Zurück ins Outback Back to the Outback Netflix
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Inhalt / Kritik

Zurück ins Outback Back to the Outback Netflix
„Zurück ins Outback“ // Deutschland-Start: 10. Dezember 2021 (Netflix)

In dem australischen Zoo leben einige der gefährlichsten Tiere, welche die Welt je gesehen hat – das zumindest ist es, was der Tierpfleger Chaz dem Publikum erzählt. Schließlich ist der Nervenkitzel ein sehr einträgliches Geschäft. Dabei sind die angeblichen Monster eigentlich sehr friedliebend. Mehr noch, sie sehnen sich nach ein bisschen Geborgenheit und Wärme. Und so beschließen die Giftschlange Maddie, Dornteufel-Echse Zoe, Spinne Frank und Skorpion Nigel eines Tages, aus dem Zoo auszubrechen. Das Ziel: der Outback, wo sie hoffen, ihre Familien wiederfinden zu können und endlich selbst ein schönes Leben führen zu können. Dummerweise laufen sie dabei jedoch dem Koalabär Pretty Boy über den Weg, der eine weltweite Sensation ist und unzählige Fans hat. Der ist kuschelig, süß – und ein selbstverliebter Egozentriker, der den anderen aus Prinzip schon das Leben schwermachen will. Und so bleibt ihnen nichts anderes übrig, als das putzige Ekel mitzunehmen …

Neue Animationsfilme braucht das Land

Während im Serienbereich unentwegt neue Animationstitel bei Netflix erscheinen – zuletzt gab es beispielsweise die sehenswerten Titel Maya und die Drei, Eine dunkle & grimmige Geschichte und Arcane –, sieht es bei Filmen irgendwie immer recht mau aus. Zwar gibt es auch dort immer mal wieder Nachschub. Aber da liegen quantitativ und qualitativ oft Welten dazwischen. Wenn überhaupt sind es eher die eingekauften Titel wie das atemberaubende Gipfel der Götter, die für etwas Klasse sorgen. Die selbst produzierten Filme sind hingegen oft nur mittelprächtig. Das gilt leider auch für Zurück ins Outback, mit dem der Streamingdienst rechtzeitig für die Feiertage noch etwas für die Familien anbieten möchte.

Die Grundidee ist dabei natürlich schon nett. Die australisch-amerikanische Coproduktion Zurück ins Outback nimmt sich eines Themas an, das tatsächlich von Relevanz ist. Während niedliche Tiere einen speziellen Schutz als VIP-Stars genießen, sind hässliche und gefährliche Tiere dem Abschuss freigegeben. Dass das ein tatsächliches Problem darstellt, wird von Tierschutzorganisationen seit Jahren beklagt. Das berühmteste Beispiel sind bestimmt Haie, die in Folge des Kassenschlagers Der weiße Hai auf einmal als Monster gejagt und fast ausgerottet wurden, obwohl sie für Menschen nur selten eine Gefahr darstellen. Umgekehrt werden immer wieder beliebte Tiere genommen, um mit ihrer Hilfe indirekt andere Tierarten zu schützen. Beispiel ist die Honigbiene, die als Aushängeschild für den Kampf gegen das Insektensterben diente, obwohl sie selbst viel weniger bedroht ist als die Tiere, um die es eigentlich ging.

Hässlich ist auch schön

Um tatsächlichen Tierschutz ging es Autor Harry Cripps, der zusammen mit Clare Knight auch Regie führte, dabei wohl kaum. Vielmehr werden in Zurück ins Outback die typischen Lebensweisheiten geteilt, die man bei Animationsfilmen für eine jüngere Zielgruppe häufig findet. Ganz weit oben steht die Erkenntnis, dass man auch wenn man anders ist oder anders aussieht, nicht weniger wert ist. Giftschlangen und Skorpione werden hier zu einer Identifikationsfigur für unsichere Zuschauer und Zuschauerinnen, die auf die eine oder andere Weise nicht mithalten können und ein bisschen gutes Zureden brauchen. Jeder ist auf seine Weise schön mag in einer trotz allem oft normierten Welt keine besonders realistische Aussage sein. Aber es ist nicht verkehrt, es zumindest zu versuchen und vielleicht im Kleinen ein Bewusstsein zu schaffen.

Diese eher nachdenkliche Thematik wird bei Zurück ins Outback wie so oft in ein Abenteuer gepackt, bei dem sich brenzlige Situationen mit humorvollen Momenten abwechseln. Dabei kann sich der Humor auf die Figuren selbst beziehen, allen voran den eitlen Koala. Teilweise entsteht er aus dem Kontrast zwischen dem sich vorher vorgestellten Leben in der Wildnis und dem, wie es wirklich stattfindet. Nur weil die Protagonisten und Protagonistinnen potenziell gefährlich ist, heißt es nicht, dass sie für ein Leben da draußen vorbereitet sind. Oft wissen sie gar nicht, was sie tun sollen, und stolpern so von einer Situation in die nächste. Die dritte Gagquelle ist eine ganz spezielle Organisation, deren Wege sich immer wieder mit denen unserer Heldentruppe kreuzt. Die ist so absurd, dass sie den besten, weil einzigen echten Einfall des Films darstellt.

Im Mittelmaß versumpft

Aber auch sie kann nicht verhindern, dass das Abenteuer im Mittelmaß versumpft. Die meisten Gags sind schon recht verbraucht, was durch die vereinzelten Wiederholungen nicht besser wird. Die Bilder, die in Zusammenarbeit mit den Reel FX Animation Studios entstanden sind, sind hübsch, aber unauffällig. Die Figuren sind größtenteils recht simpel angelegt. Da ist tatsächlich Chaz noch eine der komplexeren, wie sich gegen Ende herausstellt. Es fehlt da einfach etwas, das dabei helfen würde, den Film von den vielen ähnlich gelagerten wirklich zu unterscheiden. Selbst das an und für sich reizvolle Australien-Setting kommt recht kurz. Wer diesen Anspruch gar nicht hat und einfach nur einen netten Animationsfilm für die Kleinen sucht, der macht mit Zurück ins Outback nichts verkehrt. Die Mischung aus turbulentem Abenteuer, albernen Witzen und gutgemeinten Ratschlägen funktioniert. Aber eben auch nicht mehr als das.

Credits

OT: „Back to the Outback“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Clare Knight, Harry Cripps
Drehbuch: Harry Cripps
Musik: Rupert Gregson-Williams
Animation: Netflix Animation, Reel FX Animation Studios

Bilder

Trailer

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Wenn in „Zurück ins Outback“ vermeintlich bösartige Tiere sich nach Geborgenheit sehnen, ist das eine im Grundsatz nette Geschichte um verkannte innere Werte. Mehr als Mittelmaß ist der Animationsfilm jedoch nicht, da fehlt sowohl inhaltlich, humoristisch wie auch visuell etwas, um sich von den vielen anderen ähnlich gelagerten Titeln zu unterscheiden.
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