Major Grom Der Pestdoktor Netflix
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Major Grom: Der Pestdoktor

Inhalt / Kritik

Major Grom Der Pestdoktor Netflix
„Major Grom: Der Pestdoktor“ // Deutschland-Start: 7. Juli 2021 (Netflix)

Wenn Igor Grom (Tikhon Zhiznevsky), Major bei der Polizei in Sankt Petersburg, an einem Fall dran ist, kann schon mal etwas zu Bruch gehen. So auch, als er drei Bankräuber jagt und beim Einsatz ein großes Chaos anrichtet – sehr zum Ärger seiner Vorgesetzten. Dabei hat die Polizei bald ganz andere Sorgen. Ein mit einer Pestdoktor-Maske verkleideter Mann treibt in der Stadt sein Unwesen. Sein Ziel: Leute, die so reich und mächtig sind, dass sie sich regelmäßig dem Gesetz entziehen. Um sie ihrer gerechten Strafe zuzuführen, vertraut der Unbekannte vor allem auf Feuerkraft, setzt mal Bomben, mal seinen Flammenwerfer ein. Obwohl Grom selbst leidenschaftlich gegen das Verbrechen kämpft, setzt er alles daran, den Unbekannten festzusetzen. Doch das ist leichter gesagt als getan. Nicht nur, dass man ihm bald den Fall entzieht. Es fehlen zudem die Spuren, wer dahinter steckt. Während Grom zusammen mit der Bloggerin Yulia Pchelkina (Lyubov Aksyonova) den Täter sucht, wird dieser bei der Bevölkerung zunehmend als Held verehrt …

Ein Hit, der keiner war

Dass mit Comic-Adaptionen richtig viel Geld zu verdienen ist, hat sich inzwischen auch außerhalb von Hollywood herumgesprochen. Und so versucht man selbst in Ländern, die nicht unbedingt als Comic-Hochburgen bekannt sind, noch irgendwie von der Geschichte zu profitieren. Ein Selbstläufer sind solche Verfilmungen jedoch nicht, wie das Beispiel Major Grom: Der Pestdoktor zeigt. Schon 2017 wurde ein Kurzfilm, basierend auf dem russischen Comic, veröffentlicht, um ein bisschen Werbung für den kommenden Spielfilm zu machen. Bei der Produktion des Letzteren ging aber irgendwie alles schief, man stritt sich um die kreative Ausrichtung, der Hauptdarsteller hat keine Lust mehr. Dadurch verzögerte sich das Projekt um mehrere Jahre. Erst 2021 kam der Film in Russland heraus, wo er an den Kinokassen ziemlich unterging. Dafür erfreute er sich als Stream größerer Beliebtheit.

Auch bei uns buhlt Major Grom: Der Pestdoktor nun dank Netflix um ein Publikum, das durch die langen Kinoschließungen und Blockbuster-Verschiebungen auf dem Trockenen saß. Ob die russische Produktion hierzulande wirklich größeren Eindruck hinterlässt, darf jedoch bezweifelt werden. Zum einen wird es nur wenige geben, welche die zwischen 2012 und 2015 veröffentlichte Vorlage von Artyom Gabrelyanov und Evgeny Fedotov kennen. Denn die fand nie ihren Weg nach Deutschland. Es fehlt zudem ein Alleinstellungsmerkmal, welches dem Film dabei helfen würde, sich von der zahlreichen Konkurrenz abzuheben. Ein echter Grund, warum man sich ausgerechnet diese Comic-Adaption anschauen sollte statt der unzähligen anderen, die unentwegt produziert werden.

Blasse Hauptfigur, eindrucksvoller Gegenspieler

Am auffälligsten ist hierbei noch der Antagonist. Ein Mann, der mit einer Pestdoktor-Maske umherläuft und mittels Flammenwerfer Verbrecher abfackelt? Das sieht man tatsächlich nicht alle Tage. Dass das historische Element der Maske und die neuartige Ausrüstung nicht so recht zusammenpassen, ist dabei kein wirkliches Manko. Es hat sogar einen gewissen Comic-Charme, wie bescheuert und überzogen das alles ist. Dafür ist die Hauptfigur sehr blass. Major Grom: Der Pestdoktor stellt uns einen Polizisten vor, der mit hohem Eifer und ohne Rücksicht auf Verluste oder bestehende Regeln den Kampf aufnimmt. Also das, was in den USA in den 80ern schon populär war, siehe Beverly Hills Cop oder Lethal Weapon. Während die bekannten Vorbilder aber zumindest charakterstark waren, da ist der russische Kollege so austauschbar, dass man sich fragt, wie er es auf eine ganze Reihe bringen soll.

Überhaupt ist das inhaltlich alles nicht so wahnsinnig spannend. Wer hinter allem steckt, wird recht früh verraten. Der Versuch einer Wendung im weiteren Verlauf ist letztendlich belanglos. Obwohl gleich sieben Leute an dem Drehbuch mitwerkelten, kommt am Ende einfach nichts Nennenswertes heraus. Das mag auch daran liegen, dass die im Comic noch vorhandenen Anspielungen auf die reale Politik Russlands aus dem Film gestrichen wurden, aus Angst vor den Reaktionen. Zudem schielte man hier vielleicht auch auf ein internationales Publikum, welches es gar nicht so genau wissen will. So oder so: Major Grom: Der Pestdoktor ist gefüllt mit Klischees und Standardsituationen, die jegliches eigenes Flair vermissen lassen. Immerhin: Das sieht recht gut aus. Regisseur Oleg Trofim (Immer, wenn du bei mir bist) und sein Team haben bei der Optik schon einiges richtig gemacht, gerade beim Hinblick auf die Settings. Mehr als Durchschnitt springt am Ende dennoch nicht heraus. Wer wissen will, wie so ein russischer Comic-Film aussieht, kann hiermit seine Neugierde befriedigen. Viel zurück bleibt davon aber nicht.

Credits

OT: „Майор Гром: Чумной Доктор“
IT: „Major Grom: Plague Doctor“
Land: Russland
Jahr: 2021
Regie: Oleg Trofim
Drehbuch: Artyom Gabrelyanov, Roman Kotkov, Evgeniy Eronin, Vladimir Besedin, Aleksandr Kim, Valentina Tronova, Nikolay Titov
Vorlage: Artyom Gabrelyanov, Evgeny Fedotov
Musik: Roman Seliverstov
Kamera: Maxim Zhukov
Besetzung: Tikhon Zhiznevsky, Lyubov Aksyonova, Aleksei Maklakov, Aleksandr Seteykin, Sergei Goroshko, Dmitry Chebotarev, Mikhail Evlanov, Oleg Chugunov

Trailer

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Was lange währt, ist am Ende dennoch nicht gut. Die russische Comic-Adaption „Major Grom: Der Pestdoktor“ punktet zwar mit einer ansehnlichen Optik und einem ungewöhnlichen Antagonisten, ist ansonsten aber ziemlich langweilig. Vor allem der Held ist so blass, dass er kaum für eine fortlaufende Reihe gewappnet ist.
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von 10