Kritik

Angelas Weihnachtswunsch Angela's Christmas Wish Netflix

„Angelas Weihnachtswunsch“ // Deutschland-Start: 1. Dezember 2020 (Netflix)

Limerick, Irland im Jahr 1913: Weihnachten nähert sich mit großen Schritten, die Vorfreude auf das nahende Fest ist groß. So richtig glücklich ist Angela dabei aber nicht, sehnt sie sich doch sehr nach ihrem Vater, der im fernen Australien arbeitet. Wie schön es doch wäre, wenn er kommen könnte, sie alle gemeinsam feiern! Aber warum eigentlich nicht? Um ein richtig schönes Weihnachtsfest zu haben und auch ihrer Mutter eine Freude zu bereiten, beschließen Angela und ihr Bruder, ihren Vater einfach zu holen. Dabei stoßen die zwei jedoch schnell an ihre Grenzen …

Geschichten aus der Kindheit
Mit seinem autobiografischen Roman Die Asche meiner Mutter gelang Frank McCourt 1996 ein echter Volltreffer. Die Geschichte einer ärmlichen Kindheit wurde weltweit zu einem Verkaufsschlager, brachte dem irisch-amerikanischen Autor einen Pulitzer Preis ein und zog eine Reihe weiterer Werke nach sich: Folgeromane, eine Verfilmung, sogar ein Musical. 2017 erschien dann auch noch der animierte Kurzfilm Angelas Weihnachten, der zwar nicht direkt auf dem Buch basierte, sondern einer Kurzgeschichte, dabei aber ebenfalls ein Mädchen namens Angela die Hauptfigur ist – der Name seiner Mutter. Inwieweit das Ganze dann ebenfalls autobiografisch ist, darüber kann man sich streiten, umso mehr, da McCourt bei seinem Hauptwerk es mit der objektiven Wahrheit nicht ganz so genau nahm.

Im Fall des Netflix-Films Angelas Weihnachtswunsch ist die Sachlage schon einfacher. Damien O’Connor, der schon beim letzten Mal Regie führte und hier allein das Drehbuch zu verantworten hat, konnte sich inhaltlich völlig austoben, da es keine Vorlage mehr zum Verarbeiten gab. Zum Nachteil wurde das nicht, im Gegenteil. Während Angelas Weihnachten trotz einer sehr kurzen Laufzeit von rund 25 Minuten irgendwie nicht wirklich etwas zu erzählen hatte, da gibt es bei der der längeren Fortsetzung deutlich mehr Stoff. Den ersten Teil muss man dabei nicht gesehen haben. Zwar wird auf die Ereignisse um die entwendete Christus-Figur, die Angela wärmen wollte, eingegangen. Aber das ist nicht mehr als ein Nebensatz.

Kurioser Blick auf die Welt
Stattdessen gibt es hier die komischen Versuche der Kinder, ihren Vater zu erreichen. Erneut wird aus deren Perspektive erzählt, was bedeutet, dass vieles in der Welt nicht so wirklich Sinn ergibt. Die Erwachsenen reagieren dann auch in einer Mischung aus Verblüffung und Vergnügen, wenn sie hören, was die da so treiben. Die natürlich zum Scheitern verurteilten Versuche dienen aber nicht dazu, sich über Angela und die anderen lustig zu machen. Vielmehr ist hinter der kuriosen Hülle immer die Tragik einer getrennten und ärmlichen Familie, trotz heiterer Momente lässt Angelas Weihnachtswunsch keinen Zweifel daran, wie traurig das letztendlich alles ist.

Ganz ohne Kitsch kommt das wie schon beim letzten Mal nicht aus, wobei dieser weniger aufdringlich ist. Angelas Weihnachtswunsch will schließlich, dass sich am Ende alle gut fühlen und optimistisch in die Zukunft blicken. Dazu gibt es die zwar nicht sehr inspirierte, aber doch immer wieder nette Aussage, dass das wahre Glück sich nicht an Geld misst. Wer davon noch nicht genug hat, der bekommt dies hier schön verpackt in einem freundlichen Animationsfilm für eine jüngere Zielgruppe. Das reicht vom Charme und Witz her zwar nicht an den kuriosen Kollegen Alien Xmas heran. Darf es aber ein eher traditionelles Werk sein, mit diesem macht man nicht wirklich was verkehrt.

Credits

OT: „Angela’s Christmas Wish“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Damien O’Connor
Drehbuch: Damien O’Connor
Vorlage: Frank McCourt
Musik: Darren Hendley

Bilder

Trailer

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Angelas Weihnachtswunsch
In „Angelas Weihnachtswunsch“ gibt es ein Wiedersehen mit dem aufgeweckten Mädchen mit dem guten Herzen, das dieses Mal alles dafür tut, den eigenen Vater wiedersehen zu können. Das bedeutet mehr Inhalt als beim ersten Kurzfilm, ist insgesamt ein schöner Animationstitel für eine jüngere Zielgruppe.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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