Always Be My Maybe Netflix
© Netflix

Always Be My Maybe

Always Be My Maybe Netflix
„Always Be My Maybe“ // Deutschland-Start: 31. Mai 2019 (Netflix)

Als Kinder waren die beiden noch beste Freunde gewesen, später sammelten sie sogar erste sexuelle Erfahrungen miteinander. Inzwischen ist davon aber nicht mehr viel übrig, nach diesem eher unglücklichen Zwischenfall gingen sie auseinander und brachen den Kontakt ab. Umso größer die Überraschung, als sie sich plötzlich nach 16 Jahren wieder gegenüberstehen. Sasha (Ali Wong) ist eine erfolgreiche Küchenchefin geworden und war gerade im Begriff zu heiraten, als ihr Verlobter die Hochzeit erst noch einmal verschieben wollte. Marcus (Randall Park) ist nicht ganz so erfolgreich, arbeitet noch immer für seinen Vater, auch seine Musikkarriere kommt nicht voran. Doch trotz der großen Unterschiede, so ganz verschwunden sind ihre Gefühle füreinander nie …

Letztes Jahr wurde Crazy Rich in den USA zu einem der großen Überraschungshits: Die Liebeskomödie spielte in Nordamerika rund 175 Millionen Dollar ein, auch die Kritiker waren verzückt. Hierzulande interessierte sich jedoch kaum einer für den Film, was nicht sonderlich verwundern dürfte. Die Buchadaption stach dadurch hervor, einen riesigen Cast mit asiatischen Wurzeln auf der Leinwand zu versammeln, die Geschichte selbst war eine Ansammlung von Klischees. Für ein Publikum, das sich erstmals dadurch im Kino repräsentiert fühlte, war das ein Großereignis. Ohne diese Identifikation blieb ein Film, den man zwar für seine gesellschaftliche Bedeutung schätzen konnte, der ansonsten aber völlig überflüssig war.

Ein lokales Vergnügen
Gleiches gilt dann auch für  den Netflix-Film Always Be My Maybe, der in den USA immerhin einen limitierten Kinoeinsatz erhält, hierzulande aber in der Flut an Liebeskomödien im Programm des Streaminggiganten eher untergehen dürfte. Ali Wong mag jenseits des großen Teiches ein Star sein, bei uns ist die Komikerin jedoch kaum bekannt. Randall Park durfte hingegen durchaus in ein paar größeren Filmen mitspielen, beispielsweise in Aquaman und Ant-Man and the Wasp. Doch dabei handelte es sich meistens um unbedeutendere Nebenrollen. Der größte Auftritt war ihm noch in der Groteske The Interview vergönnt, wo er den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un verkörperte.

Ganz auf Hollywood-Glanz muss jedoch niemand verzichten, in einem wunderbaren, jedoch kurzen Gastauftritt spielt sich Keanu Reeves selbst. Der gehört dann auch wirklich zu den Glanzmomenten eines ansonsten eher unscheinbaren Films. Der gerade mit John Wick: Kapitel 3 die Kinocharts stürmende Darsteller zeigt hier wie schon in Career Day mit Hindernissen eine selbstironische Seite, die der Komödie richtig gut tut. Ansonsten sind Lacher nämlich eher rar gesät, auch wenn sich Michelle Buteau als Sashas bester Freundin Mühe gibt, ein bisschen Schwung in die träge Geschichte zu bringen.

Süße Belanglosigkeit
Das soll nicht bedeuten, dass Always Be My Maybe keine anderen Vorzüge hätte. Die Kombination aus Karrierefrau und Loser ist zum Beispiel nicht die alltäglichste, zumal Frauen eher selten berufliche Erfolge in der Kulinarik feiern. Da darf der Film schon mal ein bisschen träumen. Dass sich beide irgendwo in der Mitte treffen müssen, ist sympathisch. Und auch als Paar harmonieren Wong und Park relativ gut miteinander. So gibt es sowohl in der Kindheit wie auch in der erwachsenen Reunion einige süße Szenen, wenn um Essen gestritten wird oder zwei Lebenswelten aufeinanderprallen, die so gar nicht miteinander in Einklang zu bringen sind.

Und doch verpasst es der Film, sich eine wirkliche Identität aufzubauen. Die Welt der Küche ist beispielsweise reine Hintergrunddeko, die allenfalls für ein paar schwache Snobismus-Witze benutzt wird. Allgemein ist Always Be My Maybe nicht so wirklich komisch, versucht sich mal am Alltäglichen, mal am Überzogenen, ohne nennenswerte Treffer zu landen. Und auch die Geschichte plätschert vor sich hin, setzt zu keinem Zeitpunkt Akzente. Wer will, freut sich über einen weiteren völlig ambitionslosen Beitrag eines ohnehin nur selten fordernden Genres, das sich mit hübscher Bestätigung zufriedengibt. Oder eben über ein überfällige Integration asiatischstämmiger Darsteller und Darstellerinnen. Das allein macht das Schicksal zweier Kindheitsfreunde, die viel zu spät ihre richtigen Gefühle ausleben, aber nicht zu einem erzählenswerten.



(Anzeige)

„Always Be My Maybe“ erzählt die übliche Geschichte von einer Kindheitsfreundschaft, die eigentlich zu viel mehr bestimmt war – was sie aber erst Jahre später merkt. Der Paar ist irgendwie süß. Abgesehen von der asiatischstämmigen Besetzung und einem selbstironischen Gastauftritt gibt es hier jedoch zu wenig, um die Liebeskomödie wirklich aus der Masse hervortreten zu lassen.
5
von 10