich ineinander verlieben, deren Beziehung aber an ihrer familiären Herkunft zu scheitern droht. Das kommt einem schon bekannt vor. Tatsächlich geht Winterbucht aber in eine andere Richtung. So wird John-John als Held bei ihrer Familie eingeführt, schließlich hat er die jüngere Tochter gerettet. Ein vergleichbarer Konflikt der beiden Familien findet so nicht statt. Auch die Hautfarbe spielt, anders als man es vielleicht hätte erwarten können, keine Rolle. Rassismus ist in dem Film nicht das entscheidende Problem.

Ein Scheitern mit Klasse

Stattdessen untersucht Regisseur Alexis Almström (Hidden Agenda) in Winterbucht, wie sich der Klassenunterschied der beiden aufeinander auswirkt. Schön ist das nicht. Auch wenn der Film von Netflix als große Romanze verkauft wird, so ganz stimmt das nicht. Es gibt sie natürlich, die vereinzelten Glücksmomente der beiden, wenn die die Welt so aussieht, als könne alles ganz wundervoll werden. Doch schon wenig später kann wieder alles schief gehen. Teilweise sind diese Schwierigkeiten selbst verursacht, wenn John-John und die anderen wieder Mist bauen. Gleichzeitig lässt der Film aber auch keinen Zweifel daran, wie sehr sie durch ihre Erfahrungen und das Umfeld geprägt sind. Sie kommen aus dieser Ecke einfach nicht heraus.

Das geht letzten Endes alles sicherlich nicht so sehr in die Tiefe, wie das könnte. Der Versuch, ein Sozialdrama mit einer Jugendromanze zu verknüpfen und in nur anderthalb Stunden zu einem Abschluss zu bringen, führt zwangsläufig dazu, dass Winterbucht ein wenig schematisch bleibt. Das gilt gerade auch für die Figuren, die nicht unbedingt die größte Persönlichkeit mitbringen. Dennoch: Die Absicht hinter allem ist gut. Der Zielgruppe solcher Liebesgeschichten Klassenunterschiede vor Augen zu führen, ist nie verkehrt, auch wenn es natürlich ernüchternd ist, dass sich in den 25 Jahren seit der Vorlage nichts gebessert hat. Aber dafür ist ja der Film, der nicht nur viele Schwierigkeiten aufzeigt, sondern dazu noch ein bisschen Hoffnung macht, dass es Auswege aus diesem Fatalismus gibt. Man muss nur manchmal zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, um den Anfang zu schaffen.

Credits

OT: „Vinterviken“
IT: „JJ+E“
Land: Schweden
Jahr: 2021
Regie: Alexis Almström
Drehbuch: Dunja Vujovic
Vorlage: Mats Wahl
Musik: Vittorio Grasso
Kamera: Niklas Johansson
Besetzung: Elsa Öhrn, Mustapha Aarab, Jonay Pineda Skallak, Magnus Krepper, Loreen, Albin Grenholm

Bilder

Trailer

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„Winterbucht“ erzählt von zwei schwedischen Jugendlichen, die aus völlig unterschiedlichen Welten kommen und dennoch Gefühle füreinander entwickeln. Das Ergebnis ist keine typische Teenagerromanze, sondern verbindet dies mit einer Art Sozialdrama. Das ist als Mischung interessant, geht aber nicht sonderlich in die Tiefe.
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