Kritik

We Can Be Heroes Netflix

„We Can Be Heroes“ // Deutschland-Start: 25. Dezember 2020 (Netflix)

Eigentlich waren Miracle Guy (Boyd Holbrook), Marcus Moreno (Pedro Pascal) und die anderen Mitglieder der Superheldentruppe immer diejenigen, welche zur Rettung eilten, wenn die Welt mal wieder bedroht wurde. Doch als böse Aliens anrücken, sind auch sie am Ende ihrer Kräfte. Anstatt die Invasoren zu vertreiben, fallen sie ihnen selbst zum Opfer und werden von diesen gefangen genommen. Nun liegt es daher an den Kindern der Helden und Heldinnen – Guppy (Vivien Blair), Rewind (Isaiah Russell-Bailey), A Capella (Lotus Blossom), Missy Moreno (YaYa Gosselin), Fast Forward (Akira Akbar), Ojo (Hala Finley) und Slo-Mo (Dylan Henry Lau) – ihre Eltern zu retten, und die Welt damit gleich mit …

Ein Nachfolger aus heiterem Himmel

So unerwartet Fortsetzungen sind, die viele Jahre bis Jahrzehnte noch erscheinen, bei den meisten kann man zumindest den Gedankengang dahinter verstehen. Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht, Blade Runner 2049 oder Doctor Sleeps Erwachen nahmen immerhin absolute Kultfilme zur Basis, die mit einer über lange Zeit gewachsenen Fanbase einiges an Erfolg versprachen. Warum man aber 15 Jahre nach Die Abenteuer von Sharkboy und Lavagirl eine weitere Geschichte um die etwas anderen Helden und Heldinnen erzählen musste, das wird wohl niemand plausibel erklären können. Die Einspielergebnisse waren bescheiden, das Kritikerecho sogar verheerend. Es ist nicht einmal so, dass das Abenteuer als wirkliches Guilty Pleasure getaugt hätte.

Andererseits ist die Filmografie von Regisseur und Drehbuchautor Robert Rodriguez bekanntlich so oder so nicht ganz einfach zu fassen, besteht sie doch aus einer Mischung brutaler Erwachsenenunterhaltung und albernen Komödien für Kinder. In die letztere Schublade gehört dann auch der Netflix-Film We Can Be Heroes. Dass man hierbei ein etwas jünger sein muss, das wird früh klar. Geschichten um Superhelden und Superheldinnen sind natürlich von Haus aus oft ein bisschen albern, mit komischen Kostümen und komischen Fertigkeiten. Hier wird das aber so sehr auf die Spitze getrieben, dass der Film ohne Probleme auch als Parodie durchgehen würde.

Komische Fähigkeiten, wenig Unterhaltung

Ist dann erst einmal das Zepter an die nachfolgende Generation weitergegeben, wird es vollends absurd. Singen und prophetisches Zeichnen als Spezialfähigkeit? Eine Figur, die Guppy heißt? Auf solche Einfälle muss man erst einmal kommen. Gerade der Einstieg, wenn im Schnellverfahren die jungen Protagonisten und Protagonistinnen vorgestellt werden, zusammen mit ihren kämpferischen Alleinstellungsmerkmalen, ist da schon irgendwie unterhaltsam, auf eine gute gelaunte, trashige Art und Weise. Mit einem solchen bunt zusammengewürfelten Haufen, der irgendwie nichts auf die Reihe bekommt, die Welt retten? Das kann ja heiter werden.

Die eigentliche Rettungsaktion ist dabei jedoch sehr viel weniger spaßig. So merkwürdig die Fähigkeiten und das Drumherum ist, so formelhaft ist der Film. Ein Großteil von dem, was hier so passiert, weiß man praktisch schon vorher. Auch bei den Gags wird dann nicht sonderlich variiert. Rodriguez verlässt sich dann zu sehr auf die gleich zu Beginn demonstrierten Einfälle und lässt ansonsten nur seiner Hysterie freien Lauf. Das und einer offensichtlichen Vorliebe für kreischende Farben, die mit dazu beitragen, dass We Can Be Heroes ermüdend wird, eine unattraktive Mischung aus langweilig und nervig.

Das kommt sicher nicht ganz überraschend, steht der Film doch in der Traditionen der früheren Rodriguez-Filme rund um Spy Kids. Auch dort bestand der Charme in erster Linie darin, dass Kinder auf einmal die Helden-Rollen der Erwachsenen übernehmen müssen. Tatsächlich begann der erste Teil damit, dass Agenten entführt wurden und deren Kinder sie nun retten müssen. We Can Be Heroes nimmt dasselbe Prinzip, erhöht nur die Anzahl der Kinder und ersetzt mechanische Gadgets durch angeborene Fähigkeiten wie die Manipulation von Wasser oder die Zeit zurückzudrehen. Das sorgt dann zwar für etwas mehr Abwechslung. Interessant werden die Kinder dadurch aber nicht. Deren Persönlichkeit wird allein durch die Fertigkeit bestimmt – oder das Fehlen einer Fertigkeit. Das ist natürlich schon etwas billig, gleiches gilt für die Spezialeffekte, die wirklich mehr nach Samstagmorgen-Fernsehen aussehen. Wer einen actionreichen Kinderfilm will, kann zwar trotz allem reinschauen. Gebraucht hätte es die Exhumierung der Heldentruppe aber nicht.

Credits

OT: „We Can Be Heroes“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Robert Rodriguez
Drehbuch: Robert Rodriguez
Musik: Rebel Rodriguez
Kamera: Robert Rodriguez
Besetzung: YaYa Gosselin, Vivien Lyra Blair, Lotus Blossom, Hala Finley, Lyon Daniels, Isaiah Russell-Bailey, Akira Akbar, Dylan Henry Lau, Boyd Holbrook, Pedro Pascal, Adriana Barraza, Priyanka Chopra

Bilder

Trailer

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We Can Be Heroes
In „We Can Be Heroes“ wird eine Heldentruppe von Außerirdischen gefangen, die Kinder müssen es nun richten. Das ist anfangs noch irgendwie witzig, auch weil die diversen Fertigkeiten teils richtig bescheuert sind. Später wiederholt sich aber zu viel, die Kinder langweilen bis nerven, trotz auch visuellen Dauerfeuers gibt es wenig nennenswerte Treffer.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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