Mitternacht im Pera Palace Netflix
© Netflix/Morteza Atabaki

Mitternacht im Pera Palace – Staffel 1

Mitternacht im Pera Palace Netflix
„Mitternacht im Pera Palace“ // Deutschland-Start: 3. März 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Eigentlich sollte die junge Journalistin Esra (Hazal Kaya) nur einen Artikel über das geschichtsträchtige Pera Palace Hotel in Istanbul schreiben. Dass sie bald selbst Teil der Geschichte sein würde, ahnte sie dabei nicht. Denn ehe sie es sich versieht, ist sie durch die Zeit gereist und befindet sich im Jahr 1919. Und das ist nicht alles, kurz darauf stolpert sie bereits über eine erste Leiche. Für die große Krimiliebhaberin bedeutet das, dass sie einmal ihre eigenen Fähigkeiten unter Beweis stellen darf. Aber das ist nicht so leicht wie gedacht, denn nicht weniger als das komplette Schicksal des türkischen Staates steht plötzlich auf dem Spiel. Dabei findet sie in dem Hotelleiter Ahmet (Tansu Biçer) einen treuen Verbündeten. Aber auch dem gutaussehenden Clubbesitzer Halit (Selahattin Pasali) kommt sie näher …

Eine Zeitreise mit Hindernissen

Eines muss man den Leuten hinter der Netflix-Serie Mitternacht im Pera Palace ja lassen: Das ist schon eine recht eigenwillige Produktion, die sie da auf die Beine gestellt haben. Klar, Zeitreisen sind jetzt kein besonders neuer Einfall, da gab es schon genug Filme und Serien, die damit arbeiteten. Dass ein Hotelzimmer zu einem Tor in die Vergangenheit wird, ist aber eine ungewöhnliche Variante des bekannten Elements. Vor allem bewegt sich die Geschichte mit der Zeit in eine ganz andere Richtung, als man erwarten durfte. So wirkt das hier anfangs wie eine Krimikomödie, wenn Protagonistin Elsa ihrem großen Idol Agatha Christie nicht nur in Person begegnet. Sie darf dieser auch nacheifern, indem sie selbst Ermittlungen anstellt und herausfinden möchte, wer einen Mord begangen hat.

Dieses Szenario befasst sich bald aber mit anderen, größeren Themen, will mehr sein als ein regulärer Whodunnit. So soll der Mord nicht nur aufgeklärt, sondern auch verhindert werden – eine weitere Zeitreise soll dies möglich machen. Nur klappt das alles nicht so wie geplant. Jeder neue Eingriff von Elsa und Ahmet führt zu weiteren Veränderungen. Vergleichbar zu Wieder 15 und natürlich dem großen Vorbild Zurück in die Zukunft wird in Mitternacht im Pera Palace viel herumprobiert bei dem Versuch, den Status Quo wiederherzustellen, für Besserungen zu sorgen, ohne dabei unwissentlich die nächste Katastrophe heraufbeschwören. Das klappt oft natürlich nicht so recht, was bei dem Duo für Frust und Diskussionen sorgt. Das Publikum ist der lachende Dritte, der zudem bei all dem Chaos gespannt sein darf, was als Nächstes geschieht.

Bisschen umständlich und dramatisch

Die andere Seite der Medaille: Mitternacht im Pera Palace ist oft ein bisschen umständlich und offensichtlich mehr daran interessiert, irgendwelche Hindernisse aufzubauen, anstatt mal an den Abbau zu gehen. Da wird ewig lang auf der Stelle getreten. Dafür wird es zum Schluss auf einmal hektisch, die Geschichte wird vorzeitig abgebrochen. Ein Grund für diese Trägheit ist, dass die Serie im weiteren Verlauf sehr viel mehr Drama einbaut. Da geht es weniger um das Ermitteln, der Humor ist sogar ganz weg. Stattdessen scheint man sich Seifenopern zum Vorbild genommen zu haben. Das darf man natürlich, Fans haben solche Produktionen mehr als genug. In diesem Fall ist es aber eine Verschwendung, da die ungewöhnlichen Aspekte abgeschwächt werden, zwischenzeitlich ist das hier nur ein Melodram unter vielen.

Interessant ist dabei, dass die Inspiration von Mitternacht im Pera Palace keine solcher schwülstig-überzogenen Geschichten sind, sondern ein Sachbuch. Genauer stand das Sachbuch Midnight at the Pera Palace: The Making of Modern Istanbul von Charles King Pate, der darin die türkische Metropole im Umbruch beschreibt. Die Serie tut das auch, wenn es um die Frage geht, wie Atatürk das Land geprägt hat – und eben, was gewesen wäre, wenn es anders laufen würde. Richtig konsequent wird diese Was-wäre-wenn-Überlegung zwar nicht verfolgt. Da wäre im Hinblick auf alternative Geschichtsschreibung noch deutlich mehr möglich gewesen. Aber es ist doch reizvoll genug und hilft zumindest mit der schönen Ausstattung, dass sich der Blick trotz der Längen lohnt. Dazu gibt es immer wieder beliebte Elemente des Verschwörungsthrillers, wenn im Geheimen finstere Kräfte am Arbeiten sind, das Schicke und das Abgründige damit eng beieinander liegen.

Credits

OT: „Pera Palas’ta Gece Yarisi“
IT: „Midnight at the Pera Palace“
Land: Türkei
Jahr: 2022
Regie: Emre Şahin, Nisan Dag
Drehbuch: Elif Usman
Vorlage: Charles King
Musik: Deniz Cuylan
Kamera: Clint Lealos
Besetzung: Hazal Kaya, Tansu Biçer, Selahattin Pasali, James Chalmers, Yasemin Szawlowski, Engin Hepileri

Bilder

Trailer

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Mitternacht im Pera Palace – Staffel 1
Fazit
„Mitternacht im Pera Palace“ erzählt eine originelle Abwandlung der bekannten Zeitreisengeschichte, wenn eine Journalistin ins Jahr 1919 zurückreist, auf Mörderjagd geht und gleichzeitig aufpassen muss, dass sich nicht der Lauf der Geschichte verändert. Das ist schön bebildert und teilweise unterhaltsam, auch wenn da zwischendurch schon ein bisschen viel Drama ist und die Serie auf der Stelle tritt.
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