Inhalt / Kritik

Yes Day Netflix

„Yes Day“ // Deutschland-Start: 12. März 2021 (Netflix)

Als sich Allison (Jennifer Garner) und Carlos (Edgar Ramírez) damals über den Weg liefen, waren sie noch abenteuerlustig, wollten alles einmal erlebt haben. Doch das ist lange her. Inzwischen haben sie drei Kinder, Katie (Jenna Ortega), Nando (Julian Lerner) und Ellie (Everly Carganilla), und haben alle Hände voll damit zu tun, Ordnung in alles zu bringen. Während Allison dabei die Rolle der strengen Mutter erfüllt, ist Carlos vollständig mit seiner Arbeit beschäftigt. Als sie eines Tages erfahren, dass ihre Kinder so gar nicht glücklich damit sind, Allison sogar als kontrollsüchtiger, spaßbefreiter Diktator bezeichnet wird, lassen sie sich auf einen Vorschlag ein. Einen Tag lang sollen die drei Kinder das Sagen haben und bestimmen dürfen, was sie alle zusammen machen. Doch was als harmloser Spaß beginnt, läuft bald völlig aus dem Ruder …

Wenn der Alltag verrückt wird

Ein bewährtes Filmrezept besagt: Man nehme eine ganz alltägliche Situation, in der sich alle wiederfinden können, und lasse diese nach und nach immer weiter eskalieren. Je nach Ausführung sorgt man auf diese Weise für Spannung, etwa in einem Thriller, oder man nutzt diese Entgleisungen, um im Rahmen einer Komödie das Publikum zum Lachen bringen zu wollen. Der Netflix-Film Yes Day will eindeutig Letzteres, wenn er eine ganz normale Familie auf ein Abenteuer schickt, an dessen Ende alle nicht nur sehr viel erlebt haben. Sie haben zudem eine Menge über sich selbst gelernt und dürfen nun einem besseren gemeinsamen Leben entgegenschauen.

Die Ausgangssituation ist dabei noch recht anschaulich direkt aus dem Alltag entnommen. Dass Kinder sich von ihren Eltern ungerecht behandelt fühlen und die vielen willkürlichen Regeln doof finden, welche diese aufstellen, das gehört ein bisschen zur Familienerfahrung dazu. Genauso dürften Allison und Carlos die Sympathien anderer Eltern sichern sein, die nicht nur Beruf und Privatleben irgendwie in Einklang bringen müssen, sondern auch ihre Kindern beschützen wollen. Dass das – wie bei Yes Day der Fall – nicht immer ganz ausbalanciert ist, das kommt vor, macht die Figuren und ihre Situation menschlich. Allgemeingültige Regeln gibt es nun einmal nicht, dafür sind die Leute dann doch zu unterschiedlich. Was bei den einen funktioniert, kann bei den anderen schon verkehrt sein.

Langweilig und austauschbar

Trotzdem hätte man sich bei der Figurenzeichnung durchaus mehr Mühe geben können. Ob nun die Erwachsenen oder die Kinder, mehr als Klischees werden da nicht vorgebracht. Für Zuschauer und Zuschauerinnen eine Identifikationsfläche zu schaffen, schön und gut. Ganz so langweilig und austauschbar wie hier muss das dann aber doch nicht sein. Bei dem titelgebenden Yes Day sieht es leider nicht so viel besser aus. Der Einstieg ist dabei noch der witzigste Einfall, wenn sich die Eltern auf Ansage der Kinder ein wenig gewöhnungsbedürftig anziehen müssen. Danach geht der Adaption eines Romans von Amy Krouse Rosenthal und Tom Lichtenheld aber ziemlich schnell die Luft aus.

Natürlich darf man als Kind davon träumen, möglichst viel Eiscreme zu futtern. Auch ein paar der anderen Aktivitäten sind dazu geeignet, sich einen Tag irgendwie spaßig zu gestalten. Nur überträgt sich dieser Spaß nicht automatisch, wenn man daheim nur auf den Bildschirm schaut. Zugegeben: Die Zielgruppe ist hier jünger angesiedelt. Yes Day richtet sich an Kinder und Jugendliche, die hierbei davon träumen dürfen, selbst auch mal etwas bestimmen zu dürfen. Und bei denen sind die Ansprüche für Unterhaltung schon mal etwas niedriger angesetzt, sei es bei einer aktiven Teilnahme oder einem passiven Zuschauen.

Viel Zucker, wenig Spaß

Dennoch ist die von Miguel Arteta (Lady Business, Die Coopers – Schlimmer geht immer) inszenierte Komödie in erster Linie verschenktes Potenzial. Anstatt den von den Eltern ausgestellten Freischein auch kreativ zu nutzen, wird hier nur eine aus Standardsituationen zusammengestellte To-do-Liste abgearbeitet. Wenn man schon mit einer verrückten Situation punkten will, anstatt in die Tiefe zu gehen, dann sollte diese auch tatsächlich verrückt sein. So aber liefert Yes Day in beide Richtungen nicht genug, ist weder tiefsinnig noch übermäßig unterhaltsam, sondern schüttet zum Schluss lieber noch mehr Zuckerguss auf den Eisberg. Und dazu muss man nun nicht wirklich „Ja“ sagen.

Credits

OT: „Yes Day“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Miguel Arteta
Drehbuch: Justin Malen
Vorlage: Amy Krouse Rosenthal, Tom Lichtenheld
Musik: Michael Andrews
Kamera: Terry Stacey
Besetzung: Jennifer Garner, Edgar Ramírez, Jenna Ortega, Julian Lerner, Everly Carganilla

Bilder

Trailer

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Yes Day
In „Yes Day“ dürfen Kinder einen Tag lang bestimmen, was ihre Eltern tun und mit ihnen unternehmen müssen. Die Ausgangslage ist dabei recht nah am Alltag. Die Komödie verpasst es aber, daraus etwas zu machen, ist aufgrund akut fehlender Ideen weder tiefsinnig noch tatsächlich unterhaltsam.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Eine Antwort

  1. HP

    Wenn ich noch so eine seichte Komödie sehe, kann ich einen Auswurf nicht mehr vermeiden. Nicht Mal aus Kinderaugen sehenswert. Ein Film ohne Charme und Witz – so etwas als Komödie zu bezeichnen ist schlichtweg gelogen!

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