Szenenbild aus Ian de la Rosas Drama "Iván & Hadoum" (© Port au Prince Pictures)

Ian de la Rosa [Interview]

© Esther Boyariz

Ian de la Rosa ist spanischer Regisseur und Drehbuchautor, der 1988 in Granada geboren wurde und in Almería aufwuchs. Nach einigen Kurzfilmen und Fernsehserien gab er sein Kinodebüt mit Iván & Hadoum auf der Berlinale 2026 und gewann dort den Teddy Award als Besten Queeren Langfilm. Das Drama erzählt die Geschichte eines Trans-Jungen und eines Mädchens, die sich ineinander verlieben, was aber nicht bei allen auf Zustimmung trifft. Anlässlich des Kinostarts am 5. November 2026 sprechen wir mit dem Regisseur über Queerness im ländlichen Spanien, die Bildsprache und die Arbeit mit dem Ensemble.

Dein Spielfilm Iván & Hadoum spielt in Almería, wo es viele landwirtschaftliche Gewächshausanlagen gibt. Du bist in dieser Gegend aufgewachsen. Inwiefern haben deine eigene Kindheit und Jugend den Film beeinflusst?

Für mich war es ein absolutes Privileg, in Almería aufzuwachsen. Der Ort ist eine Inspiration für mein filmisches Schaffen und für die Geschichten, die ich erzählen möchte. Almería ist eine wunderschöne und wilde Gegend, die im Laufe der Filmgeschichte als natürliche Kulisse für viele Filme gedient hat. Ich wollte eine Liebesgeschichte mit Figuren erzählen, die selten dargestellt werden, und gleichzeitig meinen eigenen Liebesbrief an die Gegend schreiben, in der ich aufgewachsen bin.

Iván ist transgender. Für seine Familie und Freunde ist das normal, aber einige Nebenfiguren wie Manuels Sohn oder der Barkeeper reagieren transphob gegenüber Iván. Was war dir wichtig daran, Queerness im ländlichen Spanien zu zeigen?

Es ist wichtig, Queerness auch jenseits der Großstädte zu zeigen, und es ist ebenso wichtig, dass das Kino transmaskuline Geschichten präsentiert, in denen die Geschlechtsidentität der Protagonist:in nicht der zentrale Konflikt des Drehbuchs ist. Das Kino hat Trans-Charaktere stereotypisiert als Menschen, die stets leiden, und denen Liebe und Begehren fehlen. Mit diesem Film wollte ich Bilder von Trans-Körpern und von Almería selbst schaffen, die ich zuvor noch nie auf der großen Leinwand gesehen hatte. Für mich soll dieser Film die Art und Weise verändern, wie das Kino über Trans-Leben und Trans-Körper erzählt.

Das Paar hat zwei unterschiedliche Hintergründe. Iván stammt aus einer spanischen Familie mit einer mit einem etablierten landwirtschaftlichen Betrieb, während Hadoum als Saisonarbeiterin tätig ist und aus einer marokkanisch-spanischen Familie stammt. Wie interagieren diese beiden Gemeinschaften im Alltag in Spanien?

In Almería leben Menschen aus mehr als sechzig verschiedenen Nationen, die in der riesigen Agrarindustrie arbeiten, um Obst und Gemüse nach Europa und in den Rest der Welt zu exportieren. Es sind Gemeinschaften, die nebeneinander existieren und zusammenarbeiten, um den Rest der Welt zu ernähren…

Wie habt ihr die Bildsprache des Films entwickelt?

Wir haben gemeinsam mit Beatriz Sastre, der Kamerafrau des Films, daran gearbeitet, eine Bildsprache zu entwickeln, die es dem Publikum ermöglicht, sich mitten in der Geschichte zu fühlen – durch Aufnahmen, die sehr nah an den Figuren sind. Ein Stil, bei dem man die Hitze, den Geruch der Erde und der Körper spüren konnte. Eine Kamera, die so sinnlich wie möglich war, gepaart mit dem Sounddesign. Das Licht, die Farben und der Wind von Almería waren drei Elemente, die ich durch diese Geschichte vermitteln wollte.

Silver Chicón und Herminia Loh liefern eine sehr überzeugende Darbietung als Hauptdarstellerpaar. Wie hast du die Charaktere gemeinsam mit ihnen entwickelt? Hattet ihr Proben? Und wie haben sie es geschafft, vor der Kamera eine so intime Körpersprache zu entwickeln?

Wir haben zwei Monate lang vor den Dreharbeiten gemeinsam mit der Schauspiel- und Intimitätscoachin Mar Isern geprobt, die den Beiden half, die Charaktere zu entwickeln. Silver Chicón und Herminia Loh waren während des gesamten Prozesses unglaublich großzügig. Außerdem hatte keiner der Schauspieler:innen jemals das Drehbuch in der Hand. Der Cast lernte den Film durch Improvisationen kennen, die sich schließlich zu Proben entwickelten. Die Darsteller:innen wussten nur, was mit ihren Figuren im Drehbuch geschah, aber sonst nichts. Zudem drehten Silver und Herminia den gesamten Film – fünf Wochen lang –, ohne das Ende der Geschichte zu kennen. Am letzten Drehtag filmten wir das Ende, und wir teilten ihnen erst am Abend zuvor mit, was passieren würde. Ich glaube, dass dadurch eine zusätzliche Spannung zwischen den beiden Liebenden zustande kam.

Herzlichen Glückwunsch für den Teddy Award bei der diesjährigen Berlinale! Was bedeutet dir diese Auszeichnung?

Es ist ein absolutes Privileg und eine Ehre, eine solche Anerkennung erhalten zu haben. Der letzte spanische Spielfilm, der diesen Preis gewann, war Das Gesetz der Begierde von Pedro Almodóvar. Ich bin zutiefst dankbar. Das ist ein riesiger Schub für meine Karriere.

Wie ist die Resonanz beim Publikum bisher?

Das Publikum hat sich in den Film, die Geschichte und die Figuren verliebt. Es berührt mich, die Ausdrucksformen von Liebe und Hoffnung auf den Gesichtern der Zuschauer:innen zu sehen, wenn der Film endet. Das ist eine der großen Kräfte des Kinos: das Herz des Publikums zu verändern und zu verwandeln.

Vielen Dank!



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