Clark Netflix
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Clark Netflix
„Clark“ // Deutschland-Start: 5. Mai 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Einfach war das Leben von Clark Olofsson (Bill Skarsgård) nie. Seine Mutter hatte mit psychischen Problemen zu kämpfen, sein Vater war nicht unbedingt das, was man fürsorglich oder vorbildlich nennen würde. Und so lernte der Junge schon früh, sich einfach das zu nehmen, wonach es sein Herz begehrt. Oder auch andere Körperteile. Neben der weiblichen Anatomie entwickelt er früh eine Vorliebe für Geld und andere Formen des Besitzes. So ein Luxusleben ist schon etwas Feines. Da er gleichzeitig aber wenig Interesse daran hat, für eben diesen Besitz zu arbeiten, hat er sich auf den guten alten Bankraub spezialisiert. Es dauert nicht lange, bis er es damit zu einem gewissen Ruhm bringt. Vor allem die Frauen liegen dem charmanten Räuber zu Füßen …

Der Ruhm des Verbrechens

Eigentlich ist die Welt des Verbrechens eine, die nicht unbedingt in aller Öffentlichkeit stattfindet. Schließlich soll in der Regel niemand wissen, dass man etwas Verbotenes tut. Das wäre etwas kontraproduktiv beim Begehen künftiger Verbrechen. Und doch gab es immer mal wieder Gangster, die gerade durch ihre Vergehen weltberühmt wurden. Al Capone war so einer. Oder auch Bonnie und Clyde, die für zahlreiche andere Paare als romantische Vorlage für ein Leben auf der Flucht genutzt wurden. Clark Olofsson dürfte hierzulande eher weniger Leuten etwas sagen. In seiner Heimat Schweden war er hingegen ein Star und Dauergast in den Medien. Wie es dazu kam, verrät die neue Netflix-Miniserie Clark.

So ein Verbrecherporträt kann in Filmen und Serien die verschiedensten Formen annehmen. Manche Titel setzen mehr auf Spannung und bedienen sich der Elemente des Krimis oder des Thrillers. Andere betonen eher die tragischen Aspekte, die mit einem solchen Leben oft einhergehen. Bei Clark wäre Letzteres durchaus eine Option gewesen, angesichts seiner furchtbaren Jugend. Stattdessen ist die schwedische Produktion aber überraschend heiter und humorvoll. Sie ist auch sehr verspielt. Immer wieder lockert Regisseur und Co-Autor Jonas Åkerlund, der schon bei Polar eine Vorliebe für die Kombination aus Überzogenem und Genre demonstrierte, die Geschichte inszenatorisch auf. Das können mal Animationen sein. Es wird viel mit Farben gespielt. Und auch Voiceover kommen extensiv zum Einsatz.

Ein charmanter Schurke

Und auch Bill Skarsgård gibt jegliche Form von Zurückhaltung auf. Der weltweit als Killerclown in Es berühmt gewordene Schauspieler genießt es sichtlich, sich hier völlig gehenzulassen und jede Verrücktheit mitmachen zu dürfen. Von denen gibt es nicht gerade wenig. Er rammelt jede schöne Frau, die ihm über den Weg läuft, ob er nun gerade liiert ist oder nicht. Und auch bei den Männern setzt er jedes Quäntchen Charm ein, das ihm zur Verfügung steht. Anders als so manch anderer Gangster, der von Natur aus böse ist und eine klar menschenverachtende Einstellung hat, da ist Clark Olofsson mehr der Typ unbekümmerter Schlawiner, der sich irgendwie durchs Leben mogelt.

Clark weckt damit Erinnerungen an frühere Porträts charmanter Verbrecher wie Catch Me If You Can oder Ein Gauner & Gentleman. Alles unverbesserliche Leute, die mit so viel Witz und Charme ihre großen und kleinen Schandtaten begehen, dass man nie genau sagen kann: Bin ich jetzt für oder gegen sie? Åkerlund spielt natürlich auch bewusst mit dieser Ambivalenz. Er lädt das Publikum ein, mit dem Protagonisten spannende bis absurde Abenteuer zu erleben, macht aber auch immer deutlich: Ein Held ist die Titelfigur nicht. Er ist nicht einmal ein Antiheld. Stattdessen sind wir an einen selbstsüchtigen Menschen gekettet, der nie wirklich erwachsen geworden ist und mit kindlicher Freude über die Strenge schlägt.

Spaßig, aber etwas monoton

Diese Freude kann sehr ansteckend sein. Aber auch anstrengend: Da sich Clark nie wirklich weiterentwickelt, kommt es im Laufe der sechs Folgen schon zu Ermüdungserscheinungen. Das ständige Lachen des Protagonisten etwa kann durchaus an den Nerven zerren. Hinzu kommt, dass zwar immer mal wieder die Settings und die Frauen an seiner Seite ausgetauscht werden. Inhaltlich hat dies aber praktisch keine Auswirkungen. Entweder hat Clark gerade Sex, bricht irgendwo ein oder bricht aus einem weiteren Gefängnis aus. Trotz des verspielten Drumherums ist das auf Dauer ein bisschen monoton. Wer sich daran aber nicht allzu sehr stört, kann mit dem freimütigen und selbstverliebten Schurken viel Spaß haben und zumindest erahnen, warum er eine solche Mediensensation war.

Credits

OT: „Clark“
Land: Schweden
Jahr: 2022
Regie: Jonas Åkerlund
Drehbuch: Jonas Åkerlund, Fredrik Agetoft, Peter Arrhenius
Musik: Mikael Åkerfeldt
Kamera: Eric Broms
Besetzung: Bill Skarsgård, Alicia Agneson, Vilhelm Blomgren, Hanna Björn, Christopher Nordenrot

Bilder

Trailer

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Clark
Fazit
„Clark“ erzählt mit viel Schwung und Lust an inszenatorischen Spielereien die Geschichte des unverbesserlichen Bankräubers und Frauenhelden Clark Olofsson. Das macht Spaß, auch weil Bill Skarsgård ebenso ungeniert seine Figur ausspielt. Auf Dauer ist die Miniserie aber ein bisschen monoton und anstrengend, da alles zwar sehr temporeich ist, ohne dabei vom Fleck zu kommen und sich weiterzuentwickeln.
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