Choose Or Die Netflix
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Choose or Die

Choose Or Die Netflix
„Choose Or Die“ // Deutschland-Start: 15. April 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Als sich die Studentin Layla (Iola Evans) an ein Computerspiel aus den 1980ern setzt, ahnt sie nicht, worauf sie sich einlässt. Wie schwierig kann es schon sein, bei einem derart simplen Game, das nur ein paar richtige Entscheidungen voraussetzt, siegreich zu sein? Doch dann häufen sich eigenartige Erfahrungen, die sie macht – in der realen Welt, nicht virtuell. Erfahrungen, die teilweise auch sehr blutig sein können, zumindest für andere. Aber wie kann es sein, dass das Spiel solche Folgen hat für die Menschen in ihrem Umfeld? Haben Laylas Entscheidungen tatsächlich Auswirkungen oder sind das bloß Einbildungen? Während sie gemeinsam mit Isaac (Asa Butterfield) herauszufinden versucht, was es mit dem Spiel auf sich hat, machen sie eine schreckliche Entdeckung…

Zurück in die Vergangenheit

In den letzten Jahren konnte man bei Filmen des Öfteren den Eindruck haben, versehentlich in eine Zeitmaschine gewandert zu sein. Nostalgie ist Trumpf, über alle Genres hinweg. Vor allem aber das Horrorgenre bedient sich teils schamlos an vergangenen Zeiten, um ein Publikum anzuziehen. Titel wie Es, Summer of 84 oder X verneigen sich so sehr vor vergangenen Zeiten, dass man sich manchmal schon daran erinnern muss, dass wir tatsächlich im 21. Jahrhundert sind. Teils ist das inhaltlich gut begründbar, manche Geschichten funktionieren nur in diesem zeitlichen Kontext. Andere wollen diese Reminiszenzen ausschließlich der Atmosphäre wegen. Mit dem Netflix-Film Choose or Die kommt nun ein weiterer Titel, der ganz offensichtlich auf ein Publikum abzielt, das sich an früher erinnern mag. Selbst wenn es damals nicht geboren war.

Dieses Mal ist es ein altes Computerspiel, das zur Quelle allen Übels ist. Warum auch nicht? Der Markt für Retro-Games ist riesig, für Pseudo-Retro-Games ebenfalls. Da ist es naheliegend, dieses Bedürfnis in Filmform stillen zu wollen. Beispiele für die Verbindung aus altem Game und neuem Schrecken hat es natürlich schon vor Choose or Die des Öfteren gegeben. Das bekannteste Beispiel ist der Überraschungshit Jumanji: Willkommen im Dschungel, der weltweit die Kinokassen zum Glühen brachte. Manche werden sich vielleicht auch an Beyond the Gates erinnert fühlen. Darin kramte eine Freundesclique ein mit einem VHS-Video verbundenes Brettspiel aus, bei dem plötzlich das eigene Leben der Einsatz war. Was eben so passiert, wenn man die Anleitung alter Spiele nicht gut genug liest.

Die Angst vor der Entscheidung

Grundsätzlich kann so ein Szenario also schon funktionieren. Und man muss den Leuten hinter Choose or Die schon zugutehalten, dass sie sich in mehrfacher Hinsicht einige Mühe gegeben haben. Das Spiel selbst ist ganz atmosphärisch geworden mit der primitiven Pixelgrafik. An manchen Stellen wird der Film auch den Versprechungen des Titels gerecht. Ganz im Stil alter „Choose Your Adventure“-Bücher, bei denen man durch Entscheidungen den Weitergang der Geschichte bestimmte und an die interaktive Netflix-Titel wie Black Mirror: Bandersnatch anknüpfen, gibt es beim Spiel im Film immer verschiedene Wahlmöglichkeiten. Mit dem Unterschied, dass diese Wahlmöglichkeiten gerne mal mit dem Tod enden oder zumindest richtig üblen Verletzungen.

Nur, so richtig viel draus wird nicht gemacht. Vor allem das Motiv des moralischen Dilemmas, welches zwischendurch zur Anwendung kommt, wird viel zu wenig genutzt. Anstatt Layla kontinuierlich Entscheidungen aufzuzwängen, bei denen immer jemand verlieren muss, ist Choose or Die seltsam zurückhaltend. Dann und wann kommt es zwar schon zu brenzligen Situationen, bei denen es mal für einen kurzen Moment richtig unangenehm für sie wird. Aber dieses Potenzial des Perfiden bleibt über weite Strecken auf der Strecke. Stattdessen begnügt man sich damit, dass die Protagonistin wie paralysiert vor dem Rechner sitzt und vor lauter Entscheidungsangst gar nichts macht.

Kurz und langweilig

Das mag nachvollziehbar sein, wer ist schon auf eine solche Situation wirklich vorbereitet? Tatsächlich spannend ist es aber nicht dabei zuzusehen. Tatsächlich zieht sich der Film trotz einer Laufzeit von gerade mal 85 Minuten ziemlich, auch weil die ohnehin nur seltenen Höhepunkte oft nicht so wirklich Eindruck hinterlassen. Nicht einmal das Ensemble, zu dem immerhin Eddie Marsan in einer Nebenrolle gehört, überzeugt, weil es nichts mit dem Stoff anfangen kann. Im späteren Verlauf gibt es einige wenige Szenen, in denen deutlich wird, was Choose or Die alles hätte werden können. Umso bedauerlicher, dass Regisseur Toby Meakins diese Richtungen nicht konsequent verfolgt. Natürlich gibt es deutlich schlechtere Horrorbeiträge als diesen hier. Selten wird es aber vergleichbar enttäuschend, wenn zwischen Potenzial und Ergebnis eine derart große Kluft liegt.

Credits

OT: „Choose Or Die“
Land: UK
Jahr: 2022
Regie: Toby Meakins
Drehbuch: Simon Allen
Musik: Liam Howlett
Kamera: Catherine Derry
Besetzung: Iola Evans, Asa Butterfield, Eddie Marsan

Bilder

Trailer

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Choose or Die
Fazit
Eine Studentin lässt sich auf ein altes Computerspiel ein, das bald reale und tödliche Auswirkungen hat. Das Szenario war eigentlich ganz vielversprechend. Der Film nutzt dieses aber zu selten, weshalb trotz eines prominenten Ensembles und vereinzelt atmosphärischer Szenen „Choose Or Die“ schnell langweilig wird.
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