Inhalt / Kritik

Gibt es ein Leben nach der Party Afterlife of the Party Netflix

„Gibt es ein Leben nach der Party?“ // Deutschland-Start: 2. September 2021 (Netflix)

Eigentlich fehlt Cassie (Victoria Justice) sonst auf keiner Party. Doch damit ist es nun vorbei, als die Mittzwanzigerin ausgerechnet in ihrer Geburtstagswoche auf ebenso tragische wie dämliche Weise ums Leben kommt. Immerhin, sie erhält eine Art zweite Chance, wie ihr der Schutzengel Val (Robyn Scott) verrät. Am Tod selbst kann sie zwar nichts ändern. Dafür darf sie ein paar Sachen wieder geraderücken, die vor ihrem Ableben nicht gestimmt haben. Gelingt ihr das, darf sie in den Himmel. Ansonsten darf sie sich auf eine echte Höllenzeit einstellen. Einfach ist die Wiedergutmachung aber nicht, zumal sie unter ziemlichen Zeitdruck steht, so richtig großzügig waren die da oben ja nicht. Zu ihrem Glück ist da aber auch noch Lisa (Midori Francis), ihre ehemals beste Freundin, von der sie sich zuletzt ziemlich entfremdet hatte. Denn die kann die Verstorbene entgegen aller Regeln  tatsächlich sehen …

Auch der Tod kann Spaß machen

Eine alte Vorstellung besagt, dass im Moment des Todes das Leben noch einmal an einem vorbeizieht. Im Fall von Cassie geschieht das tatsächlich, in Form eines Videos, das so peinlich ist, dass es fast schon ein Glücksfall ist, das nicht mehr erleben zu müssen. Zumindest richtig. Der Einstieg ist ganz witzig, soviel muss man der Netflix-Komödie Gibt es ein Leben nach der Party? zugestehen. Auch wenn das Thema an und für sich ernst ist, sowohl das des Todes wie auch der unerledigten Dinge, die Cassie zurückgelassen hat, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass hier jeder mit einer Grabesmiene durch die Gegend laufen muss. Dafür sorgt schon Val, eine etwas eigene Form des Schutzengels.

Auch im Anschluss versucht sich der Film immer mal wieder an Humor, weswegen er auch grundsätzlich in der Komödienschublade abgelegt wird. Er ist nur nicht besonders erfolgreich darin. Eine Zeit lang gibt es bei Gibt es ein Leben nach der Party? die bekannten komischen Situationen, wenn ein Mensch von einem für andere unsichtbaren Wesen heimgesucht wird – siehe etwa Da scheiden sich die Geister oder Happy!. Drehbuchautorin Carrie Freedle fielen nur keine wirklich komischen Gags dazu ein, die über das Minimum hinausgehen. Und irgendwann gibt es nicht einmal mehr die. Wer sich angesichts der Beschreibung vor allem Training für die Lachmuskeln erhofft, der geht hier ziemlich leer aus. Die bekommen nur dann etwas zu tun, wenn man auch über nichts lachen kann.

Was vom Leben übrig blieb

Wobei sich der Schwerpunkt mit der Zeit natürlich ohnehin verlagert. Wenn ein Mensch nach dem Tod das wieder richten soll, was zuvor schief gegangen ist, dann ist klar: Das wird jetzt dramatisch. Grundsätzlich ist auch das nichts Verwerfliches. Die angesprochenen Themen rund um Freundschaft und Familie sind zudem universell genug, damit sich ein möglichst breites Publikum angesprochen fühlen darf. Freundschaften, die nicht mehr so recht funktionieren? Entfremdete Familienmitglieder? Gibt es ein Leben nach der Party? nimmt da schon recht bekannte und bewährte Problemfelder, wie sie praktisch alle irgendwann einmal in ihrem Leben haben werden. Die Chance, diese noch einmal anzugehen, und sei es nur fürs eigene Seelenheil: Das hat schon etwas Tröstliches an sich.

Nur mangelt es auch in der Hinsicht an Fingerspitzengefühl und Liebe zum Detail. Anstatt komplexe Figuren und Situationen zu erschaffen, wird hier mit gröbsten Strichen gepinselt. Statt echter und erarbeiteter Gefühle gibt es nur den üblichen Hochglanzkitsch, den man in solchen Filmen viel zu oft findet. Gerade für einen Film, der sich damit auseinandersetzt, wie jemand in seinem Leben gewirkt hat, ist Gibt es ein Leben nach der Party? zu leblos und oberflächlich. Davon darf man sich natürlich ebenso überwältigen lassen wie von den aufdringlichen Popnummern, die kaschieren sollen, dass man nichts zu sagen hatte. Man kann es aber auch ebenso bleiben lassen dieser filmischen Party fernbleiben. Viel verpasst hätte man dadurch nicht. Da hatte das thematisch ähnliche Soul deutlich mehr zu bieten.

Credits

OT: „Afterlife of the Party“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Stephen Herek
Drehbuch: Carrie Freedle
Musik: Jessica Rose Weiss
Kamera: Michael Swan
Besetzung: Victoria Justice, Midori Francis, Robyn Scott, Adam Garcia, Timothy Renouf, Gloria Garcia

Bilder

Trailer

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Gibt es ein Leben nach der Party?
In „Gibt es ein Leben nach der Party?“ stirbt eine junge Frau, darf aber nochmal zurück zur Erde, um sich um drei unerledigte Beziehungen zu kümmern. Der Einstieg ist einigermaßen witzig. Danach gehen aber schnell die Ideen aus, wenn Standardgags und Kitsch das Geschehen bestimmen.
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3.3

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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